FESTIVAL: Die Regionalität rückt stärker ins Zentrum

Ein erfreulicher Vorverkauf, optimistische Wetterprognosen und ein Programm auch mit viel einheimischer Kost: Die Zeichen für die kommenden Stanser Musiktage stehen gut.

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Marc Unternährer und Marc Rambold (rechts) von den Stanser Musiktagen. (Bild: Dominik Wunderli (4. April 2018))

Marc Unternährer und Marc Rambold (rechts) von den Stanser Musiktagen. (Bild: Dominik Wunderli (4. April 2018))

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

«Natürlich sind wir letztes Jahr über die Bücher gegangen und haben analysiert, was alles zum Rückgang beigetragen hat», sagt Marc Rambold, Co-Leiter Stanser Musiktage. Das miese Wetter hatte sich für die Ausgabe 2017 als definitiver Killer erwiesen. Regen und Kälte führten zu einem Besucherrückgang und entsprechend weniger Konsu­mationseinnahmen. Trotzdem: «Wir haben alle Faktoren eingehend angeschaut, nach weiterem Sparpotenzial gesucht und uns auch inhaltliche Überlegungen gemacht.»

Ein Resultat davon ist, dass dieses Jahr noch dezidierter auf Regionalität gesetzt wird. Das geht bis hin zum Gastroangebot. «Die Beiz im Steinmättli hat sich bewährt», sagt Rambold. «Doch verlassen wir dieses Jahr das Konzept des Rund-um-die-Welt-Essens, wie das inzwischen fast jedes Festival kennt.» Stattdessen kommen Nidwaldner Spezialitäten auf die Menükarte, ebenso ein paar exotische Gerichte, aber wenn immer möglich mit einheimischen Produkten. «Wir arbeiten mit Nidwaldner Bauernfamilien und Betrieben zusammen.»

Intergalaktische Zusammenarbeiten

Mehr Regionalität scheint auch im Musikprogramm auf. «Wir haben in unserer Region ein so grosses Potenzial an interessanten Bands, dass es dumm wäre, dieses nicht einzubeziehen», sagt Marc Unternährer, Leiter der Programmgruppe. Dabei gehe es immer auch darum, die Bands in neuen Kontexten oder in besonderen Kombinationen zu zeigen. Spannende Dopplungen können laut Unternährer einen Konzertabend noch reicher machen. Zudem lohnt es sich für die Besucher auch finanziell. Praktisch zum gleichen Preis bekommen sie eine statt zwei Bands zu hören.

Erstmals werden dieses Jahr vier Abende mit Doppelkonzerten veranstaltet, an denen das einheimische Schaffen mit auswärtigen Projekten kombiniert oder die stilistische Palette kontrastreich erweitert wird. So kann man im gleichen Konzertpaket die bekannte und erfolgreiche Sängerin Elina Duni und ihr neues Solo-Programm erleben, aber mit 22? Halo auch die junge Jazz-Band um Sängerin Lea Maria Fries kennen lernen. «Mit solchen Kombinationen erhalten auch junge Bands eine Chance, auf der Theaterbühne aufzutreten. Alleine wäre das eher nicht möglich.»

An zwei weiteren Doppel-Abenden stehen Bands aus Nidwalden auf der Bühne: Am Freitag eröffnen HebDiDe für die kolumbianisch-belgische Band La Chiva Gantiva, und am Samstag supporten die Sprungfeder-Gewinner Cabinets die Abräumer Techtelmechtel. Daneben kommt es zu Zusammenarbeiten, wie sie nur ein Festival ermöglichen kann: etwa der Auftritt der Luzerner Rockband Hanreti mit den Stanser Gospel Singers am ersten Abend. Oder das unter dem Titel The Intergalactics propagierte Inklusionsprojekt zwischen Blind Butcher und der Stiftung Weidli.

«Auf diese Zusammenarbeit sind wir sehr gespannt», freuen sich Rambold und Unternährer. Die zwei Musiker von Blind Butcher sind seit vier Monaten mit fünf Menschen der Stiftung Weidli intensiv am Proben. Es sind Menschen mit verschiedensten Beeinträchtigungen, die schon in der hauseigenen Weidli-Band Musik machen. Jetzt haben sie mit dem trashigen Rock-’n’-Roll-Disco-Duo Blind Butcher ein «intergalaktisches» Programm erarbeitet, das die einen wie die andern in einem ganz andern Kontext wahrnehmbar machen wird.

Erstmals werden dieses Jahr Tages- und Wochenpässe verkauft, um interessierten Besuchern zu ermöglichen, was sonst nur Festival-Verantwortlichen oder Journalisten vorbehalten ist: einen Abend lang oder während der ganzen Woche alles besuchen zu können, was einem gerade behagt.

Fliegend die Location wechseln

Dazu gehört auch, fliegend die Location wechseln zu können. Rambold: «Das ist für Liebhaber gedacht, die vieles hören möchten, aber dafür nicht immer einen Sitzplatz garantiert haben. Diese Tickets sind beschränkt. Es ist ein Versuch.» Die Veranstalter legen Wert darauf, dass die Konzerte zu fairen Preisen besucht werden können. «Wir wollen möglichst offen sein, niemanden ausschliessen, es darf nicht an hohen Eintrittspreisen scheitern», sagt Unternährer.

Das teuerste Ticket dieses Jahr kostet 60 Franken: ein Sitzplatz der ersten Kategorie für Amadou & Mariam, das blinde Sänger-Paar aus Mali. Generell müssen Besucher und Besucherinnen für ein Konzert zwischen 25 und 40 Franken auf den Tisch legen.

Zur Qualität der Stanser Musiktage gehört, dass man nicht in einem Unterhaltungsrummel versinkt, wo vor lauter Piffs und Paffs die Musik zweitrangig wird. An diesem Festival, egal in welcher Location, ist die Atmosphäre jeweils sehr fokussiert und stimmungsvoll, und es wird wirklich zugehört. «Das hat mich schon früher, als ich noch nicht in der Festivalleitung der Musiktage war, sehr beeindruckt», sagt Marc Rambold. «Die Leute entscheiden sich für ein oder zwei Konzerte und lassen sich dann ein.»

«Es ist wichtig, wieder Reserven zu bilden»

Das diesjährige Budget ist mit 900 000 Franken gleich hoch wie in den letzten zwei Jahren. «Aber wir haben auf der Grundlage der letztjährigen Einnahmen budgetiert. Das wird uns hoffentlich ermöglichen, mal wieder eher im Plus abschliessen zu können», sagt Rambold. Nach dem letztjährigen Verlust ist der Verein darauf angewiesen, dass er in den nächsten Jahren wieder Reserven bilden kann. Der heuer gut angelaufene Vorverkauf und die Wetterprognose stimmen Rambold diesbezüglich zuversichtlich.

Ebenfalls sind viele Sponsoren dem Festival treu geblieben. Hauptpartner ist Migros Kulturprozent mit dem Länderpark, als Co-Partner dabei sind Eichhof, Schallwerk und Die Waldstätter. Wichtige Mitträger sind nicht zuletzt zahlreiche kleine und mittelgrosse Firmen aus der Region, die öffentliche Hand sowie diverse Stiftungen.