Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Kolumne

Goldener Leopard - bengalische Katze

Kolumnistin Franziska Ledergerber macht sich Gedanken darüber, wie sich der goldene Leopard bei den Filmfestspielen Locarno einschlich. (Aus technischen Gründen fehlten die letzten drei Abschnitte, die sind nun aktualisiert)
Franziska Ledergerber.

Franziska Ledergerber.

Am Donnerstag Abend wäre ich gerne auf der Piazza Grande in Locarno gewesen. Fredi Murer wurde, gleichsam als Schlussbouquet des zehn Tage dauernden Film Festivals, mit dem «Pardo alla Carriera» geehrt. Dieser Preis gilt Personen mit einer besonderen Karriere in der Filmwelt. Fredi Murer hat zweifellos eine beeindruckende Karriere hinter sich. Bereits schon 1985 gelang ihm mit seinem grossartigen Film «Höhenfeuer» der Durchbruch als national und international anerkannter Filmemacher. Damals erhielt der in Beckenried geborene und in Altdorf aufgewachsene Regisseur als erster Schweizer in Locarno den Pardo d’oro, den Goldenen Leoparden, die höchste Auszeichnung des Festivals.

Warum Goldener Leopard? Der Pardo d’oro, diese exotische Katze, hat sich erst 1968 auf die Piazza Grande ins Festival geschlichen. In den Jahren zuvor hiess der erste Preis des besten Spielfilmes im Wettbewerb noch unspektakulär «Vela d’oro», goldenes Segel, - bescheiden und ganz im Zeichen einer Seegemeinde. Vielleicht änderte diese Bezeichnung nachdem der Spielfilm «Il Gattopardo» von Luchino Visconti aus dem Jahr 1963 Furore machte. In den Hauptrollen brillierten Burt Lancester, Claudia Cardinale und Alain Delon. Der mit grossem Aufwand realisierte Stoff aus dem gleichnamigen Roman von Giuseppe Tomasi di Lampedusa gilt als Meisterwerk der Filmgeschichte. Das wäre sicher eine Erklärung für eine modernere Namensgebung.

Eine andere Katze erregte letzthin während der Ferien im Tessin meine Aufmerksamkeit. Ein wunderschönes Tier sprang unmittelbar aus dem Gebüsch auf ein Mäuerchen in unserem Garten. Ich staunte nicht schlecht, denn sein Fell an den Flanken war mit schwarz-braunen Quadraten auf gelbem Grund gezeichnet. Ein Jaguar, ging mir durch den Kopf, allerdings eine Mini-Ausgabe. Scheu hielt die Katze inne, als sie mich erblickte und verschwand alsdann mit einem kräftigen Sprung zwischen Bambus und Lorbeerbüschen. «Wow!» entfuhr es mir mit der gleichen Irritation wie Jahre zuvor, als ich die erste Tigermücke auf meinem Arm zerquetschte. Fasziniert und zugleich erschreckt.

Im Gegensatz zum artfremden Auftauchen der Tigermücke hat diese faszinierende Katze nichts mit der Klimaerwärmung zu tun. Wie ich später erfuhr, handelt es sich um eine Bengalkatze. Die aussergewöhnliche Fellzeichnung verdankt sie der asiatischen Leopardenkatze, einer Wildkatze, die mit normalen Hauskatzen gekreuzt wurde. Es gelang aber bis heute noch nicht, ihre Wildheit vollständig zu domestizieren.

Nun zurück nach Locarno zum goldenen Leoparden, der jeweils am Anfang jedes Wettbewerbfilms stolz und gemächlich die riesige Leinwand quert und brüllt, bevor er rechts aus der Bildfläche ins Dunkle entschwindet. Wir verbrachten unseren letzten Ferientag von neun Uhr morgens bis sechs Uhr abends im Fevi, einer zum grössten Kinosaal umfunktionierten Messehalle, und hörten den Leoparden insgesamt dreimal brüllen. Jedes Jahr ein cineastisches Abenteuer.

Die Ehrung von Fredi Murer haben wir leider verpasst, doch seine Filme werden weiterstrahlen. Im Gegensatz zum Wellenberg, dem der Film «Der grüne Berg» gewidmet ist. Dieser Berg wird Gott, Fredi und vielen anderen sei Dank nie strahlen und niemand muss je einmal «inä luegä»!

Franziska Ledergerber, Hausfrau und ausgebildete Lehrerin, Hergiswil, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbstgewählten Thema.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.