«Friedas Küche» ist nicht nur Kochbuch, sondern auch amüsante Familien-Saga

Zeitlebens hat die Nidwaldnerin Frieda Scheuber wunderbar gekocht. Nun bedanken sich ihre Kinder und Enkelkinder mit einem Koch- und Geschichtenbuch.

Romano Cuonz
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«Liebe geht durch den Magen», lautet ein altes Sprichwort. Wenn es irgendwo voll und ganz zutrifft, dann auf die Grossfamilie der heute 93-jährigen Ennetbürgerin Frieda Scheuber-Odermatt. Nun danken ihr die fünf Kinder, 13 Enkel und neun Urenkel für ihre Kochkünste. Dies mit einem Buch, an dem sie sieben Jahre lang gemeinsam gearbeitet haben. «Friedas Küche» lautet der einfache Titel. Das Layout stammt von ihrem Sohn Josef, einem professionellen Buchgestalter.

Die heute 93-jährige Frieda Scheuber-Odermatt.

Die heute 93-jährige Frieda Scheuber-Odermatt.

Romano Cuonz (Sarnen, 10. August 2020)

Im Mittelpunkt des 165-seitigen Werks stehen Friedas Kochkünste. Zwischen Buchdeckeln wird verraten, wie die Bauerntochter vom Niedermätteli urchige Nidwaldner Speisen zubereitet hat. Auch Eigenkreationen werden vorgestellt, ja sogar Rezepte, die bislang als geheim galten, gibt das Buch preis. Und zu jedem Rezept gibt es von den gegen 20 Verfassern Anekdoten rund ums Kochen und Geniessen an Frieda Scheuber-Odermatts Esstisch.

Haushalt- und Kochschule, dann Heirat!

Frieda Odermatt wurde 1927 – zwischen den beiden Weltkriegen – als erstes von fünf Kindern einer Bauernfamilie am Bürgenberg geboren. Ihre Lebensgeschichte ist typisch für Frauen aus ländlichem Milieu in der damaligen Zeit. Als Frieda in der 6. Klasse war, brach der Zweite Weltkrieg aus. Schon am ersten Tag wurde der Vater aufgeboten. Ab jetzt musste auch das Mädchen hart zupacken. Etwa bei der grossen Anbauschlacht. In der Schule war sie unter den Besten. Schwester Aegidia schrieb in ihr Zeugnis: «So ein fleissiges Kind solle weiterstudieren können.» Doch damit wurde nichts. Für den Besuch der Sekundarschule in Stans habe jedoch das nötige Geld gefehlt. «Deshalb musste ich zu Hause helfen», erzählt Frieda Odermatt. Doch sie machte das Beste daraus: Im Winterhalbjahr besuchte sie die Haushalt- und Kochschule im Dorf.

«An unserem Tisch waren immer alle willkommen – meine Mutter kochte lieber für zehn als für fünf Personen.»

Eine willkommene Abwechslung war für sie ein Leben lang das Singen. Zuerst im Kirchenchor, den Nationalrat Gottfried Odermatt leitete. Schon mit 16 lernte sie dort ihren späteren Mann Werner Scheuber kennen. Als dieser als Sattler-Tapezierer ein Geschäft eröffnete, wurde geheiratet. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor. Der spätere Schulleiter und Politiker Andreas Scheuber, ihr Zweitältester, erzählt: «An unserem Tisch waren immer alle willkommen – meine Mutter kochte lieber für zehn als für fünf Personen.» Was auf den Tisch kam, war nicht nur «pfiffig» ausgedacht, sondern immer auch sehr lecker. Die Zubereitung ihrer Spezialitäten wird im Buch haargenau beschrieben. Samt dazu gehörenden Anmerkungen. Da gibt’s etwa einen Teufelsalat mit ein wenig Tabasco, den die Kinder gerne mochten. Für den mit ihr verwandten, früher sehr bekannten Trotzli-Schriftsteller Josef Konrad Scheuber gehörte die Sonntagssuppe mit Mehl und Ei zwingend dazu. Und die Vierwaldstättersee-Fische im Weisswein erst! Zu denen verkündete Frieda jeweils: «Fischli müssen dreimal schwimmen: im See, in der Pfanne und im Weisswein!»

«Wir verstecken den Quittengelée zuhinterst im Kühlschrank, damit er nicht zu schnell gegessen wird.»

Man braucht die vielen «gluschtigen» Menuvorschläge nur schon zu lesen und die professionell gestalteten Bilder daneben zu betrachten, und schon läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Dann etwa, wenn es bei Bauerntochter Frieda wortwörtlich ans Eingemachte geht. Ihre Urenkelin Lina etwa schwärmt: «Gibt es etwas Leckereres als Grosis hausgemachtes Quittengelée? Wir verstecken ihn manchmal zuhinterst im Kühlschrank, damit er nicht zu schnell weggegessen wird.»

Nur ein einziges Mal wurde eine mit Liebe gekochte Mahlzeit weggeworfen

Doch das wirkliche Tüpfelchen aufs «i» setzen all die vielen Anekdoten, die die Rezepte begleiten. Jene etwa vom zwei Kilogramm schweren Suppenhuhn, das Frieda einst samt Resten von Federn und gelbem Fett von Niedermätteli Emil geschenkt erhielt. Sie bereitete es nach allen Regeln der Kunst mit Rüebli, Zwiebeln, Lauch und Kräutern zu. Doch nach dem ersten Probieren riefen die vier Buben im Chor: «Das kannst du selber essen!» Und tatsächlich: Dies war das einzige Mal, dass die «huislige» Frieda etwas, das sie mit viel Liebe zubereitet hatte, wegwarf. Apropos Geheimrezepte: «Härdepfustock»-Liebhaber erfahren, dass sich diese heimische Delikatesse für die berühmten «Saucenseelis» nur dann so richtig eignet, wenn dazu Vollmilch, frischer Anke sowie gemahlene Muskatnuss mit viel Muskelkraft gerührt wird. Ja, «Friedas Küche» ist mehr als ein Kochbuch. Eine höchst amüsante Saga über die bekannte Nidwaldner Grossfamilie ist es. Einer Familie, in der punkto Schmausen und Geniessen keiner ein Kostverächter ist.

Das Buch «Friedas Küche» ist eigentlich nicht für den Verkauf gedacht. Der grossen Nachfrage wegen aber bietet die Buchhandlung Martin von Matt in Stans eine beschränkte Anzahl Exemplare an.

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