Eigene Halle geplant: Stanser Handballer müssen fürs Training auswärts antreten

Der BSV Stans hat zu wenig Hallenkapazitäten. Der fünftgrösste Handballclub der Schweiz muss auch auf Altdorf, Kriens oder Emmen ausweichen. Nun will er für viel Geld eine eigene Trainingsstätte bauen.

Oliver Mattmann
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Vis-à-vis des Kiesplatzes will der BSV Stans in unmittelbarer Nähe zur bestehenden Eichlihalle eine eigene Trainingshalle realisieren. (Bild: Dominik Wunderli, Stans, 20. März 2019)

Vis-à-vis des Kiesplatzes will der BSV Stans in unmittelbarer Nähe zur bestehenden Eichlihalle eine eigene Trainingshalle realisieren. (Bild: Dominik Wunderli, Stans, 20. März 2019)

Der BSV Stans ist in Nidwalden der einzige Handballverein – dafür sehr erfolgreich. Die ersten Mannschaften bei den Herren und Frauen spielen in der zweithöchsten Liga, dazu kommen 13 weitere Teams bis zu den jüngsten Junioren. Aktuell spielen vier davon auf interregionaler Stufe. Doch: Den Trainingsbetrieb für 240 lizenzierte Spielerinnen und Spieler zu organisieren, womit der BSV der fünftgrösste Handballverein in der Schweiz ist, hat seine Tücken.

Zwar deckt die Eichlihalle in Stans einen Teil der Bedürfnisse ab, doch «wollen wir unsere erfolgreiche Nachwuchsarbeit konsequent weiterverfolgen, benötigen wir mehr Kapazitäten», erklärt Vereinspräsident Philipp Bühlmann. Bereits heute seien Doppel- oder Dreifachbelegungen im Eichli Alltag, zudem weiche man in Hallen in Kriens, Altdorf und Emmen aus. «Das bedeutet logistisch und finanziell einen beträchtlichen Mehraufwand.» In Stans selber benutzen die Handballer auch die Pestalozzi- und die Kollegihalle, um die wöchentlich total 35 Trainingseinheiten stemmen zu können.

Der Hauptort hätte zwar im Schulzentrum Turmatt eine weitere Dreifachturnhalle zu bieten und in umliegenden Gemeinden – schliesslich stammen auch zahlreiche Spieler von dort – stehen ebenfalls solche Hallen. «Das stimmt», sagt Bühlmann, «doch das grosse Problem ist das Harzverbot, das praktisch überall herrscht, weil die regelmässige Bodenreinigung aufwendig ist. Das hört sich nach einem banalen Grund an», so der Präsident, doch nur wer mit Harz für die bessere Haftung des Balles an der Hand Spielsituationen eins zu eins üben könne, setze dies an einem Match auch richtig um. Seit einiger Zeit gilt das Verbot auch für die Halle bei der Kaserne Wil, in der auch BSV-Teams trainieren. Bühlmann sagt:

«Wenn wir keine optimalen Trainingsmöglichkeiten haben, werden wir bei den Junioren künftig kaum mehr vorne mitspielen können.»

Und weiter: «Es ist fraglich, ob wir noch genügend geeignete Trainer finden, die unter diesen Umständen ein Team übernehmen wollen.»

Wirtschaftliches Risiko liegt nicht beim Verein

Der Verein hegt deshalb kühne Pläne. Er will aus eigener Kraft bestenfalls bis Ende 2020 eine Trainingshalle mitsamt Garderoben realisieren, um die Engpässe zu beseitigen. Kostenpunkt: 2,5 bis 2,8 Millionen Franken. Geplant ist eine Holzkonstruktion von 55 auf 28 Metern, die neben dem Kiesplatz angrenzend an die Parkplätze der Eichlihalle erstellt würde. Heute wird die Fläche landwirtschaftlich genutzt, sie befindet sich aber bereits in der öffentlichen Zone, wodurch keine Umzonung notwendig ist.

An einem Infoabend für direkte Anwohner und andere Sportvereine, die im Eichli Trainings abhalten, hat der Vorstand diese Woche das Projekt vorgestellt. Philipp Bühlmann betonte, dass das Baugesuch erst eingereicht werde, wenn die Finanzierung stehe. Neben Eigenmitteln von bis zu 900000 Franken sei man mit einem Partner für einen Fremdfinanzierungsanteil von bis zu 1,9 Millionen Franken in Kontakt. «Wenn wir nicht daran glauben würden, das Geld aufzutreiben und das Projekt zu verwirklichen, würden wir heute nicht hier stehen.» Voraussichtlich soll eine Aktiengesellschaft, die zu 100 Prozent im Besitz des BSV wäre, die Trägerschaft übernehmen. «Wir wollen nicht den Verein gefährden, sollte das Projekt scheitern», begründet Rechtsanwalt André Britschgi, der den Verein juristisch berät.

Die öffentliche Hand bleibt am Drücker

Den Anwohnern versicherte Bühlmann, dass die Halle nicht zu mehr Lärm führen werde. «Sie wird am Wochenende nicht zum Partylokal. Das ist in dieser Zone gesetzlich gar nicht möglich.» Das mehrfach geäusserte Anliegen, die Handballer doch zu animieren, mit dem Velo zu kommen oder Fahrgemeinschaften zu bilden, nahm er als Input auf. Der Vorstand betonte aber, dass trotz zweiter Halle nicht mehr Teams als heute im Eichli trainieren würden und deshalb kein Mehrverkehr zu erwarten sei.

Im Grundsatz stellte sich aber niemand gegen die Trainingshalle, weshalb der BSV-Präsident nach dem Infoabend von einem «guten Gefühl» sprach, zumal der Gemeinderat und der Genossenrat der Korporation Stans das Ansinnen unterstützten. Die Genossengemeinde stimmt am 28. März darüber ab, das Land im Baurecht an die Gemeinde abzutreten, die ihrerseits dem BSV ein Unterbaurecht gibt. Weshalb so komplex? Damit ist gewährleistet, dass die Halle, egal was in Zukunft passiert, in der öffentlichen Hand verbleibt und nicht an Private veräussert wird.