Gespannte Blicke ins Textbuch für das Dallenwiler Freilichtspiel

Die Theatergesellschaft Dallenwil präsentiert mit einem Freilichtspiel auf Maria-Rickenbach eine «grosse Kiste».

Kurt Liembd
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Sie haben soeben das Textbuch des Freilichtspiels erhalten. Von links: Eggi Gabriel, Stefan Wieland, Manuela Bomonti, René Odermatt, Klaus Odermatt und Samuel Christen.

Sie haben soeben das Textbuch des Freilichtspiels erhalten. Von links: Eggi Gabriel, Stefan Wieland, Manuela Bomonti, René Odermatt, Klaus Odermatt und Samuel Christen.

Bild: Kurt Liembd (Dallenwil, 13. Februar 2020)

Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Einer dieser Schatten bildete am Donnerstag die Textbuchübergabe an die über 25 Schauspieler. Eigentlich hätte dieser spezielle Moment auf Maria-Rickenbach, wo das Freilichttheater stattfinden wird, erfolgen sollen. Wegen des Sturms konnte die Seilbahn aber nicht fahren, sodass man kurzfristig auf den «Schlüssel» in Dallenwil umdisponierte.

Schuld, Sühne und Gerechtigkeit

1899 erschoss der Nidwaldner Jäger Adolf Scheuber auf der Gruobialp im Jagdbanngebiet Obwalden zwei Wildhüter, die ihn auf frischer Tat mit gewilderten Gämsen erwischt hatten. Nach der Tat floh er ins Ausland, wo sich seine Spur verlor. Der Obwaldner Justiz gelang es nie, den Mörder vor Gericht zu bringen. Auch deshalb beschäftigte dieser Kriminalfall die Bevölkerung während Generationen – ja bis heute. Mit der Zeit formte sich aus den Fakten, Vermutungen und Interpretationen viel Erzählgut, das seinen Niederschlag auch in Wilderergeschichten fand. Bis heute sind drei Romane, zwei Mundart-Theaterstücke und Erzählungen sowie eine geschichtswissenschaftliche Studie erschienen. Auffällig dabei ist, dass fast alle Autoren aus Nidwalden stammen. Im Kern geht es dabei um fundamentale Fragen nach Schuld, Gerechtigkeit, Strafe, Sühne und Vergebung. (KL)

Das Freilichtspiel findet vom 20. Juni bis 26. Juli 2020 statt. Nur die Zuschauerplätze sind gedeckt, sodass bei jedem Wetter gespielt werden kann. Geplant sind 24 Aufführungen. «Es ist ein spannendes Projekt mit einer mysteriösen Geschichte, die in Ob- und Nidwalden bis heute fasziniert», sagt OK-Präsident René Odermatt (32). Die imposante Bergwelt von Maria-Rickenbach biete die perfekte Kulisse dazu.

Alle jodeln und juizen, aber keine Heimatromantik

Als Regisseur konnte Stefan Wieland (32) aus Giswil gewonnen werden. Ein Glücksfall, denn Wieland ist nicht nur ein versierter Regisseur, sondern auch ein Opernsänger mit Abschluss als «Master of Arts in Solo-Performance». Bekannt ist er vom Stadttheater Sursee sowie von seinen Auftritten mit dem Luzerner Sinfonieorchester oder am Lucerne Festival. Sein Repertoire als Sänger umfasst nicht nur barocke Oper, sondern auch klassische Mozartpartien, romantische Lieder bis hin zu zeitgenössischer Musik. Dies ist für das Freilichtspiel insofern relevant, als das Stück um den Doppelmord (siehe Box) auch von Klängen lebt. «Alle Schauspieler singen, jodeln und juizen», sagte er am Donnerstag zu den Schauspielern, was bei einigen im ersten Moment leichte Unsicherheit auslöste. Jedoch verfalle das Stück keinesfalls in Heimweh-Duselei oder Heimatromantik, fügte der Regisseur im gleichen Atemzug bei. Angesagt sind zum Beispiel Naturjuiz-Motive und mystische Klänge. «Das Stück soll damit aber nicht intellektuell hochgeschraubt werden, sondern ist authentisch und ehrlich», so Wieland. Entsprechend gibt es auch keine Trachten auf der Bühne, ausser Jäger- und Klosterfrauentrachten. Als Wieland den Schauspielern das Textbuch übergab, sagte er: «Das ist nun euer Arbeitsinstrument für die insgesamt 52 Proben bis zur Premiere.»

Gesamtkunstwerk mit Entschleunigung

Verfasser des Textbuchs ist Klaus Odermatt (60). Seit über 40 Jahren ist er in der Theaterszene unterwegs und blickt auf eine lange Karriere als Schauspieler, Regisseur, Autor und Bühnenbauer. Bereits 2009 produzierte er das Freilichttheater «Die eine wilde Jagd» und feierte damit grossen Erfolg. 2017 führte er Regie im Film über Niklaus von Flüe, der im Rahmen des 600-Jahr-Gedenkjahres produziert wurde. Das Stück «Doppelmord auf der Gruobialp», in dem er selber mitspielt, bezeichnet er als «Gesamtkunstwerk». Damit meint er nicht nur das Spiel auf der Bühne, sondern ebenso die Anreise mit der Seilbahn, die Kulinarik, der Spaziergang zum Spielort und damit verbunden die Entschleunigung des Menschen. Auch Maria-Ricken­bach als Kraftort soll das seine dazu beitragen. Eine grosse Aufgabe wartet auch auf Eggi Gabriel, der für Bau und Technik verantwortlich ist, auf die Produktionsleiterin Manuela Bomonti und auf viele Helfer neben der Bühne.

Reservationen und Tickets ab sofort: www.freilichtspiel-nw.ch