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HERGISWIL: Dem Ruf des Berges wird sie auch in Zukunft folgen

Evelyne Binsacks neues Buch «Grenzgängerin» ist bereits wochenlang auf der Bestsellerliste. Es zeige auch ihre verletzliche Seite, sagt sie. Und spricht von Projekten, bei denen nicht mehr ihre Leistung im Zentrum steht.
Marion Wannemacher
Sucht nach neuen Herausforderungen: Extremsportlerin und Bestsellerautorin Evelyne Binsack. (Bild: PD)

Sucht nach neuen Herausforderungen: Extremsportlerin und Bestsellerautorin Evelyne Binsack. (Bild: PD)

«Nein, ich hätte nicht damit gerechnet, dass das Buch ein solcher Erfolg wird», sagt Evelyne Binsack. Schon wochenlang steht es auf der Hitparade, der Bestsellerliste der Schweiz neben Büchern von Jamie Oliver oder Paulo Coelho. «Grenzgängerin» ist das Buch über die erste Schweizerin, die auf dem Mount Everest war, den Süd- und den Nordpol aus eigener Muskelkraft erreicht hat. Und doch gehe es darin nicht allein um Leistung.

«Es ist ein ehrliches Buch», sagt Binsack. «Ich wollte das Bild, das die Medien von mir zeichnen, verändern. Das Buch ist stark an meiner Persönlichkeit verankert. Ich rede darin übers Scheitern, über meine verletzliche Seite.» Gerade darum habe sie nicht mit dem Erfolg gerechnet.

«Zeit ist reif für die weichen Aspekte»

Nicht dass das, was über sie publiziert werde, grundsätzlich falsch sei, relativiert sie. «Meine Willenskraft, das Zielorientierte, die eher männlichen Aspekte sind sicher ein Teil von mir, aber eben nur ein Teil. Die Medien haben schon gern das Erfolgreiche, das Extrovertierte, das, was knallt und ‹peng› macht, aber eigentlich bin ich das gar nicht.»

Sie räumt ein, es sei wohl schon eine Überlebensstrategie für sie als Selbstständigerwerbende, dass sie mit ihrer extrovertierten Seite, die sie durchaus habe und von der sie überzeugt sei, dass sie zum Ziel führe, nach aussen gehe. «Aber die Zeit ist reif, dass auch die weichen Aspekte Platz haben.» Sicher sei das ein Reifeprozess. Sie habe jedoch schon früh in ihrem Leben bewusst gelebt, betont die heute 50-Jährige. «Noch bevor ich zwanzig war, habe ich mir über den Tellerrand hinaus Gedanken gemacht.» Dankbar ist sie ihrer Verlegerin Gabriella Baumann-von Arx, die auch Bücher von prominenten Persönlichkeiten wie Lotti Latrous herausgegeben hat. Sie brachte sie mit Journalistin und Autorin Doris Büchel zusammen, die ihr im Buchprojekt zur Seite stand. «Wir haben vom ersten Moment an eine schrankenlose Begegnung erlebt», erzählt Binsack über die Zusammenarbeit mit der Autorin. Das sei sehr selten. Die Chemie habe einfach gestimmt. Sie selbst habe das Erlebte geschrieben, «und zwar so viel wie noch nie. Doris Büchel hat es in Sprache, Struktur und Form gebracht.»

Die im Buch beschriebene Expedition zum Nordpol sollte Evelyne Binsack herausfordern. Ein Vorfall, bei dem ein Eisbär sich ihrer Expeditions-Gruppe näherte und aus ihrer Sicht in der Folge unnötigerweise angeschossen wurde, geht ihr heute noch nahe: «Gerade heute bin ich aufgewacht und habe überlegt, wie es dem Eisbären geht. Wenn man in der Arktis bei minus 20, 30 Grad in Spitzbergen allein unterwegs war, weiss man, was es bedeutet, unter solchen Bedingungen überleben zu müssen.» Ihre Analysen nach dem Vorfall mit dem Gouverneur von Spitzbergen, der Polizei und Wissenschaftern hätten Gesetzeslücken im Gebiet des offenen Polarmeers bewusst gemacht.

Der Vorfall trug auch in Binsacks eigenem Leben zu einem folgenreichen Entschluss bei. Sie teilte direkt danach der Öffentlichkeit mit, dass sie künftig keine sportlich motivierten Expeditionen mehr unternehme. Unterdessen wird allerdings berichtet, sie habe angeblich «den Rücktritt revidiert». Dem widerspricht sie. «Ich werde nicht mehr auf eine nur leistungsorientierte Expedition gehen, der Antrieb wird sicher nicht sein, beispielsweise die Schweizer Frau mit den meisten Achttausendern zu sein. Wenn ich auf einen Achttausender gehe, dann steht jemand anders im Vordergrund, vielleicht ein Mönch in Nepal, der sich zum Ziel gesetzt hat, auf die Chomolungma (Tibetisch für Everest) zu steigen.»

Projekt über die Mystik der Berge

Ein konkretes nächstes Ziel habe sie derzeit nicht. Klar ist für die gebürtige Hergiswilerin aber auf jeden Fall, dass sie sicher weiter ins Gebirge steige – auf viele Berge, wie sie betont. «Ich will die Mystik von den Bergen beobachten, das Augenmerk auf die grosse Kraft richten, von der Menschen erzählen.» Der Frage nachgehen, warum es Berge auf der ganzen Welt gebe, die als heilig gelten. «Was ist Fiktion? Was die Kraft? Dass von ihnen Kraft ausgeht, weiss ich aus eigener Erfahrung.» Als Beispiele für solche geheimnisvollen Berge nennt Binsack den Ararat, auf dem der Bibel nach die Arche Noah gestrandet ist, den Berg Sinai oder den nahen Pilatus.

Bevor sie diese Projekte anpacke, müsse sie jedoch noch viel überwinden punkto Planung, Recherche, Finanzierung und Umsetzung auf ganz verschiedenen Ebenen. Es gehe um nicht weniger als das Erbe an die Menschheit, um ein Wiederentdecken alten Wissens: «Ich kann mir gar vorstellen, dafür eine Stiftung zu gründen. Vor 2019 wird das jedoch sicher nichts.»

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@

nidwaldnerzeitung.ch

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