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Falscher Klick kann fatal sein

Die Internetkriminalität ist bei uns längst Realität. Tendenz steigend. Auch Bankkunden haben die Betrüger im Visier. Im Kampf dagegen braucht die Nidwaldner Polizei zusätzliche Stellen.
Oliver Mattmann/Matthias Piazza
Im Internet existieren nicht nur unbegrenzte Möglichkeiten, sondern lauern auch Betrüger. (Bild: Erik Tham/Getty)

Im Internet existieren nicht nur unbegrenzte Möglichkeiten, sondern lauern auch Betrüger. (Bild: Erik Tham/Getty)

Die Cyberkriminalität, bei der Verbrecher übers Internet auf betrügerische Art an Geld kommen wollen, ist längst auch im Kanton Nidwalden verbreitet. Im vergangenen Jahr gab es gar einen frappanten Anstieg sogenannter IT-Delikte auf 83 (2016: 18). «Heute gibt es kaum mehr eine Tat, die nicht in irgendeiner Form eine Auswertung von Daten auf dem Handy, Computer oder Tablet nach sich zieht», sagt Ruedi Baumgartner, Leiter der Nidwaldner Kriminalpolizei. Bekanntes Beispiel sind Betrüger, die sich als Microsoft-Mitarbeiter ausgeben und den Kunden vorgaukeln, sie müssten Passwörter herausgeben oder deren PC von einem Virus befreien – und stattdessen einen solchen installieren, um an vertrauliche Daten zu gelangen. Auch E-Banking-Nutzer sind auf dem Radar von Internetbetrüger. Dazu später mehr.

«In vielen Betrugsfällen ist nicht das Programm im Internet respektive dessen Sicherheitsbarriere die Schwachstelle, sondern der unaufmerksame oder leichtgläubige Anwender», hält Ruedi Baumgartner fest. Es sei bemerkenswert, wie Menschen auf eine offensichtliche Masche reinfallen. Ein haarsträubender Fall: Eine Nidwaldnerin schickte ihrer Internetbekanntschaft einen sechsstelligen Betrag, weil er ihr die grosse Liebe versprach. Zu einem Treffen kam es nie. Nach einiger Zeit traf ein Mail ein, wonach ihr Bekannter verstorben sei und man nun weiteres Geld brauche, um die Beerdigung zu organisieren. «Gemäss den Ermittlungen war auch dieses Mail bloss ein Vorwand, um noch mehr Geld zu ergaunern», so der Kripo-Chef.

Hinter Betrug steckt oft eine organisierte Bande

Ermittlungen gerade im Bereich der Internetkriminalität gestalten sich aber oft schwierig und aufwendig. Der Tatort ist im Netz und die Täterschaft hinterlässt keine DNA oder Fingerabdrücke. Die Auswertung digitaler Daten nimmt nicht zuletzt deshalb viel Zeit in Anspruch, weil die Spuren häufig ins Ausland führen. Die internationale Rechtshilfe funktioniere zwar, so Baumgartner, doch deren Abwicklung erfordere Geduld. Erschwerend sei, dass die Behörden etwa in Afrika oder Asien meist andere Probleme haben als ein Rechtshilfegesuch aus Nidwalden förderlich zu bearbeiten. Die Krux: Häufig führen die Spuren gerade in solche Länder. Baumgartner spricht von organisierter Kriminalität. Dennoch empfiehlt er Opfern eines Betrugs oder Betrugsversuchs, sich bei der Polizei zu melden. «Nur so können wir überhaupt Schritte einleiten, um die Täter zu eruieren.»

