GRAFENORT: Welche Konsequenzen hat die Luchs-Tötung?

Es war der Hunger, der den Jungluchs in den Ziegenstall eindringen liess. Das kostete ihn sein Leben. Nun läuft ein Verfahren gegen den Bauern.

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Ein Luchs, hier aufgenommen im Tierpark Goldau. (Bild Keystone)

Ein Luchs, hier aufgenommen im Tierpark Goldau. (Bild Keystone)

Als der Nidwaldner Landwirt Hans N. (Name der Redaktion bekannt) letzte Woche dem Wildhüter mitteilte, dass er einen jungen Luchs erschlagen habe, staunte dieser nicht schlecht. Schliesslich ereignete sich in der Zentralschweiz in den vergangenen Jahren kein vergleichbarer Vorfall. Weil der Luchs in der Schweiz ein geschütztes Tier ist, sind die Kantonspolizei Nidwalden und die örtliche Wildhut nun am Ermitteln.

«Ich wollte nur meine Ziegen beschützen»
«Über ein mögliches Urteil zu reden, wäre allerdings reine Spekulation», sagt Kurt Antener, Leiter Jagd und Fischerei des Kantons Nidwalden. «Es ist dem betroffenen Bauern aber hoch anzurechnen, dass er den Fall von sich aus bei den Behörden gemeldet hat.» Laut «Radio Sunshine» ist sich der Landwirt aus Grafenort keiner Schuld bewusst. «Schliesslich wollte ich nur meine 30 Ziegen beschützen.»

Ereignet hat sich der Fall Anfang letzter Woche. Es war frühmorgens, kurz nach 4, als der Landwirt auf einmal Lärm aus seinem Ziegenstall vernahm. «Als ich in den Stall kam, hatte der Luchs schon zugebissen.» N. zögerte keine Sekunde und erschlug das Jungtier mit einem Werkzeug. Der Luchs sei so sehr abgemagert gewesen, dass er sowieso nur noch wenige Tage überlebt hätte, so der Bauer.

Höchstens zwölf Tiere in der Zentralschweiz
Kurt Antener bringt für das Verhalten des Bauern zwar ein gewisses Verständnis auf. Gegenüber der Agentur sda betont er, dass es sich um ein junges und abgemagertes Tier gehandelt habe, das deshalb nicht unbedingt auf Anhieb als Luchs zu erkennen gewesen sei. Das Tier sei kaum zwei Kilo schwer und etwa gleich gross wie eine Katze gewesen. «Nichtsdestotrotz muss der Vorfall sauber untersucht werden.» Der tote Luchs befindet sich mittlerweile im Tierspital Bern. «Der Luchs hat vermutlich aus Verzweiflung gehandelt», sagt Fridolin Zimmermann, Wildbiologe beim schweizerischen Raubtierprojekt Kora. Dass Luchse in Ställe eindringen und Nutztiere angreifen, komme sehr selten vor.

Der Verlust des Jungtieres wiegt schwer, denn die Luchspopulation in der Zentralschweiz ist klein: Etwa sieben bis zwölf selbstständige Tiere – Luchse, die sich von der Mutter gelöst haben – leben laut Fridolin Zimmermann in der Region Zentralschweiz West. Dazu gehören die Kantone Uri, Luzern, Ob- und Nidwalden sowie gewisse Teile des Berner Oberlandes.

Daniel Schriber

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Mittwoch in der Neuen Nidwaldner Zeitung.