Grandioser Abschied des Hergiswiler Kirchenchores mit etwas Wehmut

Es war ein freudiger Abschluss nach 94 Jahren: Der Kirchenchor Hergiswil hatte an Weihnachten seinen letzten Auftritt.

Kurt Liembd
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Historischer Moment: Der Kirchenchor Hergiswil bei seinem letzten Auftritt.

Historischer Moment: Der Kirchenchor Hergiswil bei seinem letzten Auftritt.

Bild: Kurt Liembd (Hergiswil, 25. Dezember 2019)

Freude und Trauer liegen bekanntlich eng beieinander. Das war an Weihnachten gut zu spüren, als der Kirchenchor Hergiswil den letzten Glanzpunkt in seiner fast 100-jährigen Geschichte setzte. Im Rahmen des Festgottesdienstes erklang die «Missa brevis» von Christoph Bühler. Das Gute vorweg: Mit der eindrücklichen Aufführung hat ein langes Wechselbad der Gefühle rund um die Existenz des Kirchenchores ein glückliches Ende gefunden – passend zum Weihnachtsfest der Freude. Dazu Präsident Werner Marti: «Sehr schön ist, dass der Prozess der Vereinsauflösung immer von allen Mitgliedern mitgetragen wurde.» Für viele sei diese Endgültigkeit zwar schmerzlich, aber letztlich unausweichlich. «Schön war und ist, dass unsere Vereinstätigkeit in atmosphärisch guter Stimmung innerhalb des Chores beendet werden kann.» Vorstandsmitglied Elsbeth Erismann spricht von einem Vernunftsentscheid und verhehlt nicht, dass sie die Auflösung mit einem weinenden und einem lachenden Auge erlebe.

Der Altersdurchschnitt beträgt 74,8 Jahre

Die Gründe für die Auflösung haben sich schon länger abgezeichnet: Mitgliederschwund, fehlender Nachwuchs und damit verbunden die Schwierigkeit, neue Vorstandsmitglieder zu finden. Werner Marti spricht ganz offen zum Thema Überalterung. «Wir müssen uns einfach eingestehen, dass unsere gesanglichen Möglichkeiten altersbedingt abnehmen und dass die Schwierigkeit zunimmt, unser Singen in einer Qualität zu halten, die uns und dem Kirchenvolk Freude bereitet». Er selber ist mit 67,5 Jahren das jüngste Mitglied des Kirchenchores, das Durchschnittsalter beträgt 74,8 Jahre. Gleichzeitig erwähnt Marti mit grosser Freude, dass der Probenbesuch extrem gut sei und dass es menschlich im Chor stimme.

Der Chor blickt mit Freude auf eine fast 100-jährige Geschichte zurück. Nebst dem Kirchengesang bleiben zahlreiche Konzerte, auch weltlicher Art, in Erinnerung. Darunter waren Auftritte zusammen mit dem Männerchor, dem Orchesterverein Nidwalden und mit andern Chören sowie die Teilnahme an den kantonalen Kirchenmusiktagen. Unvergesslich bleibt unter anderem das 70-Jahr-Jubiläum 1995 mit einem weltlichen Konzert unter dem Motto «Singendes klingendes Europa». Aber auch geistliche Werke bleiben unvergessen, so zum Beispiel im Jahre 2000 die Krönungsmesse von Mozart.

Auch weiterhin Musik in der Kirche

Der Abschied an Weihnachten hätte nicht feierlicher und würdiger sein können als mit der «Missa Brevis in G-Dur», einem eindrucksvollen Werk ihres jung verstorbenen Dirigenten und Komponisten Christoph Bühler. Bereichert wurde der Chor von den beiden Trompetern Patrick Roth und Manuela von Büren und Sepp Odermatt an der Kesselpauke. Schon eingangs der Messe erklang durch geschickte Positionierung der Trompeter ein effektvolles Echo. Zu hören war eine packende Interpretation, sodass es viele kaum glauben konnten, dass dies nun der letzte Auftritt gewesen sein soll. Dirigent Patrick Erni hat den Chor auf diesen historischen Tag sehr gut eingestellt und es war spürbar, dass er mit dem Komponisten gut befreundet war. Feststimmung verbreitete auch Organistin Natalia Ryzhova mit schönsten Weihnachtsliedern. Zur Auflösung sagte Kirchenpräsident Martin Dudle an der letzten Kirchenversammlung: «Für mich ein emotionaler Moment, denn eine Kirche ohne Musik ist eine traurige Kirche». Doch so weit wird es nicht kommen, dafür haben die Verantwortlichen vorgesorgt. Geplant sind verschiedene offene Musikprojekte. Die Hergiswiler Kirche wird weiterhin von Musik und schönem Gesang beseelt sein.