HERGISWIL: Glasi errichtet 20 Meter hohen Turm

Mit einer Sonderbriefmarke der Post feiert die Glasi nächstes Jahr ihr 200-jähriges Bestehen. Der Höhepunkt des Jubiläumsjahrs findet an Ostern statt: Ein Turm wird eingeweiht, der dem Unternehmen neue Türen öffnen soll.

Christoph Riebli
Drucken
Teilen
Der gläserne Turm – 20 Meter hoch, direkt am See – soll eine ganz neue Facette der Glasproduktion demonstrieren. Visualisierung: PD

Der gläserne Turm – 20 Meter hoch, direkt am See – soll eine ganz neue Facette der Glasproduktion demonstrieren. Visualisierung: PD

Christoph Riebli

christoph.riebli@nidwaldnerzeitung.ch

Seit 1817 besteht die Glasi mit ihrem heute in der Schweiz einzigartigen Handwerk. Kein Wunder dreht sich zum 200-Jahr-Jubiläum alles um den durchsichtigen Werkstoff. Die Philatelieabteilung der Post gibt anfangs März gar eine eigens dafür kreierte 1-Franken-Briefmarke heraus.

Doch noch weit mehr ist geplant: «Wir giessen 700 Glasplatten von Hand und bauen daraus einen 20 Meter hohen Turm», sagt Robert Niederer, der 1988 die Glasi von seinem Vater übernahm und aktuell rund 100 Leute beschäftigt.

«Keine ganz einfache Geschichte

Wieso nicht gleich einen 200-Meter-Turm – für jedes Jahr einen Meter? «Er ist 200 Dezimeter hoch, wenn man so will», kontert Niederer und lacht. «Es ist auch keine so ganz einfache Geschichte.» Die gesamte Konstruktion wiege 7 Tonnen und müsse Wind und Wetter standhalten. Vor rund neun Monate habe man deswegen noch mit 16 Metern geplant. «Mindestens 20 muss er schon sein», habe er sich aber gesagt, so Niederer. Und so hoch soll er bis nach Ostern 2017 auch anwachsen. Kostenpunkt: rund 700000 Franken. Eingeweiht wird der Jubiläumsturm dann mit einem grossen Fest für Dorf, Kunden und Mitarbeiter.

Zu stehen kommt der Turm direkt unterhalb der Glasi am Ufer des Vierwaldstättersees – ein monumentales Denkmal für die vielen Menschen, die im Laufe der Zeit im Betrieb gearbeitet haben, erklärt Robert Niederer. Im begehbaren Sockel – «auf den Turm steigen kann man nicht» – sind Kaleidoskope eingelassen: «Mit diesen kann man über den See und auch ein wenig in die Vergangenheit blicken.» Der See sei lange ein wichtiger Transportweg für Energie und Waren gewesen. Zudem sehe man auch in Richtung Horw und Küssnacht, wo seinerzeit weitere Glashütten gestanden seien.

Ganzes Projekt ist «made in Hergiswil»

Mit Blick nach vorn meint der Unternehmer: «Mit dem Projekt wollen wir natürlich auch zeigen, dass wir ganze Fassaden aus handgemachtem Glas herstellen können. Das ist aussergewöhnlich, so etwas haben wir noch nie zuvor gemacht.» Erst kürzlich habe Chanel in Amsterdam einen Laden mit handgemachten Glasbausteinen in der Fassade eröffnet. «So etwas könnten wir auch. Vielleicht ergibt sich ja mal etwas aus dieser Geschichte.» Nach Weihnachten läuft die Produktion der 700 Glasplatten an, die dann an einen Metallunterbau geklebt werden. Gleichzeitig gilt es, den Baugrund zu pfählen: «Das ganze Projekt ist ‹made in Hergiswil›, vom Glas über den Metallbau bis zum Unternehmen, das die Pfähle in den Boden rammt», sagt Niederer stolz. Das Glas werde aus Quarzsand, Kalk, Soda und weiteren Mineralien in einem 16-Tonnen-Ofen bei 1500 Grad hergestellt. Dieser läuft rund um die Uhr und hat eine Lebensdauer von sechs bis sieben Jahre. Das Nebeneinander von regulärer Glasproduktion und dem Giessen der Turmplatten sei so gesehen «überhaupt kein Problem». Für die jährlich rund 100 000 Gäste, die etwa auch das Glasmuseum, das Glas-Labyrinth und die Ausstellungen besuchen, entsteht so bald eine weitere Attraktion.