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HERGISWIL: «Könnte nie hier alt werden»

Weshalb Elisabeth Zumstein nach der Pensionierung nach Winterthur zieht. Das verrät sie im Gespräch – und auch ihren grossen Traum.
Kurt Liembd
Elisabeth Zumstein an ihrem Lieblingssee: Sie war jahrelang auch im Vorstand des Landschaftsschutzverbandes Vierwaldstättersee. (Bild Corinne Glanzmann)

Elisabeth Zumstein an ihrem Lieblingssee: Sie war jahrelang auch im Vorstand des Landschaftsschutzverbandes Vierwaldstättersee. (Bild Corinne Glanzmann)

«Ich könnte nie hier in Hergiswil alt werden», sagt Elisabeth Zumstein (66). Wie bitte? Da muss man zweimal hinhören. Meint sie das im Ernst? Sie, die Mutter des Dorfadvents, die während 14 Jahren den Tourismusverein Hergiswil präsidierte, im Kantonsgericht amtet, im Vorstand des Schutzverbandes Vierwaldstättersee sass und mit Land und Volk von Hergiswil und Nidwalden eng verbunden ist. Doch hoppla, sie meint es wirklich ernst. Im Gespräch mit Elisabeth Zumstein wird aber schnell klar, weshalb sie in die Eulachstadt, wie Winterthur auch genannt wird, ziehen möchte. Denn in «Winti», wie sie ihre Heimat- und Geburtsstadt liebevoll nennt, ist ihr Herz zu Hause. Hier ist sie aufgewachsen, im «Schäfli», als Kind einer Wirtefamilie. Das Gespräch über die Gründe ihres Wegzuges wird fast zur Lehrstunde über die Vorzüge der Eulachstadt. Nichts da von den gängigen Klischees einer staubigen Industriestadt und Quasi-Vorort von Zürich. «In Winterthur ist die Lebensqualität extrem hoch», sagt Zumstein. In der Tat: Es gibt 7 Pärke, 17 Museen, ausgedehnte Naherholungsgebiete und ein Kulturangebot, das seinesgleichen sucht. Als ehemalige Wiege der Schweizer Maschinenindustrie verstand es die Stadt, die leer stehenden Fabrik- und Industriegebäude mit neuem Leben zu füllen. Diese stehen heute für das Kreative und für Kulturschaffende zur Verfügung und ebenso als trendiger Wohnraum.

27 glückliche Jahre in Hergiswil

Ende März 2014 ist es so weit. Dann wird sie Hergiswil verlassen und nach «Winti» ziehen, wo ihre Geschwister und ihre über 90-jährige Mutter wohnen. Schon vor längerer Zeit hat sie in Winterthur-Wülflingen eine Eigentumswohnung erworben. «Zentral gelegen – und trotzdem an sehr ruhiger Lage mit ÖV vor der Haustüre», schwärmt sie. «Ich kann dort problemlos ohne Auto leben, denn Winterthur ist eine Velostadt.» Aber natürlich wird sie Hergiswil und Nidwalden schon auch vermissen. «Vor allem Freunde und Bekannte, die ich in der Innerschweiz gefunden habe». Auch kulturell und gesellschaftlich habe ihr das Lopperdorf sehr viel geboten. «Ich erlebte in Hergiswil während 27 Jahren eine sehr schöne, spannende und interessante Zeit, die mir zeitlebens in bester Erinnerung bleiben wird.» Doch sie findet auch kritische Töne für Hergiswil: «Zu viel Lärm, zu wenig Spazierwege, zu wenig öffentliche Seeuferzonen und ein unnötiger Kirchenstreit». Als Reformierte habe sie die ökumenischen Gottesdienste immer genossen, jetzt soll das alles plötzlich nichts mehr sein, sagt sie mit Wehmut.

Hoteldirektorin und Personalchefin

Ganz viele Hergiswiler und Hergiswilerinnen werden sie vermissen, denn sie bewegt sich in vielen Kreisen. Als Hotelfachfrau, frühere Hoteldirektorin, Personalchefin und seit 1993 als externe Personalchefin und Buchhalterin von über 20 Kleinbetrieben hat sie tiefen Einblick in die Wirtschaft und auch in die Menschen.

Das kam ihr als Laienrichterin am Kantonsgericht Nidwalden zugute. Ihre Unabhängigkeit, Lebenserfahrung, Menschenkenntnis und ihre Verschwiegenheit waren ideale Voraussetzungen, als sie 2007 ins Kantonsgericht gewählt wurde. Wenn sie heute Bilanz als Richterin zieht, fällt diese positiv aus, auch wenn die Aufgabe nicht immer einfach war. «Ich habe in diesem Amt sehr viel gelernt, die Aufgabe hat mir die Augen geöffnet für Recht und Gerechtigkeit.» Auch wenn sie zugeben muss, dass es auch schon Fälle gab, bei denen sie innerlich gespalten war zwischen Herz und Gesetz.

«Wünsche mir einen Hund»

Und worauf freut sie sich am meisten nach der Pensionierung? «Keine Termine mehr zu haben», sagt sie ohne zu überlegen. Doch sie freut sich auch auf handfeste Sachen. «Wandern ist mein Lieblingshobby, am liebsten mit dem Rucksack aufs Gratwohl hin der Töss entlang bis zum Rheinfall», freut sich Elisabeth Zumstein. Zudem plant sie ein Engagement im Sozialbereich.

Konkrete Aufgaben sind aber noch nicht spruchreif. «Denn ich möchte der Gesellschaft auch etwas zurückgeben», sagt sie über ihre Motivation. Und dann hat sie noch zwei ganz persönliche Wünsche, die sie sich erfüllen möchte. «Ich habe mir schon immer einen Hund gewünscht, aber bis heute keine Zeit gehabt», verrät sie. «Aber nicht einen Rassehund aus Prestigegründen, sondern einen ganz gewöhnlichen aus dem Tierheim.» Doch bevor es so weit ist, will sie sich noch einen lange gehegten Traum erfüllen: eine Schiffsreise zu den Spitzbergen via Schottland, Island und Grönland.

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