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FREMDSPRACHEN: Debatte lockt Publikum aus der Reserve

Die Fremd­sprachen-Abstimmung birgt Zündstoff. Das bewies auch ein Podium unserer Zeitung, an dem sich die beiden Lager mit Argumenten bekämpften.
Oliver Mattmann
Vertreten ihre Positionen vehement (v. l.): Norbert Rohrer, Seppi Frank, Res Schmid und Armin Odermatt. (Bild Roger Zbinden)

Vertreten ihre Positionen vehement (v. l.): Norbert Rohrer, Seppi Frank, Res Schmid und Armin Odermatt. (Bild Roger Zbinden)

OLiver Mattmann

Noch selten hat eine Abstimmung in den vergangenen Jahren derart die Gemüter bewegt, wie es gegenwärtig die Fremdsprachen-Initiative der SVP tut. Das zeigt sich an den Inseratekampagnen, in den Leserbriefspalten und auch am Aufmarsch an der Podiumsdiskussion im «Engel»-Saal in Stans, organisiert von der Neuen Nidwaldner Zeitung. Trotz Fasnacht und Wintersportferien wollten knapp 140 Leute hören, welche Trümpfe Befürworter und Gegner von nur einer Fremdsprache in der Primarschule auspacken und so ihre Meinung für den Urnengang vom 8. März schärfen.

Publikum bringt sich stark ein

Wie emotional die ganze Debatte bereits seit Monaten, wenn nicht Jahren, geführt wird, bewiesen auch die vielen Stimmen aus dem Publikum, wobei Moderator Markus von Rotz, Redaktionsleiter unserer Zeitung, nicht einmal alle berücksichtigen konnte. Dies, obwohl er den Fragestellern viel Platz einräumte. Ein Thema, das nicht nur SVP-Bildungsdirektor Res Schmid, SVP-Landrat Armin Odermatt, CVP-Landrat Norbert Rohrer und Heilpädagoge Seppi Frank auf dem Podium beschäftigte, sondern auch einigen Zuhörern auf den Nägeln brannte, ist der obligatorische Welschlandaufenthalt für Schüler innerhalb des Französischunterrichts, sollte dieser von der Primarschule gänzlich in die Orientierungsstufe verbannt werden. Norbert Rohrer setzte ein Fragezeichen hinter eine solche Übung. «Es dürfte schwierig werden, genügend Gastfamilien bei uns und im Welschen zu finden. Wenn dies auch noch andere Kantone praktizieren, müssen wir das Welschland an die spanische Grenze ausdehnen.»

Die im Publikum anwesende Lehrerverbandspräsidentin Lea Lowth meinte: «Das gibt Unruhe im Unterricht, wenn eine Doppelklasse aus dem Wallis noch im Schulzimmer sitzt oder laufend einzelne Schüler fehlen.» Res Schmid hielt entgegen, das sei eine Frage des Willens. «Natürlich braucht es auch die Eltern dazu. Aber ein Sprachaufenthalt dient der Sprachförderung der Kinder am besten.» Sein Parteikollege und Landrat Christian Landolt, der im Publikum sass, fügte an: «Unsere Kinder haben auch einen Austausch gemacht. Es hat alles problemlos funktioniert.» Bei anderen Zuhörern kamen indes Zweifel auf, ob es in den drei Jahren Orientierungsstufe samt Berufsfindung überhaupt noch Platz habe für einen Welschlandaufenthalt von sinnvoller Dauer.

Französisch in der Primarschule seit 1996

Der Französischunterricht an der Nidwaldner Primarschule hat eine wechselvolle Geschichte. 1996 wurde das Fach ab der 5. Klasse eingeführt, auf 2005 wollte die Regierung daraus ein Wahlpflichtfach machen, eine parlamentarische Initiative verlangte gar die Verbannung in die Oberstufe, bevor Harmonisierungsbestrebungen in der Schweiz die Nidwaldner zurückpfiffen und seither das Modell 3/5 vorherrscht (Englisch ab 3., Französisch ab 5. Klasse). Genau so abwechslungsreich war am Donnerstag ein Podium unserer Zeitung zur Fremdspracheninitiative der SVP, über die am 8. März abgestimmt wird. Der Abend mit Bildungsdirektor Res Schmid und SVP-Parteikollege und Landrat Armin Odermatt auf der Seite der Verfechter von nur einer Fremdsprache in der Primarschule sowie Seppi Frank, Schulischer Heilpädagoge, und CVP-Landrat Norbert Rohrer als Gegenpart entwickelte sich zu einem Schlagabtausch, der in den Fragerunden aufs Publikum überschwappte (siehe Kasten unten).