Ihre Erfahrungen mit Betrugsversuchen hat auch die Nidwaldner Kantonalbank (NKB) gemacht. Die Betrüger probieren dabei nicht das bankeigene System zu knacken, denn dieses ist auf dem höchstmöglichen Sicherheitsstandard. Sie wählen stattdessen den Weg über den Computer des Kunden. Im Vorjahr brachten Täter zwei E-Banking-Nutzer dazu, Zahlungen in Auftrag zu geben, an denen sie sich bereichern wollten. «Zum Glück sind die Opfer misstrauisch geworden und haben sich rasch bei uns gemeldet, sodass wir die Zahlungen noch blockieren konnten», erzählt Hugo Berlinger, Leiter Servicecenter bei der NKB.

Meistens führten Unkenntnis oder Ungeduld dazu, dass Kunden eine gefälschte Log-in-Webseite nicht als solche erkennen und damit Internetbetrügern unbemerkt Passwörter aushändigen. «Manche Leute halten mit der rasanten Digitalisierung gar nicht mehr Schritt. Und dennoch muss heutzutage alles schnell und auf Knopfdruck gehen», sagt Peter Bircher, Leiter Marketing und Kommunikation bei der NKB. Dabei wäre seiner Meinung nach etwas mehr Vorsicht geboten, etwa wenn Kunden per Mail aufgefordert werden, auf einen Link zu klicken, um ihr Passwort zu verifizieren. «Seriöse Unternehmen fordern nie per Mail Kundendaten an.»

Mit drei Infoveranstaltungen im Juni (siehe Hinweis) will die NKB die Öffentlichkeit zum Thema Cyberkriminalität rund ums E-Banking sensibilisieren. Dabei geben Experten Tipps und Tricks, wie man sich schützen kann (siehe auch Kasten). «Wir wollen interessierte Personen auf die Gefahren und Schutzmassnahmen hinweisen, statt sie ihrem Schicksal zu überlassen», so Peter Bircher. Die Bank sensibilisiert aber nicht nur nach aussen, sondern auch innen. «Die Schulung der Mitarbeiter gewinnt laufend an Bedeutung», sagt Hugo Berlinger. Er geht davon aus, dass Angriffe auf E-Banking-Kunden – bei der NKB werden mittlerweile 87 Prozent aller Zahlungen so ausgeführt – künftig zunehmen werden.

Verbleibt die Polizei im «digitalen Steinzeitalter»?

Das befürchtet auch Kripo-Chef Ruedi Baumgartner. Die Cyberkriminalität werde tendenziell weiter ansteigen, ist er überzeugt. Dies bringt auch die Kriminalpolizei an ihre Grenzen. «Wir bemühen uns um den Aufbau einer Spezialistenstelle», erklärt er. Daher habe man zwei zusätzliche Stellen beantragt. Doch was ist, wenn der Regierungsrat oder das Parlament diese Aufstockung ablehnen? «Dann wird die Polizei in der digitalen Steinzeit verbleiben», sagt Baumgartner klipp und klar, «und Fälle aus der Welt der Cyberkriminalität können nicht mit dem notwendigen Know-how bearbeitet werden.»

Cyberbetrug und IT-Delikte gewinnen auch in Obwalden immer mehr an Bedeutung. «Wir stellen den Trend weg von klassischen Vermögensdelikten hin zu Delikten über das Internet fest», sagt Christoph Fries, Leiter der Kriminalpolizei Obwalden. Als Antwort darauf hat sie 2017 eine IT-Ermittlungsstelle geschaffen. «Die ersten Erfahrungen sind durchwegs positiv. Der Fachverantwortliche kann sich intensiv mit der Materie befassen und entlastet seine Kollegen.» Damit soll auch die Aufklärungsquote steigen, welche gerade im Bereich der Betrugsdelikte inzwischen bei relativ tiefen 35 Prozent liege.

Infoveranstaltungen der NKB am Hauptsitz in Stans zum Thema Cyberkriminalität: Mittwoch, 6. Juni, 19 bis 21.30 Uhr, Donnerstag, 21. Juni, sowohl 9.15 bis 11.30 Uhr als auch 18 bis 20.30 Uhr. Anmeldung unter www.nkb.ch/cyber (begrenzte Teilnehmerzahl)

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