GISWIL: Aus dem Hobby wurde sein Beruf

Bald ist Hochsaison für Hansruedi Riebli. 80 Prozent der Aufträge an den Tierpräparator stammen von Jägern.

Marion Wannemacher
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Etwa 600 bis 700 Tierpräparate hat Hansruedi Riebli in seinem Atelier in Giswil schon angefertigt. (Bild Corinne Glanzmann)

Etwa 600 bis 700 Tierpräparate hat Hansruedi Riebli in seinem Atelier in Giswil schon angefertigt. (Bild Corinne Glanzmann)

Marion Wannemacher

Wer sich in Hansruedi Rieblis Werkstatt an der Mühlebachstrasse 4 begibt, fühlt sich in den Biologieunterricht der eigenen Schulzeit zurückversetzt: Da hängen ausgestopfte Gämsköpfe an der Wand, Baummarder klettern durchs Geäst, ein Murmeli pfeift seinen unsichtbaren Kollegen den Warnruf zu, ganze Gämsen und Rehböcke stehen auf ihrem Podest – alle eingefroren im Moment, auf ewig.

Beruf mit vielen Facetten

Das Telefon klingelt in der Werkstatt, schon bald werden sich die Aufträge für Hansruedi Riebli häufen: Die Jagdsaison steht vor der Tür. «80 Prozent meiner Kunden sind Jäger», erzählt er. Riebli ist selbst einer. Zum Jagen kommt er allerdings kaum noch. Als Metzger und Waidmann bringt er bereits die Fähigkeit des Abbalgens mit. «Ansonsten muss man Podeste bauen können, modellieren und gerben.» Vor 30 Jahren hat es den Giswiler gereizt, selbst ein Tier bei dem damaligen Präparator Alois Rohrer aus Sachseln zu fertigen. Sein erstes Tier war ein Eichelhäher. Riebli blieb dabei. Aus dem ehemaligen Hobby ist längst ein Broterwerb geworden. Irgendwann, nachdem Kollege Alois Rohrer aus Sachseln sein Handwerk aufgab, wurde Hansruedi Riebli von Aufträgen überrollt. Vor etwa drei Jahren traf er dann eine Entscheidung. Heute geht er seinem alten Beruf als Metzger nur noch einmal in der Woche nach und arbeitet den Rest der Arbeitswoche in seiner Werkstatt im Speicher neben seinem Wohnhaus.

Strahlende Augen sind sein Lohn

Platz brauche es, betont Riebli, und Idealismus auch: «Reich wird man nicht. Man muss über die Kantonsgrenzen hinaus schaffen, um davon leben zu können. Die Stunden darf ich nicht rechnen», sagt er. Ein Beispiel: Ein Eichhörnchen zu präparieren dauert drei Tage, den Kunden kostet es etwa 250 Franken. Etwa 600 bis 700 Präparate hat er in seinem Leben schon gefertigt, schätzt er. «Der grösste Lohn ist für mich, wenn die Augen des Kunden beim Abholen strahlen.» Zu Hansruedi Rieblis Arbeitsgebiet gehören Vögel, Feldtiere, Gams-, Reh- und Rotwild. Und auch das gibt es, wenn auch selten: Haustierbesitzer, die sich ein ewiges Andenken an ihr Lieblingstier bewahren wollen. Was Hansruedi Riebli nicht machen würde? «Schlangen und Spinnen, das ist mir zu heikel wegen der Giftdrüsen.»

Viele Arbeiten terminiert der 50-Jährige so, dass er in der Jagdsaison Zeit für die Jagdtrophäen hat. Dann legt er auch schon mal Abendschichten ein. «Einen Hirschkopf samt Geweih kann man nicht einfrieren», erklärt er, Gams- und Rehköpfe dagegen schon. Ferien in der Hochzeit der Jagd? Das ist für Hansruedi Riebli ein Ding der Unmöglichkeit.

