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Von Portugal nach Nidwalden: Feuer begleitet ihn schon sein ganzes Leben

Seit seiner Jugend formt Manuel Cataláo aus einer glühenden Masse Glas – zunächst in Portugal, dann in Nid- und Obwalden.
Zéline Odermatt
Glasmacher Manuel Cataláo bei der Arbeit an einer Glasflasche, mit der später Köder fürs Fischen gefangen werden. (Bild: Dominik Wunderli, Hergiswil, 11. Juli 2019)Glasmacher Manuel Cataláo bei der Arbeit an einer Glasflasche, mit der später Köder fürs Fischen gefangen werden. (Bild: Dominik Wunderli, Hergiswil, 11. Juli 2019)
In der Glasi Hergiswil arbeiten vor allem Portugiesen und Italiener mit Glas. (Bild: Dominik Wunderli, Hergiswil, 11. Juli 2019)In der Glasi Hergiswil arbeiten vor allem Portugiesen und Italiener mit Glas. (Bild: Dominik Wunderli, Hergiswil, 11. Juli 2019)
Hier wird das Glas geformt. (Bild: Dominik Wunderli, Hergiswil, 11. Juli 2019)Hier wird das Glas geformt. (Bild: Dominik Wunderli, Hergiswil, 11. Juli 2019)
Glasmacher Manuel Cataláo ganz konzentriert. (Bild: Dominik Wunderli, Hergiswil, 11. Juli 2019)Glasmacher Manuel Cataláo ganz konzentriert. (Bild: Dominik Wunderli, Hergiswil, 11. Juli 2019)
Die Öfen sind rund 1200 Grad heiss. (Bild: Dominik Wunderli, Hergiswil, 11. Juli 2019)Die Öfen sind rund 1200 Grad heiss. (Bild: Dominik Wunderli, Hergiswil, 11. Juli 2019)
Ohne Schutzkleidung an den Armen geht hier nichts. (Bild: Dominik Wunderli, Hergiswil, 11. Juli 2019)Ohne Schutzkleidung an den Armen geht hier nichts. (Bild: Dominik Wunderli, Hergiswil, 11. Juli 2019)
Die flüssige Masse wird eingegossen. (Bild: Dominik Wunderli, Hergiswil, 11. Juli 2019)Die flüssige Masse wird eingegossen. (Bild: Dominik Wunderli, Hergiswil, 11. Juli 2019)
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Heisser Job: Die Glasmacher der Glasi Hergiswil

Es ist acht Uhr morgens und bereits ziemlich heiss. Kein Wunder. Das kleine Büro, in dem Manuel Cataláo sitzt, befindet sich direkt neben den grossen Öfen der Glasi Hergiswil. «Ich hatte eigentlich keine Wahl, ich musste diesen Beruf wählen.» Der Glasmacher spricht auf Portugiesisch, seine Nichte Cristiana Mouzinho übersetzt. Im Gegensatz zu den Anfängen, fasziniert ihn sein Job heute: «Ich mag das Kreative an meinem Beruf.» Cataláo meint, in einem anderen Leben wäre er gerne Arzt geworden. Aber wenn ihm die Arbeit nicht gefallen würde, hätte er sich schon lange nach einer anderen Stelle umgesehen, sagt er lächelnd. «Ich mache das nun seit 52 Jahren.»

Verbrennungen gehören zum Job dazu

Aufgewachsen ist er in Marinha Grande. Das Kapital der portugiesischen Stadt: Glas. Eine Ausbildung per se gab es keine, man lernte das Handwerk von der älteren Generation, wie diese es zuvor auch erlernt hatte. «Aber man hat nie ausgelernt, jeden Tag lerne ich etwas Neues dazu», so der Glasmacher. Zum Glasblasen braucht es eine ganz spezielle Technik. «Es ist anders als bei einem Ballon, der schnell aufgeblasen wird. Es braucht ein langsames, kontrolliertes Ausblasen.» Besonders bei grossen Glasteilen braucht es die richtige Vorbereitung und Kontrolle. Der eigene Körper ist das Werkzeug.

Als der 63-Jährige in die Schweiz kam, arbeitete er zunächst in Sarnen bei der inzwischen eingegangenen Kristallglaserei. Seit 25 Jahren wohnt und arbeitet er nun in Hergiswil. Und das bei Temperaturen von 40 bis 45 Grad. «Da hilft nur, viel Wasser zu trinken», sagt Manuel Cataláo. Und fügt lächelnd an: «Die Winterzeit ist mir natürlich lieber.»

Im Innern des Ofens sind es rund 1200 Grad. Um das Glas zu holen, brauchen die Glasmacher spezielle Schutzkleidung an den Armen. Manuel Cataláo zeigt seine Arme, an denen einige Narben zu sehen sind. «Natürlich verbrennt man sich ab und zu. Das gehört dazu.» Die Leidenschaft für seinen Beruf merkt man ihm an. Zuhause isst er im Normalfall nur von Glastellern, sagt er mit einem Schmunzeln.

Es braucht viel 
Fingerspitzengefühl

Da er ursprünglich aus einer Stadt kommt, die für ihre Glasproduktion bekannt ist, sei seine Familie natürlich stolz auf seinen Beruf. Früher zu Glanzzeiten waren sehr viele Bewohner von Marinha Grande Glasmacher, heute sind es weniger geworden. «Es ist sehr viel verloren gegangen», fügt die Nichte von Cataláo an. Auch sie ist sichtlich stolz. Ihr Onkel sei ein Künstler.

Manuel Cataláo sagt dazu: «Die Designer haben die Ideen, aber der Glasbläser kreiert schlussendlich das Werk.» Jedes Objekt sei anders. «Es gibt Produkte, die man schnell im Griff hat und es gibt welche, die mehr Kreativität benötigen.» Das komplizierteste Objekt, das er je komplett von Hand angefertigt habe, sei ein Wasserkrug gewesen. «Besonders schwierig war es, die Spitze des Kruges, wo das Wasser ausgeschenkt wird, zu formen.»

Da würden sich auch die Qualitätsunterschiede zwischen Handarbeit und maschinell angefertigtem Glas zeigen. «Es braucht viel Fingerspitzengefühl, um mit Glas zu arbeiten». Entweder habe man dieses Talent oder nicht. Journalisten seien ja auch nicht alle gleich gut in ihrem Job, sagt er verschmitzt. In der Glasi-Werkstatt arbeiten zurzeit noch 14 Glasmacher. Vorwiegend Portugiesen. Denn Schweizer Nachwuchs gibt es in dieser Branche schon länger keinen mehr. Aber auch bei den Portugiesen gibt es gemäss Cataláo Nachwuchsprobleme. Es müssen deshalb alternative Ideen entwickelt werden. «Es ist einer meiner grössten Wünsche, dass es mit diesem Beruf weitergeht», so der Glasmacher.

Glasi Hergiswil

In der Glasi Hergiswil können die Besucher den Glasmachern bei der Arbeit zuschauen. In der Werkstatt werden die Gläser aus der glühenden Masse geformt, geblasen und gegossen. Die Glasmacher arbeiten montags bis freitags von 9.30 Uhr bis 13 Uhr und von 13.30 Uhr bis 17 Uhr. Am Samstag sind sie von 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr und von 13 Uhr bis 16 Uhr an der Arbeit. Auf der Zuschauertribüne der Glasi kann auch eine eigene Glaskugel geblasen werden. Mehr Informationen dazu: www.glasi.ch.

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