Etwas mehr Scham bitte

Philipp Unterschütz nimmt in seinem «Blitzlicht» die Diskussion ums Klima aufs Korn.

Philipp Unterschütz
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Philipp Unterschütz

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Freuen Sie sich noch oder schämen Sie sich bereits? In Zeiten der durch digitale Welt und soziale Medien befeuerten Hysterie über praktisch jedes Thema könnte es ja sein, dass die Flugscham Sie auch schon erreicht hat.

Natürlich muss man sich Sorgen um das Klima machen. Aber auch um die Meere, Umwelt, Regenwälder, Menschenrechte, Politiker, Wirtschaftsführer, AHV, Pensionskasse, Arbeitsplatz und vieles mehr. Und natürlich sind zielgerichtete Massnahmen gefragt, die auch was bringen. Darum geht es mir aber nicht, sondern nur ums Schämen, was momentan ja gefordert ist.

Für rund 40 Prozent des weltweiten CO2 Ausstosses ist die Elektrizitäts- und Wärmeerzeugung verantwortlich – zufolge der Hysterielogik sollte also eigentlich die E-Fahr-, Wärme- und Kochscham viel mehr Gewicht haben. Da auch die Bahn mit Strom fährt, müsste auch etwas mehr Ferroscham vorhanden sein. Und wo bleibt eigentlich die Kreuzfahrerscham?

Zu Hause bleiben nützt ja auch nichts. Neulich nahm mir beim Biss in die Bratwurst ein akuter Anfall von Grillscham den Appetit. Milchscham habe ich auch – Sie wissen schon, wegen der Kuhfürze und so. Was mich aber fast umbringt, ist die Atemscham. Schliesslich atmen wir Menschen, Tiere und Pflanzen jährlich die unvorstellbare Menge von etwa 120 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr aus. Vielleicht sollten wir damit aufhören, dann wird alles besser.