FLUGPLATZ BUOCHS: Kanton Nidwalden will Mitbesitzer bleiben

Nidwalden will auch in Zukunft den Flugplatz zusammen mit den Pilatus-Werken betreiben. Für notwendige Investitionen sollen Landrat und Stimmbürger 10 Millionen Franken bewilligen.

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In der Gemeinde Buochs (rechts am See) wurde eine Asylunterkunft geplant. (Bild: Markus von Rotz (31. Juli 2012)NZ) (Neue Nidwaldner Zeitung))

In der Gemeinde Buochs (rechts am See) wurde eine Asylunterkunft geplant. (Bild: Markus von Rotz (31. Juli 2012)NZ) (Neue Nidwaldner Zeitung))

Martin Uebelhart

martin.uebelhart@luzernerzeitung.ch


Alle vier Regierungsräte, die im Projektausschuss für den Flugplatz Buochs sitzen, informierten gestern an einer Medienkonferenz darüber, wie sie sich die Organisation und die Finanzierung für den künftigen Betrieb des Flugplatzes Buochs vorstellen. Die Regierung will die Eigentumsverhältnisse an der Flugplatzbetreiberin Airport Buochs AG (Abag) – 50 Prozent Kanton Nidwalden und 50 Prozent Pilatus Flugzeugwerke AG – beibehalten. Für die Basisinfrastruktur braucht es Investitionen von rund 20 Millionen Franken. Die Hälfte davon beantragt die Regierung als Investitionskredit dem Landrat. Dieser soll nach den Sommerferien über das Geschäft beraten. Das letzte Wort soll im November das Stimmvolk an der Urne haben.

«Es gibt ein starkes öffentliches Interesse am Flugplatz, und das muss auch von der öffentlichen Hand wahrgenommen werden», sagte Volkswirtschaftsdirektor Othmar Filliger gestern. Aus volkswirtschaftlicher Warte stünden hier die Pilatus-Werke im Vordergrund: «Für sie ist der Flugplatz existenziell.» Es gebe noch weitere Firmen in Nidwalden, die international ausgerichtet seien und von diesem Flugplatz profitieren könnten.

 

Kanton trägt Risiko für Defizit mit

Der Kanton hat verschiedene Beteiligungsvarianten für den Flugplatz analysiert. Neben der jetzt vorgeschlagenen Variante auch eine mit einer Minderheitsbeteiligung des Kantons neben Pilatus, mit einer Öffnung des Aktionariats für Dritte oder einen neuen Investor als Eigentümer. Insbesondere die letzen zwei hätten die Flugzeugwerke ausgeschlossen. Wenn der Kanton gleichwertiger Miteigentümer bleibe, könne er seinen direkten Einfluss geltend machen und erhalte sich auch einen Gestaltungsspielraum, führte Filliger aus. Und die Variante sei auch «gegenüber den Pilatus-Werken ein starkes Zeichen». Filliger räumte ein, dass der Vorschlag auch Schwächen aufweise: Der Kanton sei Unternehmer und trage somit auch das Risiko allfälliger Betriebsdefizite mit. «Und wenn es um politische Entscheide geht, ist der Kanton Partei.»

Wie ein Betriebsdefizit erst gar nicht entstehen soll, zeigte Finanzdirektor Alfred Bossard auf. Die Betriebsgesellschaft müsse eine schwarze Null erzielen können. Eine Planerfolgsrechnung geht von der heutigen Kapitalstruktur mit einer Aktienkapitalerhöhung aus. Neben dem Wegfall bisheriger Vergütungen der Armasuisse wegen der Aufhebung der Sleeping Base würden auch die Erträge aus der terrestrischen Nutzung für Anlässe sinken. «Einerseits wird die Redundanzpiste zurückgebaut, und anderseits würden auch weitere Flächen nicht mehr zur Verfügung stehen, wenn sie dereinst für Industrie oder Gewerbe genutzt werden.»

Zusätzliche Einnahmen verspricht sich Bossard unter anderem aus der Vermietung von Hangars. Dafür bestehe eine Nachfrage. Auch die Landegebühren liessen sich noch etwas erhöhen. Zudem sei vorgesehen, dass die Korporation Buochs Infrastrukturbeiträge leiste und so ein Teil des Mehrwerts, den sie aus der Umzonung von Land auf dem Flugplatzgelände erhalte, wieder zurückfliesse. Ab rund 17000 Flugbewegungen jährlich sei eine ausgeglichene Rechnung möglich, sagte Bossard. Als Eckwert sind maximal 20000 Flugbewegungen definiert.

Neue Brücke über die Engelbergeraa

Die notwendigen Investitionen von 20 Millionen umfassen die Flugbetriebsflächen, das Betriebsgebäude, zwei Hangars sowie die Sicherheit und den vom Kanton bereits finanzierten Tower. Mit weiteren 4 Millionen wird für die Erschliessung gerechnet, die eine neue Brücke und einen Kreisel für die Anbindung an die Kantonsstrasse vorsieht. Diese Kosten sollen sich Gemeinde und Korporation Buochs sowie der Kanton teilen. Weitere Millionen-Investitionen werden von den Korporationen getätigt, etwa für den Landkauf, die Pistenentwässerung und die Rückbauflächen. Investieren wird auch Pilatus – zum Beispiel in eine neue Wartungshalle.
Regierungsrat Res Schmid blickte auf die langjährigen Abklärungen und Verhandlungen mit Gemeinden und Korporationen zurück, die zur Standortwahl für die Flugplatzinfrastruktur südlich der Hauptpiste im Gebiet Faden geführt haben.


 FDP unterstützt die Pläne, Grüne sind dagegen

In einer ersten Reaktion steht die FDP Nidwalden «voll und ganz hinter einer wirtschaftsfreundlichen und verträglichen künftigen Entwicklung des Flugplatzes Buochs zu einem zivilen Flugfeld». In einer Mitteilung schreibt sie weiter, der Betrieb des Flugplatzes Buochs müsse für die Zukunft gesichert sein. Ohne Zugang zu einem gut funktionierenden Flugplatz sei die Zukunft der Pilatus-Flugzeugwerke und anderer Betriebe in Frage gestellt.
Die Grünen Nidwalden stellen den heutigen Betrieb des Flugplatzes Buochs nicht in Frage. Nicht einverstanden sind sie laut einer Medienmitteilung mit der Millioneninvestition und der Beteiligung an allfälligen Defiziten. Wenn der Kanton zu 50 Prozent als Betreiber auftrete, verliere er seine Unabhängigkeit. Er sei in seinen Entscheiden nicht mehr frei und werde erpressbar.

 

Der ehemalige Militärflugplatz in Buochs. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Der ehemalige Militärflugplatz in Buochs. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)