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Ganders Graffitis eröffnen neue Blickwinkel

Bekannt ist Adrian Gander für grossflächige Graffiti. In Beckenried gewährt er Einblick in seine Gedankenwelt.
Romano Cuonz
Adrian Gander alias «Anoy» in seiner Ausstellung in der Ermitage Beckenried.Bild: Romano Cuonz (7. November 2019)

Adrian Gander alias «Anoy» in seiner Ausstellung in der Ermitage Beckenried.Bild: Romano Cuonz (7. November 2019)

Als Signatur steht auf all seinen Bildern «Anoy». «Ein Pseudonym, das ich mir als Graffitikünstler mit 15 sicherheitshalber zugelegt und bis heute behalten habe», erklärt der 28-jährige Buochser Künstler Adrian Gander. Abgeleitet sei das Wort vom englischen «annoying». Gander grinst: «Das drückt doch aus, wie wilde Graffitikunst auf gutbürgerliche Leute oft wirkt: ärgerlich, lästig oder gar belästigend.»

Eigentlich benötigt Adrian Gander für seine grossformatigen Graffiti-Urban-Art-Werke längst kein Pseudonym mehr. Seit Jahren sprüht und malt er diese völlig legal – ja sogar auf Einladung – in Städten wie Zug oder Beirut und selbst im fernen Südamerika. Aber Anoy bleibt Anoy! Auch jetzt, da er dem Publikum in der Ermitage Beckenried – in unmittelbarer Nähe zu seinem Atelier – mit kleinformatigen Zeichnungen, Malereien und Objekten Einblick in sein breit gefächertes Arbeitsfeld gewährt.

Viele Fragen zur Wahrnehmung

Über seine Einzelausstellung setzt Adrian Gander den fast schon geheimnisvoll anmutenden Titel «Perzeption», also Wahrnehmung. Beinahe ein Jahr habe er sich mit zahlreichen Wahrnehmungen, die in seinem Kopf entstanden seien, intensiv auseinandergesetzt. Und sich dabei immer wieder Fragen gestellt:

«Was würden wir sehen, wenn wir zusätzliche Frequenzen wahrnehmen könnten? Welche Realitäten kreiert unser Gehirn? Was ist Realität und was Fiktion?»

Solche und weitere Überlegungen schufen das Spannungsfeld für ganz neue Formate und Perspektiven in Ganders Arbeit. Für eine Ausstellung mit völlig neuen Blickwinkeln in seine imaginative und künstlerische Gedankenwelt. Gleich ins Auge sticht eine Serie von 12 Tuschezeichnungen. Mit dem Pinsel von Hand gefertigt hat er sie. Sie befassen sich mit den Sinnen, die Menschen zur Wahrnehmung ihrer Umwelt einsetzen. Mit schwarzen und weissen Pinselstrichen macht der Künstler Wahrnehmungen sichtbar. Im Stil optischer Kunst: Warm und Kalt. Gleichgewicht, der Geschmack, das Sehen, das Hören, der Tastsinn. Beinahe plastisch wirkt Sinnliches.

Aber Gander geht noch weiter: Er stellt auch Gedankenspiele zu Zeitsinn und Zeitgefühl, zum Bewusstsein und allgemein zum Gehirn an. In drei Bleistiftzeichnungen – oder einigen dreidimensionalen Reliefs – spielt der Künstler mit Lettern. Zerschneidet sie, löst sie auf oder lässt sie gar in kosmischen Strukturen explodieren. All seine Werke sind gekonnt thematisch verknüpft. Faszinierend auch drei Arbeiten mit Aerosol auf Glasscheiben. «Sie beschreiben das gute Gefühl, wenn man eine Inspiration hat, die Erlösung auch und die Erleichterung», erklärt er. Schliesslich ist in der Ermitage auch eine grosse Zahl von oft skurrilen, kleinen Objekten zu sehen. Ursprünglich im Kopf entstanden, hat ihnen der Künstler, mittels moderner 3D-Drucker-Technologie, zu greifbarem Dasein verholfen. Oft steht der Betrachter fragend vor Ganders Wahrnehmungen. Und wird dabei zum eigenen Fantasieren angeregt.

Grosse Chance in Berlin wartet

Adrian Gander alias «Anoy» ist ein interessanter, junger Nidwaldner Künstler. Nach der Matura in Stans wechselte er an die Hochschule Luzern – Design & Kunst. Dort schloss er ein Bachelor-Studium in «Visueller Kommunikation» mit Schwergewicht «Graphic und Design» ab. Als Mitglied des Vereins «Projekt 28» setzte er sich für Hip-Hop – und Graffitikultur in Nidwalden ein. All dies blieb nicht unbeachtet. Vom Oktober 2020 bis Januar 2021 ist an ihn ein Atelierstipendium für Zentralschweizer Kulturschaffende in Berlin vergeben worden. «Diesen Aufenthalt möchte ich nutzen, um mein künstlerisches Schaffen weiterzuentwickeln und neue Ausdrucksmittel zu finden», gibt Adrian Gander zu verstehen. A propos neue Ausdrucksmittel: An der Vernissage in der Ermitage will Gander das Publikum überraschen. Dort wartet nämlich eine völlig weiss erscheinende, grosse Leinwand auf Action!

Ermitage Beckenried: Adrian Gander (Anoy) mit «Perzeption». Vernissage: Heute 17 Uhr. Dauer: Bis 24. November. Geöffnet: Samstag 14 bis 17 Uhr und Sonntag 11 bis 17 Uhr.

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