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Dank «Gert» fühlen Studenten der Hochschule Luzern am eigenen Leib, was es bedeutet, alt zu werden

Bleischwere Beine und Sehbehinderungen – ein spezieller Anzug simuliert Beschwerden, mit denen ältere Menschen leben müssen. Damit hilft er Planern und Designern, geeignete Räume und Produkte für Senioren zu entwickeln.
Philipp Unterschütz
Franziska Scheuber testet den Alterssimulationsanzug im Seniorenzentrum Zwyden in Hergiswil. (Bild: Bilder: Nicole Hartmann/PD (Hergiswil, 17. Dezember 2018))
Franziska Scheuber testet den Alterssimulationsanzug im Seniorenzentrum Zwyden in Hergiswil. (Bild: Bilder: Nicole Hartmann/PD (Hergiswil, 17. Dezember 2018))
Franziska Scheuber testet den Alterssimulationsanzug im Seniorenzentrum Zwyden in Hergiswil. (Bild: Bilder: Nicole Hartmann/PD (Hergiswil, 17. Dezember 2018))
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«Gert» zeigt, was Altern heisst

Langsam, als würden schwere Gewichte sie nach unten ziehen, stemmt sich Franziska Scheuber im Seniorenzentrum Zwyden in Hergiswil aus einem Sofa. Ihre Beine sind schwer, der Gang unsicher. Nach wenigen Schritten lässt sie sich in einen Sessel plumpsen. Franziska Scheuber verhält sich wie eine hochbetagte Seniorin, dabei ist sie erst Mitte dreissig. Die junge Frau steckt im Alterssimulationsanzug «Gert» (siehe Kasten), der sie ein wenig wie ein Mitglied einer Spezialeinheit aussehen lässt.

«Mit dem Simulationsanzug können Studierende nachempfinden, was es bedeutet, physisch älter zu sein», erklärt Nicole Hartmann von der Hochschule Luzern (HSLU), Technik & Architektur, die den Test begleitet. Für Franziska Scheuber als ausgebildete Sozialpädagogin ist dieser Tag im Seniorenzentrum Zwyden eine enorm wichtige und spannende Erfahrung. Sie kann den Anzug im Rahmen ihres berufsbegleitenden Studiums Innenarchitektur benutzen, bei dem sie nun im Endspurt steckt.

Seit Anfang Jahr führt sie mit ihrer Schwester Katja Amstalden-Scheuber den Familienbetrieb Scheuber AG in Ennetbürgen, die, neben anderen Alterseinrichtungen, auch für das Zwyden in Hergiswil ein Gestaltungskonzept mit erweiterten Aufenthaltszonen entwickelt und umgesetzt hat – inklusive speziell entwickelter, altersgerechter Möbel sowie einem Farb- und Akustikkonzept. Nun erlebt Franziska Scheuber die eigene Arbeit aus einer ganz neuen Warte. «Wir wollten wissen, ob unsere Überlegungen richtig waren, wollten das Ergebnis aus Sicht der Bewohner mit Einschränkungen prüfen», erklärt sie.

«Alt sein kann anstrengend sein»

Tatsächlich haben die Räume und das Mobiliar die Tests bestanden. Franziska Scheuber erlebte aber trotz ihres Fachwissens noch so einige Überraschungen. Nach dem Test meint sie denn auch respektvoll mit Blick auf die reduzierte Physis bei vielen Senioren: «Alt sein kann wirklich anstrengend sein!» Und erzählt, wie sie beispielsweise die simulierte Seheinschränkung empfunden hat. «Es war eindrücklich, wie wichtig die Farbkontraste sind. Sie geben den Sehbehinderten Sicherheit, weil sie unter Umständen nur dadurch erkennen, wo das Sitzmöbel überhaupt im Raum steht und welches die Sitzfläche und welches die Lehne ist. Oder Zeitunglesen war bei gedimmtem Licht schier unmöglich, da Ältere mehr Helligkeit benötigen, um die gleiche Sehleistung zu erzielen.»

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Auch die Schwierigkeiten durch eingeschränktes Greifvermögen lernte Franziska Scheuber kennen. «Gläser mit Stiel oder Henkeltassen sind unglaublich schwierig zu greifen. Am besten ging es mit Gläsern mit grosser Griff- und Auflagefläche.»

«Ich habe etliche Erfahrungen gemacht, die in meine Arbeit einfliessen werden.» In einem Alterszentrum müsse man zudem bedenken, dass dieses verschiedenen Bedürfnissen genügen müsse. «Es gibt ja nicht nur die älteren Bewohner, sondern auch jüngere Besucher und Arbeitskräfte.» Die unterstützende Zusammenarbeit und der Austausch zwischen den Mitarbeitenden der Institution und den Planern sind zentral.

Hochschule will Bewusstsein schärfen

Aufgrund der demografischen Veränderungen der Gesellschaft ist die Nachfrage nach alters­gerechten Wohneinrichtungen stark gewachsen. Zugleich hat die Sensibilität für Raumgestaltungen zugenommen. Auch das Institut Innenarchitektur an der HSLU hat es sich laut Nicole Hartmann zur Aufgabe gemacht, das Bewusstsein der Studierenden diesbezüglich zu schärfen. «Einschränkungen in Beweglichkeit, Sicht und Gehör haben einen grossen Einfluss auf die Wahrnehmung und Benutzung von Räumen und Produkten. Mit den gesammelten Erfahrungen werden die jungen Gestalter sensibilisiert, Raumkonzepte zu entwickeln, die eine benutzerfreundliche Umgebung für Menschen mit Einschränkungen bieten.» Ganz wichtig sei, dass man durch geeignete Raumgestaltung den Betagten Lebensqualität und Selbstständigkeit zurückgeben könne, ergänzt Franziska Scheuber. «Dadurch wird letztlich auch das Pflegepersonal entlastet.»

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