HERGISWIL: Die Weihnachtsgeschichte wird lebendig

Yolanda Reinhards Leidenschaft hat jetzt Saison. Schon über 100 Figuren stehen in ihrer stattlichen Weihnachtskrippe. Doch nicht alle Figuren bekommen Einlass. Es gibt Grenzen.

Matthias Piazza
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Yolanda Reinhard mit ihrer reich bevölkerten Krippe. Bild: Corinne Glanzmann (Hergiswil, 29. November 2016)

Yolanda Reinhard mit ihrer reich bevölkerten Krippe. Bild: Corinne Glanzmann (Hergiswil, 29. November 2016)

Die Nische in der Wand der geräumigen Stube ist ganz der Krippe gewidmet. Und was für einer: Über rund zwei Metern Länge und einem Meter Breite erstreckt sich die Landschaft – bevölkert von über 100 Krippenfiguren. Nicht nur Hirten und Könige, sondern eine ganze Dorfbevölkerung inklusive Bürgermeister sind vertreten. Darunter sind auch berühmte Persönlichkeiten wie Vincent van Gogh, Paul Cézanne oder die französischen Dichter Alphonse Daudet und Frédéric Mistral.

Und an jeder Weihnacht gesellen sich mehr Figuren dazu. «Eigentlich müsste man die Figuren nach einer bestimmten Ordnung platzieren, doch ich gewähre hier künstlerische Freiheiten», meint Yolanda Reinhard lachend. Die Krippe ist zur Attraktion der ganzen Verwandtschaft geworden. «Die Kinder lachen jeweils, wenn ich sie schon im November anfrage, ob sie Weihnachten mit uns feiern möchten. Dabei weiss ich jeweils genau, dass alle wieder zu uns kommen – mit den Kindern und den Enkeln über 20 Personen. Die Krippenfiguren üben eine ungeahnte Faszination auf die Kinder aus.» Wohl nicht zuletzt deshalb, weil diese ein Generationenwerk ist. «Viele Familienmitglieder halfen mir beim Bau mit, vor allem mein zehnjähriger Enkel Gian.»

Angefangen hat das Abenteuer Krippe aber lange vor seiner Geburt. «Vor fünfzig Jahren entdeckte ich in unseren Ferien in der Provence Krippenfiguren, die in dieser Region Frankreichs sehr populär sind und das ganze Jahr über als Souvenirs verkauft werden», erinnert sich Yolanda Reinhard (76). Ihr Interesse für die handgefertigten Figürchen war geweckt, der Samen für die Krippe gelegt.

Nach jedem Provence-Aufenthalt wuchs ihre Sammlung. «Mit der Zeit wusste man, wo man überall signierte Figuren kaufen konnte.» Das Sammelfieber erfasste mit der Zeit auch ihre Kinder und Enkel. Sie brachten auf ihren Ferienreisen Krippenfiguren aus aller Herren Ländern mit – so etwa Mexiko, Italien und Ägypten.

Weihnachten als wichtige Tradition

Weihnachten habe schon in ihrer Kindheit immer eine grosse Bedeutung gehabt. «Wir haben zu Hause immer ein Krippenspiel aufgeführt, Samichlaus, Christkind und die übrigen Bräuche zur Weihnachtszeit nahmen einen hohen Stellenwert ein», erinnert sie sich zurück. «Diese Traditionen finde ich wichtig als Teil unserer Kultur und unserer Identität, und die will ich unseren Kindern und Enkeln weitergeben.»

Mit dem Krippenhandwerk versuche sie so einen Kontrapunkt zu setzen zu einer Weihnacht, welche immer mehr aufs Kommerzielle reduziert werde.

Als ehemalige Präsidentin der schweizerischen Vereinigung der Krippenfreunde organisierte sie auch Reisen in Krippenhochburgen wie Polen, Tirol, Südtirol, Oberbayern, Niederbayern, Augsburg, Bamberg. Dabei gilt auch hier: andere Länder – andere Krippen und Bräuche. «In Polen oder Süditalien etwa werden auch berühmte Persönlichkeiten der aktuellen Zeitgeschichte als Krippenfiguren dargestellt. In Katalonien gibt es etwa Trump und Clinton als Krippenfigur, wie zu lesen war.» Hier zieht Yolanda Reinhard aber ihre Grenze. «Moderne Figuren kommen nicht in Frage.»

Eine weitere von ihr selbst gebaute Krippe ist mittlerweile in der Weihnachtskrippen-Sammlung von Adolf Würth in Schwäbisch Hall beheimatet. Der Erlös ging an die Renovation der Kapelle in Grafenort. Von der Provence-Krippe will sie sich aber auf keinen Fall trennen. Seit 50 Jahren gehört sie zu Reinhards Weihnachtszeit. Nur schon das Abräumen der Krippe Ende Januar falle jeweils nicht nur ihr, sondern auch ihrem Mann etwas schwer. Umso grösser sei dann die Vorfreude auf den nächsten Advent.

Auch für die Öffentlichkeit zugänglich

Auch ihr Bekanntenkreis sei vom Kunstwerk fasziniert und würde jedes Jahr vorbeikommen, um die Veränderungen zu beobachten. Das habe sie auf die Idee gebraucht, ihre Türen dieses Jahr auch für die Öffentlichkeit zu öffnen. «Wer Interesse hat, vorbeizukommen, darf sich bei mir melden.» Zeit hat man bis zu Mariä Lichtmess am 2. Februar. Dann verschwindet die Krippe wieder für elf Monate im Estrich.

Hinweis

Interessierte Krippenbesucher können sich bei Yolanda Reinhard melden, Telefon 041 630 25 25.

Matthias Piazza
matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch