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HERGISWIL: Braucht es die «IG Lärm weg» noch?

Ein Bahntunnel im Lopperdorf ist im Moment in weiter Ferne. Die «Interessengemeinschaft Lärm weg» denkt aber noch lange nicht ans Aufgeben. Im Gegenteil.
Interview Kurt Liembd
Maurus Adam, Präsident der «IG Lärm weg». (Bild: Corinne Glanzmann)

Maurus Adam, Präsident der «IG Lärm weg». (Bild: Corinne Glanzmann)

In Hergiswil gibt es in absehbarer Zeit keinen Bahntunnel, wie an einer Infoveranstaltung vergangene Woche zu erfahren war (wir berichteten). So sagte Michael Schürch, CEO der Zentralbahn: «Ein Bahntunnel steht in den Sternen.» Dies, obwohl der Gemeinderat und die Interessengemeinschaft Lärm weg seit Jahren dafür kämpfen und eine Petition mit über 1000 Unterschriften eingereicht hatten. Konkret ist nur: Von 2018 bis 2019 soll zwischen Kantonsgrenze und Bahnhof Matt eine oberirdische Doppelspur für 43 Millionen gebaut werden. Wir sprachen mit alt Landratspräsident Maurus Adam, Präsident der IG Lärm weg.

Maurus Adam, Sie wirken politisch etwas müde. Täuscht der Eindruck?

Der Eindruck mag von der Wahrnehmung her stimmen, denn ich bin politisch nicht mehr aktiv – weder als Landrat noch in einem andern Amt. Das politische Geschehen verfolge ich als Bürger aber immer noch.

Aber Sie sind doch Präsident der IG Lärm weg. Ist das nicht auch politisch?

Doch schon. Es interessiert mich natürlich, was daraus wird, was wir an die Öffentlichkeit gebracht und angerissen haben.

Mal ganz ehrlich: Wie gross ist Ihre Enttäuschung, dass der Bahntunnel in weite Ferne gerückt ist?

Die Enttäuschung hält sich in Grenzen. In meinem Alter weiss man, dass man politisch nicht mit dem Kopf durch die Wand gehen kann. Daher sage ich mir: Machen wir jetzt das Beste draus.

Sind Sie auch vom ehemaligen Baudirektor und Gemeindepräsidenten Hans Wicki enttäuscht?

Auch dies hält sich in Grenzen. Ich verstehe aber sehr gut, dass Bürger über die Regierung enttäuscht sind. Auch ich vermisse in dieser Sache ein Engagement für Hergiswil. Beispiel: Im Anschluss an eine Infoveranstaltung im November 2015 haben wir der Baudirektion einen Brief mit unseren Forderungen geschickt. Dieser Brief wurde nie beantwortet.

Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass Hergiswil je einen Bahntunnel – sei es die lange oder kurze Variante – erhält?

Das ist einfach zu beantworten. Wenn seitens der Öffentlichkeit ein Bedürfnis vorhanden ist für eine Doppelspur, wird der Tunnel kommen. Das könnte sein, wenn zum Beispiel der Fahrplan nach Stans, Engelberg und/oder Sarnen intensiviert werden sollte. Wann dies aber der Fall sein wird, kann ich nicht sagen. Mit der einspurigen Linienführung zwischen Matt und Dorf können wir leben, sofern der Lärmschutz, etwas gegen das Kurvenkreischen, ernsthaft angegangen wird.

Werden Sie gegen das modifizierte Projekt Doppelspur, das jetzt realisiert werden soll, Einsprache erheben?

Aus heutiger Sicht nicht. Sobald wir die Pläne eingesehen haben, werden wir über unser weiteres Vorgehen entscheiden. Sicher ist, dass wir mit der IG keine Einzelinteressen verfolgen und das Projekt als Ganzes im Auge behalten.

Weshalb machen Sie keine Einsprache?

Man weiss ja nicht, ob es uns als IG überhaupt geben würde, wenn das Projekt von Anfang an auf dem heutigen Niveau geplant worden wäre. Zudem hat die Haltestelle Matt nach der unnötigen Schliessung nun eine ganz andere Priorität erhalten. Uns ist es jetzt wichtig, dass dieser Bahnhof möglichst schnell wieder in Betrieb genommen und der Matt-Bus eingestellt wird. Denn wir haben ja erreicht, dass die Bahn nun nicht höhergelegt wird, was wir immer gefordert haben.

Braucht es die IG Lärm weg jetzt überhaupt noch, oder wird diese bald aufgelöst?

Natürlich braucht es uns noch, und zwar unbedingt. Der Lärm in Hergiswil wird ja nicht kleiner, und wir beschäftigen uns ja nicht nur mit der Bahn. Die IG steht übrigens allen interessierten Bürgern und Bürgerinnen offen.

Welche Aufgaben werden Sie mit der IG in Zukunft anpacken?

Sicher werden wir den Doppelspurausbau kritisch begleiten. Im Übrigen gibt es viele Forderungen, die wir bereits in unserem Brief an alt Baudirektor Hans Wicki mitgeteilt haben: Verhandlungen mit den Liegenschaftsbesitzern auf gleicher Augenhöhe, zusätzlicher Lärmschutz, die Kompatibilität zu einem Tunnel kurz muss gewahrt bleiben, und es dürfen keine neuen Entscheidungen getroffen werden, welche eine offene Doppelspur durch Hergiswil präjudizieren. Und nicht zu vergessen ist, dass sich die IG auch Lärmproblemen im Zusammenhang mit der Sanierung der A 2 annimmt.

Wenn Sie Bilanz ziehen: Was hat die IG Lärm weg schon alles erreicht?

Mehr als man denkt! Wie das Projekt heute aufgestellt ist, unterscheidet es sich wie Tag und Nacht gegenüber dem ersten Projekt. Der Kanton Nidwalden hat nun wieder das Sagen. Die Gleise sind gegenüber der «Hochbahn» 1,50 Meter tiefer, und die Probleme mit den Bachquerungen konnten gelöst werden. Dies, obwohl in der Vergangenheit immer behauptet wurde, dass dies nicht möglich sei. Zudem haben wir eine substanzielle Diskussion ermöglicht, wodurch es uns gelungen ist, die Option einer Tunnellösung offenzuhalten.

Bleiben Sie auch weiterhin Präsident der IG, oder hegen Sie Gedanken, das Amt abzugeben?

Sofern es mich braucht, werde ich mich weiterhin für unser Dorf und für mehr Lebensqualität in Hergiswil einsetzen. Aus Überzeugung und aus Liebe zum Lopperdorf.

Welches sind Ihre Wünsche bezüglich der Zentralbahn?

Ich wünsche mir, dass die Diskussionen mit den Eigentümern, welche Land abtreten müssen, mit gleichen Massstäben geführt werden. Auch wünsche ich mir, dass das Problem des Kurvenkreischens bald gelöst werden kann und dass die Projekte Doppelspur und Lärmsanierung A 2 optimal gelingen werden. Und mein grösster Wunsch ist, dass die Option eines Tunnels bis zum Lopper offenbleibt.

Interview Kurt Liembd redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

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