The Haymen
Heimspiel einer alten Band mit neuen Ideen

Buschi & Anni ist jetzt keine Band mehr, sondern ein Käfer. Die Band heisst neu The Haymen und feierte am vergangenen Samstag im Stanser Chäslager die Taufe ihres neuen Albums, das so heisst wie der Käfer.

Christian Hug
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Die Plattentaufe der umgetauften Band The Haymen fand im Chäslager statt.

Die Plattentaufe der umgetauften Band The Haymen fand im Chäslager statt.

Bild: PD/ André A. Niederberger (Stans 12. März 2022)

Um die zehn Jahre und zwei Alben lang haben sich die Stanser Sämi Locher, David Bucher, Simi Käslin und Domi Flaig als Buschi & Anni in der Region einen Namen als solide Liveband aufgebaut. Die Jungs nannten ihre Musik Gin-Folk, weil sie ein Faible für irische Musik und guten Gin pflegen.

Aber jetzt ist alles anders: Die Band heisst neu The Haymen, abgeleitet vom real existierenden Hayman’s-Gin. Ihren alten Bandnamen haben die vier Freunde einem philippinischen Zwergmooskäfer übertragen, der heisst jetzt wissenschaftlich korrekt Hydraena buschietanni, Biopat-Artenkatalog-Nummer 309. Dieser Krabbler ziert auch grad das Cover des neuen Albums, das entsprechend «Hydraena» heisst. Und die Veröffentlichung dieses Albums feierten The Haymen am vergangenen Samstag im Stanser Chäslager mit einem ausverkauften Konzert.

Musik ist kompakter geworden

Warum dieser Wechsel? Bassist David Bucher antwortet etwas lakonisch:

«Ausserhalb von Nidwalden nahm man uns entweder als Kinder- oder als Ländlerband wahr. Dagegen mussten wir etwas unternehmen.»

Und es wäre nicht Buschi & Anni, wenn die Neuerfindung der eigenen Band nicht mit allerlei Gedanken- und Wortspielereien verbunden wäre.

Musikalisch sind sich The Haymen aber glücklicherweise treu geblieben. Beziehungsweise haben sich auch hier weiterentwickelt: Im Fundament bleiben ihre Songs in der Schnittmenge aus Irish Folk, Americana und Alternative Country. In der Ausführung sind sie aber dichter und kompakter geworden, sie sind im Vergleich zum eher poppigen Vorgängeralbum «Pequod» von 2018 wieder klarer auf ihr Fundament ausgerichtet.

Kurz: Man hört der Band an, dass sie sich für dieses neue Album gründlich vorbereitet und viel geübt hat. Und, nebenbei bemerkt, ganz modern mit einem Crowdfunding und einem fleissig bespielten Instagram-Account ihre Fans von Anfang an in den Entstehungsprozess von «Hydraena» miteinbezogen hat.

In den Texten dreht sich alles weiterhin um die ziellose Sehnsucht in weiten Landschaften, um die ewigen Freuden und Leiden der Liebe und natürlich um die unübertreffliche Gemütlichkeit eines irischen Pubs bei einem grossen Glas guten Hayman’s Old-Tom-Gin.

Namensvetter-Gin war an der Plattentaufe nicht zu haben

Erstaunlicherweise war genau dieser Lieblingsgin der Band an der Chäslager-Bar nicht im Sortiment. «Wir waren so beschäftigt mit den Vorbereitungen für die Plattentaufe, dass wir komplett vergessen haben, ein paar Flaschen zu bestellen», sagte David Bucher mit einem fröhlichen Lachen nach dem Konzert.

Das kann passieren. Das war zumindest weniger erstaunlich als der Umstand, dass Chäslager-Hausmeister Rene Burrell alias Coal schon um Mitternacht die Glocke schwang und die letzte Runde ausrief. Immerhin spielte Coal vor dem Auftritt von The Haymen ein paar Songs solo mit Gitarre und Mundharmonika – er sprang für die Band Die Jakobs ein, die eigentlich das Vorprogramm hätten bestreiten sollen, wegen eines Covid-19-Falls in der Band aber verhindert waren.

Der letzte Zacken fehlt noch

Mit dem Konzert von The Haymen kam das Publikum dann also in den Genuss einer besser gewordenen Band. Herausragend ist das Gespür der Musiker für eingängig-schöne Melodien und bezaubernd mehrstimmigen Gesang, die Kompositionen sind sehr solide, die Songs sind gut. Was jetzt noch fehlt, ist dieser letzte kleine Zacken, die Songs zu einer Art emotionaler Kernschmelze zu verdichten.

Wie das gehen könnte, zeigte die Band in den Zugaben, die wesentlich lockerer und griffiger daherkamen als die Songs des regulären Sets. Man sah den Musikern förmlich an, wie erleichtert sie über die gelungene Plattentaufe waren. «Das war halt ein klassisches Heimspiel», sagte Sänger Sämi Locher nach dem Konzert, «darum waren wir vor dem Auftritt nervöser als sonst.»

Pro verkauftem Album wird ein Franken gespendet

Zwei hübsche Details am Rande: Das neue Album erscheint nicht nur als CD, Vinyl, Stream und Download, sondern auch als Computer-Diskette. Ein kleiner Scherz, denn heute gibt es ja kaum noch Computer mit Diskettenfach.

Zweitens: Pro verkaufte CD beziehungsweise Schallplatte gehen je ein Franken an ein wissenschaftliches Forschungsprojekt über den Zwergmooskäfer Hydraena buschietanni und an ein Umweltschutzprojekt auf den Philippinen.

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