Res Schmid relativiert Aussagen

Klar, am Podium wurden Argumente herumgereicht, mit denen sich Befürworter und Gegner der Vorlage schon länger torpedieren. «In der 5. und 6. Klasse werden die Weichen für die Zukunft der Schüler gestellt. Doch genau dann kommt die zweite Fremdsprache, mit denen einige überfordert sind», führte Armin Odermatt ins Feld. Res Schmid, der auch namens der Regierung auftrat, die entgegen dem Landrat die Initiative unterstützt, ergänzte: «Wir machen keinen Abschlag, im Gegenteil. Wenn wir Französisch in die Orientierungsstufe verschieben, bleibt das Niveau gleich oder wird noch besser.»

Womit ein wunder Punkt in der Kommunikation der Regierung angesprochen ist. Denn die SVP lässt in ihrer Initiative offen, welche Fremdsprache «versetzt» werden soll, der Regierungsrat aber sorgte mit einer Medienmitteilung im vergangenen Sommer für Konfusion, als er voreilig Französisch für die Verschiebung empfahl. Res Schmid relativierte am Podium: «Wir haben einen Vorschlag gemacht aufgrund der heutigen Situation in der Zentralschweiz. Wenn wir Englisch nach hinten nehmen würden, wären wir definitiv eine Insel.» Bei Annahme der Vorlage passiere auf nächstes Schuljahr indes noch nichts, versicherte der Bildungsdirektor. Es bliebe noch Zeit zu reagieren, sollte man bei der Evaluation zu einem anderen Schluss kommen und doch Französisch statt Englisch ab der 3. Primarklasse bevorzugen.

Deutsch und Mathe brauchts immer

Diese Aussage rief Seppi Frank auf den Plan, der sich als einziger Parteiloser am Podium wacker schlug. Franzlehrer gäbe es schon heute nicht wie Sand am Meer. «Es dürfte nicht einfacher werden, genügend Lehrpersonal zu finden.» Schmid entgegnete: «Zugegeben, es ist nicht einfach. Aber es ist nicht so, dass es diese Lehrer nicht gibt. Das dürfte auch eine Frage der Anstellungsbedingungen sein.» Zum Vorwurf, Nidwalden würde mit nur einer Fremdsprache auf Primarstufe zu einer Insellösung, sagte er: «Das stimmt nicht. Uri hat dieses System. Und was in Uri funktioniert, sollte auch bei uns gehen.»

Das Argument, Primarschüler seien mit zwei Fremdsprachen überfordert, wollte Norbert Rohrer nicht gelten lassen. «Überforderung gibt es auch in anderen Fächern.» Zudem sei nicht bewiesen, dass der Fremdsprachenunterricht zu schlechteren Ergebnissen in Deutsch und Mathe führe. «Auch die Neuen Medien können hier einen Einfluss haben.» Seppi Frank sah ebenfalls «keinen Notstand» beim Deutsch- und Matheniveau der Schüler. Auf Primarstufe müsse es das Ziel sein, den Unterricht möglichst breit auszurichten, und nicht, die Kinder schon auf eine «Berufsgruppe» hinzuzüchten. Worauf Armin Odermatt meinte: «Die Grundlagenfächer wie Deutsch und Rechnen braucht es später für jeden Beruf.»

