Flugplatz Buochs: Geplante Betriebszeiten ernten Kritik

Gegen das Umnutzungsgesuch des Flugplatzes ging rund ein Dutzend Einsprachen ein. Linke Kreise, Umweltverbände und der VCS wollen die Betriebszeiten einschränken, die Grünen gar ein Flugverbot am Sonntag.

Oliver Mattmann
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Vor allem die Morgen- und Abendflugzeiten in Buochs geben Anlass zu Kritik. (Bild: Corinne Glanzmann (28. Mai 2013))

Vor allem die Morgen- und Abendflugzeiten in Buochs geben Anlass zu Kritik. (Bild: Corinne Glanzmann (28. Mai 2013))

Es war im wahrsten Sinne des Wortes dicke Post, die mit dem Gesuch der Airport Buochs AG zur Umnutzung des ehemaligen Militärflugplatzes in ein ziviles Flugfeld bis vor kurzem zur öffentlichen Mitwirkung auflag. Mehrere hundert Seiten beinhalteten die Unterlagen zusammen mit dem angepassten, übergeordneten Sachplan Infrastruktur Luftfahrt des Bundes (SIL-Objektblatt) und dem aktualisierten kantonalen Richtplan, die ebenfalls Mosaiksteine in der Modernisierung des Flugplatzes bilden, zu der das Nidwaldner Stimmvolk im Vorjahr seinen Segen gab.

Inzwischen hat auch das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) als zuständige Stelle für das Verfahren beim Umnutzungsgesuch einige Post erhalten. «Rund ein Dutzend Einsprachen sind eingegangen, mehrheitlich von Organisationen», bestätigt Bazl-Mediensprecher Christian Schubert auf Anfrage. Die Überraschung darüber hält sich in Grenzen. Es ist bekannt, dass vor allem linke Kreise und Umweltverbände sowie der Schutzverband der Bevölkerung um den Flugplatz Widerstand ausüben. Sie betonen in den meisten Fällen, dass sie nicht generell gegen den zivilen Flugbetrieb sind, sich aber an der Ausgestaltung etwa der Betriebszeiten oder den ökologischen Ausgleichsmassnahmen stören.

Wohnqualität soll stärker berücksichtigt werden

Eine der erwähnten Organisationen ist der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS). Er verlangt in seiner Einsprache, dass Starts und Landungen nicht wie im Reglement vorgesehen zwischen 6 und 22 Uhr, sondern nur von 7.30 bis spätestens 20 Uhr möglich sind. Andernfalls werde die Lebensqualität der Anwohner bedeutend eingeschränkt. Die SP Nidwalden geht noch einen Schritt weiter. Sie möchte eine strikte Begrenzung von 7.30 bis 18 Uhr. «Für den Flugplatz ist eine generelle Nachtflugsperre zu erlassen», lautet ihre Forderung. In eine ähnliche Richtung geht es in der gemeinsamen Einsprache von WWF und Pro Natura. Die Betriebszeiten in der Nacht und zur Dämmerung seien einzuschränken, hält Marc Germann, Geschäftsführer von WWF Unterwalden, auf schriftliche Anfrage fest.

In die gleiche Kerbe schlagen die Grünen Nidwalden. Mehr noch: Sie wollen mit ihrer Einsprache ein Flugverbot an Sonn- und Feiertagen erreichen, mit Ausnahme eines bestimmten Kontingents an Flugbewegungen. Dies sei notwendig, so die Grünen in ihrer Medienmitteilung, soll die Naherholungsfunktion des Flugplatzes für die Bevölkerung erhalten bleiben. Klammerbemerkung: Die Airport Buochs AG schreibt in ihrem Entwurf von 2'000 Flügen zu Randzeiten oder über den Mittag, was 10 Prozent von maximal 20'000 Flugbewegungen pro Jahr ausmacht. Der VCS will das Kontingent zu erweiterten Betriebszeiten gar auf 1'000 senken, derweil die SP für eine Plafonierung des jährlichen Totals an Starts und Landungen bei 15'000 plädiert.

