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FDP-Frauen schauten bei Swissint Friedensförderinnen über die Schulter

Welche Chancen bietet das Militär für Frauen? Darüber informierten sich FDP-Politikerinnen in Oberdorf.
Franziska Herger
Die FDP-Frauen, allen voran Präsidentin Doris Fiala, schauen interessiert beim Kettenanlegen zu. (Bilder: Nadia Schärli (Oberdorf, 30. Juli 2019))

Die FDP-Frauen, allen voran Präsidentin Doris Fiala, schauen interessiert beim Kettenanlegen zu. (Bilder: Nadia Schärli (Oberdorf, 30. Juli 2019))

Auf den Übungsplatz des Kompetenzzentrums für militärische Friedensförderung Swissint in Oberdorf brennt die Sonne. In voller Montur üben die Teilnehmer der Swisscoy-Grundausbildung unbeeindruckt das Manövrieren von Geländefahrzeugen, wechseln die schweren Reifen und legen Ketten an.

Auf einen Einsatz im Kosovo oder in Bosnien-Herzegowina bereiten sich auch 19 sogenannte «Nicht-Eingeteilte» vor – Frauen ohne Militärerfahrung, die bei entsprechender beruflicher Vorbildung Funktionen in den Balkan-Missionen übernehmen können. Sie erfüllen etwa medizinische Aufgaben oder werden in den Beobachtungsteams eingesetzt, die im Kontakt mit der Bevölkerung stehen. Ihnen schauten die rund zwei Dutzend FDP-Frauen, die diese Woche Swissint besuchten, besonders genau über die Schulter.

Das Problem der doppelten Freiwilligkeit

Das Thema Sicherheit werde eher den Männern zugeordnet, sagt Nationalrätin Doris Fiala, Präsidentin der FDP-Frauen. Aber: «Wir Frauen wollen ja gleichberechtigt mit den Männern sein, daher muss man sich auch an Themen heranwagen, die vielleicht etwas überraschend sind.»

Unter dem Namen «Frauen für die Sicherheit, Sicherheit für die Frauen» haben sich die FDP-Frauen bereits zum Thema Selbstverteidigung im Ausgang informiert. Auch Anlässe mit Verteidigungsministerin Viola Amherd sind geplant.

Nun also die Swissint. «Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung entsprechen sehr dem Wesen der Frau», findet Doris Fiala. Die Armee biete zudem grosse Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten. Swissint-Kommandant Franz Gander stimmt zu. Viele der Frauen, die einen Friedensförderungseinsatz leisteten, wollten praktische Erfahrung gewinnen für eine spätere Karriere beim Aussen- oder Verteidigungsdepartement, bei der UNO oder bei Entwicklungsorganisationen. «Der Einsatz ist dafür sicher von Vorteil.»

Die Obwaldner Finanzdirektorin Maya Büchi (links) sowie Carola Weiss, Präsidentin der Obwaldner FDP-Frauen (im grünen Kleid), liessen sich den Anlass nicht entgehen.

Die Obwaldner Finanzdirektorin Maya Büchi (links) sowie Carola Weiss, Präsidentin der Obwaldner FDP-Frauen (im grünen Kleid), liessen sich den Anlass nicht entgehen.

Ziel der UNO ist es, bis 2030 einen Frauenanteil von 15 Prozent in der Friedensförderung zu erreichen. Das scheint nicht sehr viel. «Wir erreichen eigentlich bei jedem Einsatz-Kontingent in Bosnien-Herzegowina oder im Kosovo 15 bis 20 Prozent», sagt Kommandant Gander. «Bei den Stabsoffizieren und den Militärbeobachtern, die einen Offiziersrang haben müssen, gelingt uns das dagegen nicht.» Der Grund ist einfach: Die Schweizer Armee hat momentan nur rund 270 weibliche Offiziere. «Die doppelte Freiwilligkeit bei Frauen, einerseits des Armeediensts im Inland, andererseits des uniformierten Auslandseinsatzes, macht die Zielerreichung schwierig», so der Kommandant.

Wie also Frauen für das Militär begeistern? Die Möglichkeit eines Balkan-Einsatzes für nicht Eingeteilte scheint ein guter Einstieg zu sein. «Viele Frauen finden das Militär nach dem Einsatz sehr sinnvoll», sagt Gander. Swissint verfasst eine Studie für das Verteidigungsdepartement mit dem Ziel, Frauen nach einem Friedensförderungseinsatz in die Armee einzuteilen – ohne noch die Rekrutenschule absolvieren zu müssen. «Das könnte den Frauenanteil in der Armee relativ schnell erhöhen», ist Franz Gander überzeugt.

Nach der Einsatzübung kam es zu angeregten Gesprächen.

Nach der Einsatzübung kam es zu angeregten Gesprächen.

Swissint-Mediensprecherin Tabea Rüdin kennt den sechsmonatigen Einsatz im Kosovo aus eigener Erfahrung. «Es braucht Neugier, Toleranz und auch die Akzeptanz von Regeln, das gehört einfach dazu», erzählt sie. Frauen brächten eine gewisse Ruhe ins Kontingent. «Und im Kontakt mit der Bevölkerung, gerade mit anderen Frauen, haben sie oft einen anderen Zugang als ihre männlichen Kollegen.»

Allgemeine Dienstpflicht bräuchte Volksakzeptanz

Die FDP-Frauen, unter ihnen auch die Obwaldner Finanzdirektorin Maya Büchi, zeigten sich vom Besuch bei Swissint beeindruckt. Carola Weiss, Präsidentin der Obwaldner FDP-Frauen, meinte: «Ich habe heute eine ganz neue, sehr positive Wahrnehmung des Militärs gewonnen. Die Armee ist ein absolut valabler Berufsweg für Frauen, der leider noch viel zu wenig bekannt ist.»

Was denken die FDP-Frauen vor diesem Hintergrund über eine Armeepflicht für Frauen? Die Diskussion könne nicht so einfach vom Stapel gerissen werden, sagt Doris Fiala. «Man muss schauen, ob die Bevölkerung eine allgemeine Dienstpflicht – mit alternativen Einsatzmöglichkeiten für Männer und Frauen – mittragen würde. Frauen an männerlastige Themen wie die Sicherheit heranzuführen, ist ein erster Schritt.»

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