Nationaler Zusammenhalt in Gefahr

Die Ankündigung von Res Schmid, dass zu Gunsten des Französisch in der Orientierungsstufe die Wahlpflichtfächer reduziert würden, stiess bei Seppi Frank auf wenig Gegenliebe. «Wahlpflichtfächer sind gerade das, was den ORS-Schülern gefällt. Sie wollen nicht mehr Französisch. Gerade jene Schüler, die sich mit der Sprache schwertun, werden noch grössere Probleme kriegen.» Rohrer stimmte darauf ein: «Jüngere Kinder sind noch nicht so eingeengt. Teenager hingegen finden Englisch cooler als Französisch.» Dies veranlasste SVP-Landrat Peter Wyss im Publikum zur Retourkutsche: «Klar, dass der Französischunterricht nicht immer lustig ist.» Doch die Schule sei keine «Wohlfühl-Spassgesellschaft». So komme man später auch nicht durchs Berufsleben.

Dem viel zitierten Spruch, Französisch müsse als Landessprache und aus Respekt gegenüber der Romandie in der Primarschule gelernt werden, konnte Armin Odermatt nicht viel abgewinnen: «Bevor wir noch kein Frühfranzösisch hatten, war der nationale Zusammenhalt auch kein Thema.» Und Res Schmid ist zur Aufklärung, dass Französisch gar nicht geschwächt würde, extra ins Welschland gereist. Dennoch hinge bei einem Ja zur Fremdspracheninitiative das Damoklesschwert des Bundes über Nidwalden. Sollte dieser feststellen, dass zusehends von den Harmonisierungsvorgaben im Bildungswesen abgerückt wird, könnte er ein Machtwort sprechen und den Entscheid von zwei zu einer Fremdsprache rückgängig machen. Seppi Frank: «Diese Unsicherheit ist genau das, was wir Lehrer nicht wollen.»

Podium om. Knapp 140 Personen, darunter einige Vertreter aus Bildungskreisen und der Politik, wollten sich nicht entgehen lassen, wie sich die vier Exponenten auf der Bühne des «Engel»-Saals in Stans schlagen würden. Und sie trugen mit ihren Fragen und Aussagen massgeblich dazu bei, dass es ein lebhafter Gesprächsabend wurde, bei dem der eine oder andere Podiumsteilnehmer einen Spontanapplaus erhielt oder aber ein Raunen in den Publikumsreihen auslöste.

«Warum Schüler nicht befragt?»

Nachfolgend einige Stimmen oder Fragen aus der Zuhörerschaft und entsprechende Kommentare darauf:

Kurt Blättler, Schulleiter Stans, zum Fall, dass Französisch ab der 3. Klasse kommen würde: «Ich weiss nicht, wo die Pädagogische Hochschule die Lehrer dafür rekrutieren sollte.»

Eine Mutter: «Für viele Schüler ist Deutsch bereits eine Fremdsprache, weil wir zu Hause Mundart reden. Daher haben wir auf Primarstufe eigentlich drei Fremdsprachen, das ist definitiv zu viel.»

Eine junge Frau: «Warum waren bei den Umfragen eigentlich die Schüler nicht involviert?» Darauf Res Schmid: «Das Team von meinen Fachleuten hat davon abgeraten, weil dies äusserst schwierig gewesen wäre. Doch die Meinung der Jungen muss man sicher auch einbinden.»

Peter Keller, Nidwaldner SVP-Nationalrat: «Persönlich bin ich dafür, Frühfranzösisch beizubehalten, auch wenn Studien ergeben haben, dass ‹Je früher, desto besser› nicht zutrifft auf den Sprachunterricht, wie man dies zuvor angenommen hat.»

Adrian Murer, Schulkommission Beckenried: «Es ist befremdend, dass jeder Kanton etwas für sich herumwurstelt und man nicht am gleichen Strick ziehen kann.» Darauf Res Schmid: «Eine Harmonie hat es nie gegeben. Deshalb einigte man sich vor zehn Jahren auf einen Kompromiss mit den zwei Fremdsprachen auf Primarstufe. Doch warum sollen wir jetzt noch zuwarten, wenn wir merken, dass der Karren in die falsche Richtung läuft und die pädagogischen Ziele nicht erreicht worden sind?»

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