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HERGISWIL: Beim Steinibach kehrt die Natur zurück

Der Steinibach ist eine Grossbaustelle. Aus dem leblosen Kanal entsteht ein natürlicher Bach – zur Freude von Menschen und Fischen.
Gemeinderat Renato Durrer (links) und Ingenieur Peter Scheiwiller im Bachbett des Steinibachs in Hergiswil. Das Wasser wird während der Bauarbeitenin Röhren umgeleitet. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Gemeinderat Renato Durrer (links) und Ingenieur Peter Scheiwiller im Bachbett des Steinibachs in Hergiswil. Das Wasser wird während der Bauarbeitenin Röhren umgeleitet. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Matthias Piazza

Der Lastwagen hebt seine Ladebrücke an und kippt die Megaladung ab. Gesteinsbrocken, bis zu 5 Tonnen schwer, donnern zu Boden. Es bebt, auch noch in einer Entfernung von hundert Metern. Etwa 7000 Tonnen dieses frostsicheren Quarzsteins aus Giswil müssen herangekarrt werden. Gegen 200 Lastwagenfahrten sind dafür nötig. Die tonnenschweren, teilweise fast mannshohen Brocken sind sozusagen die Hauptbauteile für die vierte Etappe der Steinibach-Sanierung. Seit Februar und noch bis Juli erhält der Steinibach zwischen der Autobahn und dem Schulhaus Grossmatt in Hergiswil ein komplett anderes Gesicht – mit den Steinen in der Hauptrolle sozusagen.

Bach wird vom Korsett befreit

Wo sich früher der Bach durch ein enges Korsett in Form eines künstlichen Kanals zwängen musste, bilden künftig die Steine eine Uferböschung. Auch die Bachsohle aus Beton wird entfernt und durch ein Raubettgerinne mit Blocksteinen von etwa 3 bis 5 Tonnen pro Stein ersetzt. Das Raubett wird mit Kies überschüttet, damit ein natürlicher Charakter entsteht.

Der Unterschied ist augenfällig, wenn man auf der Brücke beim Schulhaus steht: Unterhalb der Brücke fliesst der Bach noch in seinem alten Bett. Oberhalb schlängelt sich das Wasser durch die natürlichen Hindernisse. «So ist auch wieder Leben möglich, etwa für Fische, welche jene Stellen besonders schätzen, wo das Wasser nicht fliesst», erläutert Peter Scheiwiller von der Schubiger AG Bauingenieure, der das Projekt für die Gemeinde Hergiswil leitet.

Riesige Bagger platzieren zurzeit die Steine an ihren richtigen Platz. «Der Steinibach erhält danach wieder sein natürliches Aussehen zurück und wird so zu einem attraktiven Naherholungsgebiet», erläutert Scheiwiller. Das breitere Bachbett hatte auch einen zusätzlichen Landbedarf zur Folge. Die Verhandlungen mit den Grundstückeigentümern seien erfolgreich verlaufen.

Höhere Aufnahmekapazität

Doch einfach um der Renaturierung willen investiert die Gemeinde nicht 2,2 Millionen Franken in die aktuelle Etappe. «Mindestens ebenso wichtig ist der Hochwasserschutz», hält Gemeinderat Renato Durrer fest. «Mit der Neugestaltung und der Verbreiterung des Bachbetts wird das Wasser in seiner Fliessgeschwindigkeit gebremst», ergänzt Peter Scheiwiller. Das Risiko, dass das Wasser aufgrund starker Regenfälle bei einem Gewitter am Pilatus über die Ufer tritt, wird merklich kleiner. Die Wellenbewegungen werden abgeschwächt. Die Aufnahmekapazität erhöht sich um rund 10 bis 20 Prozent. Bereits Ende Mai soll die Hochwassersicherheit verbessert sein.

Mit dieser Ufergestaltung wird der Bach zwar wieder natürlicher, aber nicht in den ursprünglichen Zustand wie vor Jahrhunderten zurückversetzt. «Das ist in einem Siedlungsgebiet nicht möglich», erklärt Scheiwiller mit Blick auf das Schulhaus und die Wohnhäuser, die sich in unmittelbarer Nähe befinden. «Diese naturnahe Gestaltung ist ein Kompromiss. Würden wir den Steini­bach wieder in seinen natürlichen Zustand zurückversetzen, brächte er regelmässig Geschiebe in das heute besiedelte Gebiet.»

Grüner und mit Bachweg

Freuen dürfen sich die Erholung­suchenden auf ein stark begrüntes Ufer – und einen Bachweg, der von der Brücke bis an die Flanke des Pilatus hinaufführt. Nicht aber bis zum See. «Das ist nicht realisierbar wegen der vielen privaten Liegenschaften», begründet Renato Durrer.

Bereits realisiert wurden die Sperren­treppen im Einzugsgebiet des Steini­bachs sowie der Geschiebesammler. Als Letztes soll der Bach auch noch im untersten Abschnitt zwischen Schulhaus und See aus seinem Kanal befreit werden und ein natürliches, breiteres Bachbett erhalten. Über den Zeitpunkt der Realisierung will sich Gemeinderat Renato Durrer nicht auf Äste hinauslassen. «Mit dem Autobahn-Lärmschutz und dem Schulhaus Grossmatt steht Hergiswil vor weiteren grossen Sanierungsprojekten, sodass die Renaturierung des untersten Steinibach-Abschnittes wohl noch warten muss.»

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