«Existenziell für Nidwalden»: Pflege des Schutzwaldes kostet zehn Millionen Franken

Der Kanton Nidwalden will in den nächsten fünf Jahren grosse Schutzwald-Flächen pflegen. Das Geld sei gut investiert.

Christian Glaus
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Der Nidwaldner Regierungsrat beantragt dem Landrat einen Rahmenkredit von 13,8 Millionen Franken. Das Geld ist nötig für die Umsetzung der Programmvereinbarungen mit dem Bund im Bereich Umwelt. Dieser beteiligt sich mit 13,4 Millionen Franken (wir berichteten).

Ein wesentlicher Teil des kantonalen Rahmenkredits, nämlich 6,5 Millionen Franken, wird für die Pflege des Schutzwaldes verwendet. Hinzu kommen die Bundesbeiträge von 3,9 Millionen Franken. Insgesamt stehen für die Periode 2020 bis 2024 somit pro Jahr rund 2 Millionen Franken für den Schutzwald zur Verfügung.

Jede Siedlung, Autobahn und Bahnlinie geschützt

Das Geld sei gut investiert, sagt der Nidwaldner Oberförster Rudolf Günter: «Der Schutzwald ist für den Kanton Nidwalden existenziell. Jede Siedlung, die Autobahn und auch die Zentralbahnlinie sind durch Schutzwälder geschützt.» In Stansstad beispielsweise sollen die Bäume Steinschlag verhindern, in Hergiswil schützen sie vor Wildbachgefahren oder in Oberrickenbach vor Lawinen. Insgesamt werden Sachwerte von über 5 Milliarden Franken durch Wälder geschützt.

In den kommenden fünf Jahren sollen von den 4400 Hektaren Schutzwald 700 Hektaren gepflegt werden. Das sind 140 Hektaren pro Jahr, wie Günter vorrechnet. «Das bedeutet: Im Schnitt sind wir alle 30 Jahre wieder im gleichen Waldabschnitt tätig. Wir machen nur das absolut Notwendigste, trotzdem entstehen hohe Kosten.»

Zum Vergleich: Schweizweit rechnet man damit, dass ein Schutzwald alle 20 bis 25 Jahre gepflegt werden muss. Die Differenz erklärt Rudolf Günter unter anderem damit, dass Bäume in höheren Lagen langsamer wachsen und deshalb auch der Schutzwald weniger Pflege benötigt. Der Kanton plant die Pflege des Schutzwaldes jeweils über zehn Jahre. Diese beinhaltet das Fällen alter Bäume sowie die Pflege des Jungwaldes. Letzterer sei besonders arbeitsintensiv. Ansonsten sei der Schutzwald relativ träge, sagt der Nidwaldner Oberförster. Ältere Bestände könne man ohne grosse Eingriffe wachsen lassen.

«Wir betreiben keine Waldgärtnerei.»

Laut Rudolf Günter ist der Nidwaldner Schutzwald auch dank der langfristigen Planung in einem guten Zustand und erfüllt seine Schutzfunktion.

Sorgen bereiten ihm aber Schäden, die immer wieder durch Sturmwinde und Schädlinge wie den Borkenkäfer verursacht werden. Diese würden zwar nicht zunehmen. Sie seien aber meist nicht vorhersehbar und hätten Auswirkungen auf die Planung und die Finanzen. Zudem verursachen sie Folgeprobleme wie etwa Steinschläge aus den Wurzeltellern von umgeworfenen Bäumen. In den nächsten fünf Jahren wird im Kanton Nidwalden in 13 Schutzwaldprojekten gearbeitet, eines pro Gemeinde, mit Ausnahme von Stansstad, wo zwei Projekte bestehen. Hinzu kommt eines im Bereich der Autobahn A2.

Finanzierung sei «eine leidige Situation»

Knapp ein Drittel der Fläche des Kantons Nidwalden besteht aus Wald. Dieser gehört zirka 600 Eigentümern, wobei Korporationen und Alpgenossenschaften rund 70 Prozent der Flächen besitzen. Die Eigentümer sind denn auch für die Pflege verantwortlich. Unterstützt werden sie vom Kanton – finanziell und mit Beratung durch den Forstdienst.

Gerade die Finanzierung sei «eine leidige Situation», sagt Oberförster Rudolf Günter. Die Holzpreise sind in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten stetig gesunken. Die Kosten für die Pflege des Schutzwaldes können noch zu einem Drittel über den Verkauf des geschlagenen Holzes gedeckt werden. Die ungedeckten Kosten übernimmt der Kanton zusammen mit dem Bund.