Heimweh nach dem Vierwaldstättersee

«We Heiweh schiär» titelt Franz Troxler einen Gedicht- und Fotoband. Kein Zufall, dass im Mittelpunkt der Vierwaldstättersee steht.

Romano Cuonz
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Franz Troxler – der Vierwaldstättersee ist seine Welt.

Franz Troxler – der Vierwaldstättersee ist seine Welt.

Bild: Romano Cuonz (Buochs, 13. Oktober 2020)

«Wie Wunder sind diä Tääg wo usem Dunkle uisewachsid umgä vo Cherzeliächt», beschreibt der Mundartlyriker Franz Troxler einen Sonnenaufgang am Vierwaldstättersee in seiner malerischen Nidwaldner Mundart. Und weil er ein ebenso exzellenter Fotograf wie Dichter ist, stellt er zu Worten auch Bilder. Diese zeigen in rosig roten, zart blauen, violetten, grauen bis schwarzen Farben den Vierwaldstättersee und die Bergstöcke, die ihn umgeben. Kurz bevor die Sonne aufgeht. «Seit gegen 30 Jahren begebe ich mich am frühen Morgen immer wieder auf die Buochser Seepromenade», erzählt Troxler. Stets am gleichen Platz bringe er seine Kamera in Stellung: mit Blickwinkel über den See Richtung Niederbauen, Fronalp- und Vitznauerstock. Vor allem wenn Föhn aufkomme oder Wolken aufzögen, könne er da interessante, immer wieder neue und andere Aufnahmen machen.

Fotografien sind Bühnen mit Haupt- und Nebenrollen

Blättert man im neuen Bildband, begegnet man genau 50 Stimmungsbildern, die einen ebenso erfreuen wie beeindrucken. Ins Auge sticht einem der deutliche Unterschied zu Fotos von Amateuren. Nicht die Qualität der Apparate macht ihn aus, nein, die sorgfältige Komposition der Bilder ist es. Franz Troxler sagt es so: «Fotografien sind für mich wie Bühnen, auf denen es Haupt- oder Nebenrollen gibt.» Effektiv: In Troxlers Bil-dern spielen Wolken, Spiegelungen, Berg- oder Wasserlinien Rollen. Als Regisseur mit der Kamera liest der Buochser jede Landschaft. Komponiert Töne hinein und lässt so seine fein ausgewogenen Fotografien beinahe erklingen. Es entsteht ein ständiges Wechselspiel zwischen seinen eigenen Stimmungen und jenen, welche die Natur hervorzaubert. Dass Troxler bis heute ausschliesslich analog fotografiert und nur unbearbeitete Originalbilder veröffentlicht, erhöht ihre Qualität und vor allem ihren dokumentarischen Wert.

«Ich liebe den Vierwaldstättersee, er ist meine Welt, deshalb widme ich ihm zum wiederholten Male ein Buch», sagt Franz Troxler. Aber es gebe etwas, das er genauso liebe: seine Nidwaldner Mundart. «Wenn du mit einer Sprache aufgewachsen bist, ist sie wie ein Gewand, das zu dir passt», sagt der Autor. Die Nidwaldner Mundart habe zahlreiche schöne Wörter und Ausdrücke, mit denen er alles, was er fühle, auch differenziert ausdrücken könne.

Liebe zum See und zur Mundart

In seinen 46 Gedichten mit Titeln wie etwa «Räägätag», «E goudige Wääg», «Iinachte» oder «Wenns hunded» nimmt Troxler von Jahreszeit zu Jahreszeit wechselnde Stimmungen in der Natur auf. Bezieht diese auf sich. Im Gedicht «Jäner» schreibt er: «Ai deyni Sorge und graie Gedanke breesmilid fir und fir useed troche und liächt ugschaied ufe Bode-n-abbbe.» Und in einer sommerlichen Erinnerung an seine Jugend hält er fest: «Ich bsinne mich as Umeschtriäle, as Chlädere und Bachschtaie, Fledere und Gwääschle.» Toxler achtet in seinen Gedichten auf Rhythmus, drückt das, was er sagen will dicht und knapp aus. Auf neu in die Mundart integrierte Wörter oder gar Anglizismen, wie sie vor allem die Jungen nun mehr und mehr brauchen, verzichtet er. «Ich hätte Mühe, in ein Gedicht ein Wort aufzunehmen, das ich selber nicht gebrauche», gesteht der frühere Heilpädagoge und Logopäde Troxler.

Uisgsuecht

Ha seyferli uisgsuecht
meyni Gedanke
has inepackt i Wort
we Gschänk.
Es sell uberechoo
wene linde Wind
wene feyne Huich
we Schnuif
sell aachoo bi diär
dich werme ums Härz.

Auf Spitzzüngigkeit – wie sie vor allem seinem bekannten Vorgänger Walter Käslin, der auch am See lebte, noch eigen war – verzichtet Troxler. Seine Lyrik enthält zwar zahlreiche Farbtöne und persönliche Gefühle, kritisch oder angriffig aber ist sie nicht. «Ich bin nicht der Mensch dafür», erklärt Franz Troxler. Viel mehr sehe er sich als Naturmenschen, als Maler mit der Kamera und Schilderer mit Wörtern aus seiner Mundart. Letztlich aber ist er ein Künstler, der eine mal friedliche, mal aufgebrachte, mal üppige, mal karge Natur beschreibt. Und so sucht und findet er, in seiner eigenen Welt, die Nähe zu anderen Menschen mit ähnlichen Gefühlen immer wieder.

«We Heiweh schiär – Gedichte und Fotografien» von Franz Troxler mit einer CD. Verlag Martin von Matt, Stans. ISBN-Nr: 978-3906997-92-6