Fasnacht Nidwalden
Schmutziger Donnerstag einmal anders

Kleine Gruppen in ganz Nidwalden trotzen allen Widrigkeiten und verbreiten willkommene Stimmung.

Ruedi Wechsler
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Auf dem Stanser Dorfplatz treffen sich schon am frühen Morgen kunterbunt zusammen gewürfelte Fasnachtsgruppen. Auch in Dallenwil, Wolfenschiessen oder Buochs sind unentwegte Kleingruppen unterwegs und schnuppern im erlaubten und etwas gewöhnungsbedürftigen Rahmen Narrenluft. So auch die Frauengruppe «Intoxicated» aus Wolfenschiessen. Für Muriel, Chiara, Luana und Elena ist Fasnacht Leben. Die fünfte Jahreszeit gehöre einfach dazu und sie möchten Spass haben. Warm eingekleidet wollen sie Trinken und sich zwischendurch am Feuer aufwärmen. Dabei können sie komplett abschalten und neue Kontakte knüpfen.

Die Frauengruppe Intoxicated aus Wolfenschiessen.

Die Frauengruppe Intoxicated aus Wolfenschiessen.

Bild: Ruedi Wechsler (Stans, 11. Februar 2021)

Aus dem Treychlerclub «Gulogwitter» entstand spontan die Kleinformation «Gulogweigger». Pascal, Simon und Lars trafen sich mitten in der Nacht bei einem Kollegen zum Antrinken. Mit dem ersten Zug fuhren sie nach Stans. Dieses Jahr sei speziell und man werde als Fasnächtler fast vergessen und dazu noch kontrolliert. «Falls uns die Polizei hier wegschickt, kehren wir nach Wolfenschiessen zurück und kommen am Nachmittag wieder», sagt Lars. So weit kam es aber nicht und ein Polizist meinte, dass man den gesunden Menschenverstand walten lassen sollte. Die drei sind alle in der Gugge Ribihäxe Dallenwil und lassen sich die Freude nicht nehmen. Bier werde ihren Durst löschen und den Hunger würden sie sich am Dönerstand stillen.

Die Gruppe Guloweigger stammt aus dem Treichlerclub Gulogwitter Wolfenschiessen.

Die Gruppe Guloweigger stammt aus dem Treichlerclub Gulogwitter Wolfenschiessen.

Bild: Ruedi Wechsler (Stans, 11. Februar 2021)

Fasnacht im Herzen

Seit 5 Uhr morgens ist eine weitere Kleingruppe unterwegs. Angi ist seit 1977 als Kleinkind an der Fasnacht und Sandy ergänzt:

«Mein Herz sagte gestern, dass ich hierher gehen werde. Da treffe ich viele Personen, die mich durchs Leben begleiten. Der soziale Aspekt ist unbezahlbar und hier sieht man sich und kann sich austauschen.»

Fasnacht sei ein Stück Leben. «Wenn uns die Polizei wegschickt, so akzeptiere ich das und wir halten uns an die Regeln. Wir haben Kinder und kennen ihre ‹Gspänli›. Für sie ist die Stanser Fasnacht ein Muss und sie fahren nicht an die Luzerner Fasnacht», erwähnt Sandy nicht ohne Stolz.

Polizist Belu ist beim Bussenverteilen auf dem Dorfplatz äusserst nachsichtig.

Polizist Belu ist beim Bussenverteilen auf dem Dorfplatz äusserst nachsichtig.

Bild: Ruedi Wechsler (Stans, 11. Februar 2021)

Eine Uniform mit Notizblock war auf dem Dorfplatz nicht zu übersehen. Marco Belu bestellte am letzten Montag sein Gwand und konnte es einen Tag später bereits anprobieren. «Ich bin hier der Dorfplatz-Polizist, der die Bussen verteilt. Für mich ist Fasnacht Kultur und ein Zusammenkommen. Gerade in der jetzigen Situation treffe ich Personen, denen ich während dem Jahr nie begegne. Für mich ist der heutige Tag ein kantonaler Feiertag, den man feiern muss», erzählt der gutgelaunte Sheriff.

Auf dem Buochser Dorfplatz haben sich Les Chapeaux (die Hüte) installiert. Sie sind schon bald zehn Jahre unterwegs und zählen 25 Mitglieder. Für Sascha und Gaba findet der Schmutzige Donnerstag genau gleich statt und sie ergänzen: «Die Fasnacht hat für uns eine grosse Bedeutung und man lernt viele Leute kennen.» Beide gehörten viele Jahre der «Chatzemusig» an und offerieren den spärlichen Besuchern Kaffee-Schnaps. Daneben lodert ein Wärme spendendes Feuer.

Les Chapeaux (die Hüte) auf dem Buochser Dorfplatz.

Les Chapeaux (die Hüte) auf dem Buochser Dorfplatz.

Bild: Ruedi Wechsler (Buochs, 11. Februar 2021)