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GISWIL: Weitblick verhilft zum Erfolg

Vor 125 Jahren baute Fuhrmann Josef Zumstein die Wirtschaft Bahnhof. Heute zeigt Urenkel Christoph, wie auch die vierte Generation die Nase im Wind hat.
Romano Cuonz Romano Cuonz
Zwei Geschäftspartner, die sich ideal ergänzen: Küchenchef Kas de Jonge (links) und Besitzer Christoph Zumstein. (Bild: Romano Cuonz)

Zwei Geschäftspartner, die sich ideal ergänzen: Küchenchef Kas de Jonge (links) und Besitzer Christoph Zumstein. (Bild: Romano Cuonz)

«So empfehle ich dem geehrten Publikum, besonders den HH. Viehhändlern, über die Märkte meine neue ‹Wirthschaft z. Bahnhof› aufs freundlichste – für Stallung wird immer gesorgt!» So schrieb Fuhrhalter und Wirt Johann Zumstein 1888 in einem Inserat. Was er damals hoffen mochte, aber nicht wissen konnte: Sein Haus erfreut sich 125 Jahre später – wenn auch nicht mehr in erster Linie bei Viehhändlern – noch immer grösster Beliebtheit.

Christoph Zumstein, der es in der 4. Generation führt, notiert voll Hochachtung: «Ich bringe meinen drei Vorgenerationen grosse Bewunderung und Wertschätzung entgegen.» Sein Urgrossvater habe damals, als die Brünig-Bahn (siehe Kasten) gebaut worden sei, Weitblick bewiesen. «Er rannte nicht an gegen das Unabwendbare, sondern wechselte vom Fuhrhalter zum Gastronomen und wirtete fortan direkt neben der Bahn», erzählt Zumstein. Der Hotelier, der seine Ausbildung zum Koch in renommierten Küchen Frankreichs absolviert hat, war stets entschlossen, in die Fussstapfen seines Urgrossvaters zu treten.

Reaktion auf die Dorfumfahrung

«In den letzten Jahrzehnten wiederholten sich die Ereignisse aus der Gründerzeit – nur mit anderen Vorzeichen», sinniert Christoph Zumstein. Er erinnere sich noch gut, wie sein Vater Heini eines Mittags mit der Zeitung an den Tisch gekommen sei und gesagt habe: «Unsere Gemeinde wird von der A 8 umfahren, die Zukunft des Hotels Bahnhof ist dahin! Damals war ich im Pubertätsalter, doch diese Sorge blieb in ­meinem Hinterkopf gespeichert», sagt Zumstein.

Tatsächlich war es dann an ihm, den Problemen, welche die Dorfumfahrung brachte, die Stirne zu bieten. «Während meine Eltern noch stark auf den Car-Tourismus setzten, beschloss ich, als ich vor 30 Jahren nach Hause zurückkam, mehr mit Individualgästen zu arbeiten», erzählt der heutige Hotelier. Und als 2004 der Umfahrungstunnel Giswil eröffnet wurde, waren Zumstein und seine Mitarbeiter bestens darauf vorbereitet. Bereits ein Jahrzehnt zuvor hatten sie vieles aufgegleist. Und auch kluge Investitionen waren getätigt worden.

Für Kinder gratis – eine Premiere

«Eine erste Idee entstand 1996 auf einer Reise nach Florida, als wir unseren Sohn dabei hatten», erinnert sich Christoph Zumstein. Überall habe es geheissen «Kids eat free». «Warum sollte dies nicht auch bei uns möglich sein?», fragte sich der Geschäftsmann. Die Idee, Kinder bis 10 Jahre gratis zu bewirten, war eine Schweizer Premiere und wurde zum Markenzeichen des Hotels. Einen weiteren wichtigen Schritt unternahm Zumstein vor 14 Jahren. Noch bevor die Umfahrung realisiert war, stand im «Bahnhof» ein radikaler Küchenumbau an. «Wir investierten 1,1 Millionen Franken und machten unsere Küche voll Catering-tauglich», sagt Zumstein. Heute gehört der «Bahnhof» zu den paar Obwaldner Betrieben, welche selbst grösste Anlässe mit warmen und kalten Speisen versorgen können. «Catering macht heute rund 30 Prozent des Umsatzes aus, der Hotelbetrieb 12 Prozent», bilanziert Zumstein.

Besonders stolz ist der Spitzenkoch, dass der Betrieb nach wie vor 50 Prozent mit einer auch einmal gewagten Spitzen-Gastronomie generiert. Kluge Weitsicht bewies der Hotelier auch, als er ein «Fumoir» plante, welches gesetzlichen Anforderungen entspricht. «Unsere Dorfbeiz hat damit einen grossen Aufschwung erlebt.» In den 24 Jahren, in denen er den Betrieb führt, gab es weitere wichtige Bautätigkeiten. «Wir investierten viel Geld in den Umbau der Reblaube, die Umgestaltung der Gartenanlage, die Fassadenrenovation und die Überdachung der Terrasse», zählt er auf.

Partner ohne Vertrag

Einen Meilenstein für den Erfolg des traditionsreichen Hotels setzte Zumstein 2002. «Damals ging ich mit Freund und Küchenchef Kas de Jonge eine Geschäftspartnerschaft ein. Beide haben wir unsere Ideen, wie man den Betrieb erfolgreich führen kann.» De Jonge ist nicht weniger begeistert. «Wir haben unsere Löhne und partizipieren am Gewinn je zur Hälfte», sagt er.

Obwohl laut Zumstein nicht einmal ein Vertrag besteht, harmonieren die beiden noch wie am ersten Tag. Als Patrons sorgen sie für Arbeitsplätze: Das Hotel Bahnhof bietet heute elf Vollzeitstellen, aufgeteilt auf verschiedene Teilpensen an. «In all den Jahren, in denen ich dem Betrieb vorstehe, haben wir noch immer schwarze Zahlen geschrieben», freut sich Christoph Zumstein. Und der ehemalige Spitzensportler weiss genau: «Erfolg hat man im Hotelfach, wenn man stets am Ball bleibt.»

HINWEIS

Jubiläumsprogramm 2013 im Hotel Bahnhof Giswil: 1., 8. und 15. September: Dampffahrt über den Brünig mit Nostalgie- oder speziellem Menü. 25. 10: 1. Epochen-Event mit Marie Louise Werth. 9. November bis 7. Dezember: Beizentheater im Bahnhofsaal «Das Ende vom Anfang». Weitere Events 2014: www.bahnhofgiswil.ch

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