GISWIL: «Es lohnt sich, Fairtrade-Produkte zu kaufen»

Was bedeutet fairer Handel? Jana Gisler wollte dies mit eigenen Augen sehen. Für ihre Maturaarbeit reiste die 18-Jährige nach Thailand.

Adrian Venetz
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Jana Gisler beim Essen mit Dolmetscherin Mild Phy und dem Reisbauern Manoon Phypha mit seiner Frau (von links).. (Bilder PD)

Jana Gisler beim Essen mit Dolmetscherin Mild Phy und dem Reisbauern Manoon Phypha mit seiner Frau (von links).. (Bilder PD)

Ab ihrem 6. Lebensjahr begleitete Jana Gisler aus Giswil ihre Mutter zur Arbeit in den Claro-Laden in Sachseln. Die Philosophie der Claro Fair Trade AG faszinierte sie schon früh: Die Organisation fördert den Handel mit Kleinproduzenten aus Entwicklungsländern – dies vor allem mit fairen Preisen. Doch hält dieses Label «Fair Trade» (Fairer Handel) auch wirklich, was es verspricht? Dieser Frage wollte Jana Gisler in ihrer Maturaarbeit nachgehen. Aber nicht einfach daheim vom Schreibtisch aus: «Ich wollte mit eigenen Augen sehen, was dahintersteckt», erzählt sie.

Auf offene Ohren gestossen

Via Claro-Hauptsitz im bernischen Orpund trat Jana Gisler in Kontakt mit Michel Commons von der Organisation Green Net in Thailand. Dieses in Bangkok ansässige Unternehmen setzt sich seit mehr als zehn Jahren für fairen Reishandel ein. Hauptziel ist es, den thailändischen Bauern existenzsichernde Preise zu garantieren.

Jana Gisler stiess mit ihrem Anliegen auf offene Ohren: Michael Commons arrangierte für sie ein Treffen mit Vitoon Panyakul, dem Mitbegründer der Organisation. Ebenso organisierte er den Aufenthalt bei einem Reisbauern und seiner Familie in Yasothorn, Thailand. Sogar eine Dolmetscherin war mit von der Partie. Am 5. Juli ging die Reise los. Gemeinsam mit ihrer Mutter flog sie nach Bangkok. Von dort aus ging es weiter in die Provinz Yasothorn. Eine Mitarbeiterin von Green Net zeigte ihnen das «Organic Learning Center», wo Forschung zum Reisanbau betrieben wird. Anschliessend reisten Jana und ihre Mutter für drei Tage zum Reisbauern Manoon und seiner Familie. «Die Reisbauern müssen biologisch anbauen, bevor sie der Organisation beitreten und vom höheren Preis und den Fairtrade-Prämien profitieren können», erzählt Jana Gisler. «Die Organisation unterstützt die Bauern bei der Umstellung mit Schulungen über Anbaumethoden und Düngung ohne Chemie.» Die Reisfelder würden danach zwei- bis dreimal jährlich von Green-Net-Mitarbeitern kontrolliert.

«Am ersten Tag zeigte uns Manoon sein Haus, den Garten, seine Felder sowie den Saatvorrat und den Stall mit den zwei Kühen.» Der Dung der Kühe werde gleich zweimal genutzt, erklärt Jana Gisler. «Beim ersten Mal entsteht in einer einfachen Bioanlage Gas, das die Familie zum Kochen braucht. Danach wird der Mist als hochwertiger Biodünger auf den Reisfeldern verteilt.» Der grosse Garten der Bauernfamilie erbringe zudem das ganze Jahr genügend Gemüse und Früchte, sodass sie auf dem Biomarkt noch einiges verkaufen könnten.

Gut zurechtgekommen

Am zweiten Tag pflanzten Jana und Verena Gisler zusammen mit der Familie Reis an. «Die Reissetzlinge werden von Hand in das gepflügte und knöcheltief geflutete Feld gesetzt», sagt Jana Gisler. «Pflanzzeit ist während des Monsuns, Mai bis Juli, Erntezeit im Dezember, während der Trockenzeit.»

Mit den einfachen Verhältnissen auf dem Land sei sie gut zurechtgekommen, erzählt die 18-jährige Gymischülerin. «Wir waren schon oft auf Reisen in Ländern, wo ein relativ bescheidenes Leben geführt wird.» Beeindruckt hat sie in der thailändischen Provinz vor allem die Tatsache, dass die Leute einen grossen Teil ihres Alltags draussen verbringen. «Sie kochen und essen im Freien – auch das WC und das Waschbecken sind draussen.» Ans feuchte Klima musste sich Jana Gisler erst gewöhnen: «Ich bin jemand, der relativ rasch friert. Aber selbst mir war es manchmal zu heiss – obwohl der Juli eigentlich zur kälteren Jahreszeit in Thailand gehört.»

Positives Fazit

Zurück in der Schweiz, zog Jana Gisler ein durchwegs positives Fazit von ihrer Reise. «Es war ein tolles Erlebnis. Und die Reise hat eindrücklich gezeigt, dass es sich wirklich lohnt, Fairtrade-Produkte zu kaufen. Der «faire» Preis für den Reis sei zwar nicht viel höher als der für den konventionellen Reis – «dafür werden die Bauern von Green Net beim Bau von Brunnen, Biogasanlagen und vielem mehr unterstützt, das heisst: Die Organisation leistet Hilfe zur Selbsthilfe.»