Autodidakt im Metier

Als Autodidakt hat er sich vieles selbst beigebracht. Neben der Arbeit mit fertigen Rohlingen aus Kunststoff, die zurechtgeschnitzt werden, arbeitet Riebli aber auch mit der bewährten Wickeltechnik. Die Knochen werden gesäubert, behandelt und verdrahtet, anschliessend wickelt er Holzwolle auf ein Drahtgestell für die Nachbildung der Muskeln. «Man muss schon anatomische Kenntnisse haben, räumliches Vorstellungsvermögen braucht es auch», sagt er.

Manchmal machen Kleinigkeiten den Eindruck der naturgetreuen Darstellung aus: der Winkel des Auges, die Wirkung der Iris, die anatomisch korrekten Halsmuskeln. Ein Ordner mit Zeitungsausschnitten zeigt dem Präparator Details verschiedener Tiere. Auf dem Markt gebe es immer wieder Neuigkeiten an Materialien, es sei schon an einem selbst, sich auf dem Laufenden zu halten, erzählt der Tierpräparator.

Der Saisonstart rückt näher

Die Jäger haben ihre Flinten griffbereit. In Obwalden beginnt die Jagd am 1. September, in Nidwalden müssen Hirsche, Gämsen, Murmeltiere und Füchse ab dem 9. September damit rechnen, vors Korn zu kommen. «Die Jagdvorschriften sehen in etwa gleich aus wie im vergangenen Jahr», hält Fabian Bieri, Abteilungsleiter Jagd und Fischerei beim Kanton Nidwalden, auf Anfrage fest. Heisst: An den Abschusszahlen sind – wenn überhaupt – nur geringfügige Änderungen vorgenommen worden. Ausnahme: der Hirsch. «Der Bestand ist grösser geworden. Um die Zunahme zu regulieren, erlauben wir, mehr Hirsche zu schiessen als im Vorjahr», so Bieri. In Zahlen: Die Patentinhaber können auf 12 Hirsche sowie 21 Stück Kahlwild (weibliche Tiere oder Kälber) Jagd machen.

Gämsen werden geschont

Auch in Obwalden sind steigende Hirsch- und Kahlwildzahlen auszumachen. «Der Jagddruck auf sie soll hoch gehalten werden, um den Bestand zu senken», sagt Cyrill Kesseli, kantonaler Jagdverwalter. Die Planung für 2015 sieht vor, dass maximal 35 Hirsche und 180 Stück Kahlwild erlegt werden können. Umgekehrt präsentiert sich die Situation bei den Gämsen. Erneut habe der Bestand abgenommen, so Kesseli. Die Jagd soll hier deshalb nicht so stark eingreifen wie in den Vorjahren. Aus diesem Grund bietet der Kanton erstmals ein kostengünstigeres Hochjagdpatent ohne Gämse an. Rund ein Drittel der Jäger habe davon Gebrauch gemacht, hält Cyrill Kesseli fest. Als weitere Schonmassnahme wurde die Jagdzeit auf Gämsen verkürzt (1. bis 12. September).

Jagdkommission vielfältig besetzt

Die jeweiligen Abschusszahlen werden zwar vom Regierungsrat abgesegnet, doch hinter den Vorschlägen steckt nicht allein der Kanton. «Vertreter von Forst- und Landwirtschaft, Natur- und Landschaftschutz, Umweltschutz und des Partentjägervereins sind ebenfalls Mitglied der Jagdkommission», zeigt Fabian Bieri anhand des Beispiels in Nidwalden auf. Unter anderem fliessen die Wildzählung im Frühling, die Bestandsaufnahme von Wildschäden und der Einfluss von Raubtieren jeweils in den Vorschlag der Jagdvorschriften ein. Dieser werde dann im Gremium besprochen. Dabei könne es durchaus zu unterschiedlichen Ansichten kommen, vor allem bei der Hirschabschusszahl. «Die Aufgabe ist es letztlich», so Bieri aber, «einen möglichst dem Lebensraum angepassten, gesunden Wildbestand zu erreichen.»