GISWIL: Glück im Unglück bei «Häxä machä»

Was, wenn plötzlich ein wichtiger Schauspieler ausfällt? Geri Halter sprang spontan ein bei «Häxä machä». Er hatte keine Woche Zeit zur Vorbereitung.

Marion Wannemacher
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Der Scharfrichter (Jakob Grünenfelder) begleitet den Landammann (im Hintergrund), den Geri Halter nun spielt.

Der Scharfrichter (Jakob Grünenfelder) begleitet den Landammann (im Hintergrund), den Geri Halter nun spielt.

Auf der Website und im Programmheft ist noch die alte Besetzung angegeben. Nicht aufgeführt ist Schauspieler Geri Halter, bekannt als Darsteller des Jesus im neusten Film von Luke Gasser und von seinem Engagement bei vielen Produktionen in Obwalden. Dabei hat Halter eine der tragenden Rollen übernommen. Am Mittwochabend hatte er seinen ersten Auftritt als Landammann. Geri Halter hat die Rolle von René Degelo übernommen, der krankheitsbedingt bis auf weiteres ausfällt.

Doppelte Rollen nicht machbar

«Das war für uns ein herber Schlag», berichtet Produktionsleiter Werner Amport. Der Landammann sei eine Hauptfigur. «Da hat man nicht von einer Stunde auf die andere eine Lösung parat. Dass jemand sich mit Grippe durchkämpfen muss, hat Amport schon erlebt. «Aber dass jemand in diesem Ausmass für länger ausfällt, ist neu. Im Profitheater hat man Rollen doppelt besetzt, das haben wir nicht. Mit unseren 35 Spielern ist das nicht machbar.» Die kommenden Aufführungen sind zudem ausverkauft. Pro Aufführung betrifft das 300 Zuschauer. Die letzte Vorstellung, in der René Degelo noch mitspielen konnte, war am Donnerstag vergangener Woche. Doch Glück im Unglück: Ausgerechnet die Vorstellungen am nächsten und übernächsten Tag fielen ohnehin wegen des schlechten Wetters buchstäblich ins Wasser und mussten ohnehin abgesagt werden.

Produktionsleiter Amport und Theaterpräsidentin Edith Zumstein erarbeiteten eine Notfallliste. Alleroberster Kandidat war Geri Halter. «Es war für uns ein Glücksfall, dass er gleich zugesagt hat. Jemand wie er kann sich schnell in ein Spiel einbringen und hat eine gute Spielerfahrung.»

In der Notlage nicht lange überlegt

Eigentlich absolviert Geri Halter neben seinem Beruf als Sachbearbeiter für das Ressort Baugesuche beim städtischen Bauamt in Luzern eine Schule und wollte sich darauf konzentrieren. «Wenn man hört, dass da eine Notlage ist, überlegt man nicht lange. Ich bin auch froh, wenn ich in solchen Situationen eine Lösung finde», erzählt er. Halter sagte spontan zu. Das Ensemble atmete auf.

Mehrere Monate hatte das Team Zeit zum Proben, für Halter blieben nur vier Tage. Übers Wochenende war Textebüffeln angesagt. Die Freundin half ihm, las die anderen Rollen, korrigierte ihn, wenn es nötig war. «In der Situation auf der Bühne ist es dann wieder anders – eine rechte Herausforderung.» Geholfen hat Geri Halter sicher, dass er die Darsteller der tragenden Rollen von anderen Produktionen her kannte, der Draht war da. Lobende Worte findet er für das ganze Ensemble, das ihn immer wieder ermutigt habe. «Sie waren sehr hilfsbereit, ‹das kommt gut›, haben sie mir immer wieder gesagt oder den Daumen in meine Richtung nach oben gestreckt.»

Der Landammann im Stück ist eine Schlüsselfigur, sicher keine einfache Rolle. Seine Position wandelt sich vom charismatischen, alles versprechenden Politiker zum Drahtzieher der Hexenjagd bis zum Verurteilenden. Geri Halter hat sehr hohe Ansprüche an sich. «Ich gebe mein Bestes. Ich bin noch ein bisschen unter Druck und kann das Spiel noch nicht ganz geniessen.» Produktionsleiter Amport ist dagegen mit seinem ersten Auftritt sehr zufrieden. «Er hat es wunderbar gemacht, und das Wetter hat auch mitgespielt.»