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HERGISWIL: Hergiswiler Immobilienkaufmann wird im TV vorgeführt

Nachdem er von der Schweiz in den Kosovo ausgeliefert wurde, sitzt ein Nidwaldner Geschäftsmann im Kosovo in Haft. Dort wurde sein Fall nun in einem Fernsehbeitrag detailreich aufgerollt. Dem Mann wird ein Auftragsmord vorgeworfen.
Am Regierungsgebäude in der Hauptstadt hängt zum Jubiläum der Unabhängigkeit eine riesige kosovarische Fahne. (Bild: Visar Kryeziu/AP)

Am Regierungsgebäude in der Hauptstadt hängt zum Jubiläum der Unabhängigkeit eine riesige kosovarische Fahne. (Bild: Visar Kryeziu/AP)

Langsam schwenkt die Kamera über den Ausschnitt eines Reisepasses. Ohne Rücksicht auf irgendwelchen Persönlichkeitsschutz sind der Name des Besitzers zu erkennen sowie dessen Geburtsdatum. Und das im Reisedokument eingearbeitete Foto, welches das Gesicht des Ausweisinhabers zeigt, wird dem Zuschauer auch nicht vorenthalten.

Beim auf diese Art und Weise öffentlich Vorgeführten handelt es sich um jenen Mann, der im vergangenen März nach rund neunmonatiger Auslieferungshaft von der Schweiz in den Kosovo ausgeliefert wurde. Die Behörden des Balkanstaates gelangten an die offizielle Schweiz, weil die kosovarische Justiz davon überzeugt ist, der in Hergiswil domizilierte Immobilienkaufmann sei in einen Auftragsmord verwickelt (wir berichteten).

Opfer: Angeblich ein Mann aus der Verwandtschaft

Der Filmbeitrag, der im Kosovo jüngst via TV ausgestrahlt wurde, dauert knapp neuneinhalb Minuten. Dem Beitrag fehlt es nicht an einer gewissen Dramatik. Gedreht wurden Nachtszenen, in denen Polizeifahrzeuge zu sehen sind und das blaue Licht ihrer Alarmanlagen besonders wirkungsvoll mit der Dunkelheit kontrastiert. Zu sehen sind auch Forensiker in weissen Schutzanzügen, ein dunkelfarbenes Auto, das irgendwo in der Landschaft steht und in dem das Opfer angeblich vom Todesschützen umgebracht wurde.

Immer wieder werden Sequenzen eingeblendet, die Personen zeigen, welche sich zum Fall äussern. Meist sprechen diese Menschen offen in die Kamera. Es finden sich aber auch Ausschnitte, die nur Beine und Oberkörper der Interviewten zeigen.

Die «Zentralschweiz am Sonntag» liess die Reportage von einem Albanisch sprechenden Mann übersetzen, der seit Jahrzehnten im Kanton Luzern lebt. Demnach geht die Geschichte im Gegensatz zum offiziellen Schweizer Auslieferungsentscheid – demnach soll sich die Tat im Zusammenhang eines Drogendeals abgespielt haben – so: Dem Hergiswiler Immobilienkaufmann wird im Filmbeitrag vorgeworfen, dass er einen Mann aus der erweiterten Verwandtschaft habe umbringen lassen. Angefangen hat demnach alles ganz harmlos. Der in Nidwalden lebende Exil-Kosovare lieh dem Verwandten, der im Raum Gjakova lebte, ein paar tausend Euro. Das Geld soll für einen Landkauf bestimmt gewesen sein.

Wie bei Leihgeschäften üblich, kommt der Tag, an dem das Geld zurückbezahlt werden muss. Dieser Termin wurde offenbar nicht eingehalten. Danach soll es zu einer Auseinandersetzung zwischen Gläubiger und Schuldner gekommen sein. Dabei hat Letzterer offenbar den Schweiz-Kosovaren geschlagen. Das sei der Auslöser für den Auftragsmord gewesen, wird im Filmbeitrag kolportiert.

Eine Gefängnisstrafe von 17 Jahren?

Falls ein Gericht dereinst zum Schluss kommen sollte, der Hergiswiler Unternehmer sei tatsächlich ein Auftragsmörder, droht ihm eine jahrelange Gefängnisstrafe. Die Rede ist von 17 Jahren.

Noch ist es nicht so weit. Um seine Auslieferung in den Kosovo zu verhindern, beauftragte der Nidwaldner Geschäftsmann bereits vor Monaten den Zürcher Strafverteidiger Valentin Landmann. Dieser kann bis heute nicht nachvollziehen, weshalb die Schweiz seinen Mandanten in den Kosovo auslieferte. Denn im Auslieferungsbegehren seien sowohl Tatzeitraum als auch der Tatort zu ungenau geschildert.

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

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