Der Schutzverband äussert sich ebenfalls kritisch zum geplanten Regime der Flugplatzbetreiberin. «Der Entwurf ist entschieden abzulehnen», teilt er unserer Zeitung auf Anfrage mit, ohne konkreter zu werden. Die Wohn- und Erholungsqualität der Bürger und der Umstand, dass Touristen in der Region Ruhe und Erholung suchen, seien angemessen zu berücksichtigen.

Grossflugzeuge: Zunahme «ist nicht zumutbar»

Ein Thema sind vereinzelt auch die angekündigten Helikopterflüge für touristische Zwecke, von denen gemäss Airport Buochs AG maximal 250 pro Jahr zulässig sein sollen. Auch hier fordert der VCS eine Reduktion, dieses Mal auf 100 Flugbewegungen. Ginge es nach dem WWF und Pro Natura, soll sogar ganz davon abgesehen werden. Daneben bereitet dem VCS die wachsende Zahl an lärmintensiveren Grossflugzeugen Sorgenfalten. Es sei eine Zunahme von 176 Flugbewegungen im Jahr 2015 auf 880 im Jahr 2020 vorgesehen, hält der Verkehrs-Club in seiner Einsprache fest. «Unserer Meinung nach ist eine Zunahme um 500 Prozent innert zehn Jahren nicht zumutbar und unnötig.» Möglicherweise werde dadurch der Rückhalt der Bevölkerung für den Flugplatz schwinden.

Schlecht weg kommt teilweise auch das Projekt für einen durchlässigen Wildwechsel zwischen Buochserhornseite und Bürgenberg/Gnappiried. «Die Massnahme mit sechs Trittsteinbiotopen ist nicht mehr als eine wirkungslose Alibiübung», monieren die Grünen. Auch für den VCS ist der Nachweis für einen funktionierenden Wildtierkorridor nicht erbracht. WWF und Pro Natura regen eine Wildtierbrücke über die Engelberger Aa und die Autobahn an. Apropos Natur: Die Umweltverbände vermissen auch sonst einen genügenden ökologischen Ausgleich für flugplatzbauliche Eingriffe. Die geplanten Massnahmen seien quantitativ, qualitativ als auch von der Lage her mangelhaft.

Für den Schutzverband ist die Umweltverträglichkeitsprüfung nicht genehmigungsfähig. Er fordert eine Nachbesserung des ganzen Gesuchs und anschliessend eine Neuauflage.

Auch Gemeinde macht Eingabe

CVP, SVP und FDP gehören nicht zu den Einsprechern. Hingegen sind darunter mehrere Körperschaften, wie Recherchen unserer Zeitung zeigen, so zum Beispiel die Gemeinde Ennetbürgen. Aufgrund des laufenden Verfahrens wolle man sich im Moment aber inhaltlich nicht weiter dazu äussern, heisst es. Unter den Einsprechern befindet sich auch die Korporation Ennetbürgen. «Wir erachten das Gesuch als unvollständig und bemängeln dabei auch eine Umgehung umweltrechtlicher Vorschriften», erklärt Genossenpräsident Albert Gabriel. Andere wie die Gemeinde Buochs oder die Korporation Buochs haben zwar keine Einsprache eingereicht, wollen sich aber mit einer Stellungnahme, für welche die Frist noch bis 23. Januar 2019 läuft, einbringen.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt wird diese Frist abwarten, bevor alle Einsprachen geprüft und beurteilt werden. «Unter Berücksichtigung der Gesamtinteressen», so Sprecher Christian Schubert, werde das Umnutzungsgesuch und das überarbeitete Betriebsreglement anschliessend behandelt und genehmigt. Hierfür muss der Bundesrat aber erst das übergeordnete SIL-Objektblatt absegnen. Die Anhörung dazu läuft gegenwärtig noch. Der Beschluss sei für Herbst 2019 vorgesehen. (om)