HERGISWIL: Glasi-Handwerk ziert nun auch Briefe

Die Post widmet dem 200. Geburtstag der Hergiswiler Glasi eine Sonderbriefmarke. Das Sujet hat einen ganz besonderen Bezug zur Glasi-Familie. Und stösst auf Begeisterung.

Matthias Piazza
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Stolz präsentiert Robert Niederer am Ufer des Vierwaldstättersees die Sonderbriefmarke. (Bild: Corinne Glanzmann (Hergiswil, 3. März 2017))

Stolz präsentiert Robert Niederer am Ufer des Vierwaldstättersees die Sonderbriefmarke. (Bild: Corinne Glanzmann (Hergiswil, 3. März 2017))

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Nicht alle Unternehmen werden 200 Jahre alt. Die Glasi in Hergiswil feiert dieses Jahr einen solch hohen Geburtstag – und zwar entsprechend gebührend. Am 13. Mai wird auf dem Gelände am Vierwaldstättersee ein 20 Meter hoher Turm aus Glas mit einem offiziellen Jubiläumsanlass eröffnet.

Bereits am Freitag wurde ein etwas kleineres, aber nicht weniger symbolträchtiges Geburtstagsgeschenk enthüllt: eine Briefmarke im Wert von einem Franken. «Es ist schon eine grosse Ehre, eine Sonderbriefmarke gewidmet zu bekommen», erläuterte Unternehmensleiter Robert Niederer vor zahlreichen Gästen, Philatelisten, Behördenvertretern und vielen Hergiswilern.

Auf einem übergrossen Druck bestaunte das Publikum das Werk der beiden Künstler Simon Hauser und David Schwarz von Hauser, Schwarz GmbH, Basel: Eine mit einem Handschuh geschützte Hand bearbeitet mit einer Zange das formbare Glas. Die für das Handwerk wichtigen Glasbläserpfeifen ragen von oben und von unten in das Bildformat hinein. Im Hintergrund sind Vierwaldstättersee und Pilatus angedeutet. Der auf der Briefmarke abgebildete Anna-Kelch wurde von Robert Niederers Vater 1965 entworfen – als Schnaps-, Weisswein-, Rotwein- und als Wasserglas. Benannt hat er es nach dem Namen seiner kalabresischen Mutter Anna. «Man sieht das Feuer auf der Briefmarke, das finde ich toll», lobte der passionierte Briefmarkensammler Marcel Waespi (62) aus dem zürcherischen Hegnau. Die Marke sei der Beweis, dass es gar nicht immer Personen als Sujet braucht.

«Briefmarken sind Kulturgut, ein Stück Schweiz»

Roman Heini, Leiter Briefmarken und Philatelie der Schweizerischen Post, sprach von einer besonderen Ehre, diese Sonderbriefmarke Glashandwerk offiziell zu übergeben. «Briefmarken sind Kulturgut, Zeugen der Zeit und ein Stück Schweiz, klein im Format, jedoch umso grösser in ihrer Wirkung und Bedeutung.» Die Briefmarkenthemen drehten sich um Jubiläen, Neuheiten, Traditionen, Kultur, Natur und Persönlichkeiten, die Schweizer Geschichte geschrieben hätten. «Unsere Briefmarken werden im nächsten Jahr übrigens ihr 175-Jahr-Jubiläum feiern dürfen.» Vor diesem Hintergrund sei es ihm nun eine besondere Freude, mit dieser Briefmarke ein Handwerk von Tradition zu würdigen, welches mit seinem 200-jährigen Bestehen sogar noch 26 Jahre älter sei als die Briefmarken. «Die Glashütte Hergiswil ist die einzig verbleibende Glashütte der Schweiz, in der Glas noch von Hand und Mund verarbeitet wird», hob er hervor. «Und genau dieses Handwerk sollte bei der Briefmarke im Vordergrund stehen, eine Aufgabe, welche die Gestalter ebenso wie die Vereinigung von Schlichtheit, Moderne und Wirkung auf kleinster Fläche zu meistern hatten.» Die Post übernahm übrigens sämtliche Kosten.

Viele Gedanken habe man sich zum Jubiläum gemacht und Ideen zusammengetragen. Geblieben seien der Turm und die Marke als Höhepunkte, meinte Niederer. Er hat die Glashütte 1988 übrigens von seinem Vater Roberto Niederer (1928–1988) übernommen, welcher sie 1975 vor der Schliessung gerettet hatte. «Für viele Generationen, Familien und Menschen war und ist die Glasi nicht nur ein wichtiger Arbeitgeber, sondern auch ein Zuhause, wofür man sich mit Herz und Seele, oft auch auf Kosten der Gesundheit, engagiert hat. All diesen Menschen widme ich den gläsernen Turm und unsere tolle Briefmarke», führte Robert Niederer weiter aus.