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HERGISWIL / ORLANDO: Mutmasslichem Kinderschänder aus Nidwalden droht lebenslange Haft

Ein in Nidwalden wohnhafter Deutscher plante, ein 13-jähriges Mädchen in den USA sexuell zu misshandeln – er wurde verhaftet. Der Mann hatte bis vor kurzem einen guten Posten in einer Luzerner Pharmaziefirma.
Auch in Nidwalden läuft gegen den Mann eine Untersuchung. (Symbolbild Corinne Glanzmann (Stans, 3. September 2014))

Auch in Nidwalden läuft gegen den Mann eine Untersuchung. (Symbolbild Corinne Glanzmann (Stans, 3. September 2014))

Thomas Heer und Urs-Ueli Schorno
zentralschweiz@luzernerzeitung.ch

Ein Mann aus Hergiswil (NW) mit deutscher Staatsbürgerschaft wollte vor wenigen Wochen nach Florida in die USA einreisen, um ein 13-jähriges Mädchen sexuell zu missbrauchen und zu misshandeln. Doch der schreckliche Plan des 55-Jährigen ging nicht auf: Der Mann wurde bei seiner Einreise am Flughafen in Orlando festgenommen, wie die zuständige Polizei in Orlando (Florida) amerikanischen Medien gegenüber bestätigt. Der Mann sei im Zuge einer koordinierten Fahndung der nationalen Sicherheitsbehörde Homeland Security, den Einwanderungsbehörden und der lokalen Polizei gefasst worden.

So soll es sich zugetragen haben: Der Mann habe in Europa ein Mädchen «gebucht» und dabei mit dem Vater Kontakt aufgenommen, der vermeintlich seine Tochter im Darknet, einem geschützten Teil des Internets (siehe Kasten), feilbot. Was er nicht wusste: Der vermeintliche Vater war ein verdeckter Ermittler aus den USA. Kaum in Orlando angekommen wurde der Mann festgenommen. Er habe in seinem Koffer Klemmen, Seile, Klebeband und weitere Utensilien mitgeführt, mit denen er dem Mädchen Schmerzen zufügen wollte. Laut Angaben der US-Polizei ist der Mann geständig. Ihm werden versuchte sexuelle Handlungen mit einer Minderjährigen vorgeworfen, die versuchte Einreise wegen illegaler sexueller Handlungen sowie die Einfuhr von Kinderpornografie.

Was ist das Darknet?

Das Darknet ist technisch gesehen ein komplett verschlüsselter Bereich des Internets, bei dem Compter nur manuell miteinander verbunden werden können. Suchmaschinen wie Google erfassen diesen nicht automatisch. Das gewaltige Paralleluniversum Darknet wird gerade wegen seiner Unauffälligkeit auch gerne für illegale Zwecke missbraucht. Entstanden ist das Darknet seitdem Strafverfolger weltweit Tauschbörsen unter die Lupe nehmen und die rührigsten Teilnehmer juristisch verfolgen. (uus)

Falls er in den USA in allen Delikten verurteilt würde, droht ihm laut dem zuständigen Sheriff Wayne Ivey eine lebenslange Haft. Der Polizist hatte den Fall auf der Facebook-Seite des lokalen Polizeibüros publikgemacht: «Ich meinte alles gesehen und erlebt zu haben. Dieser Fall jedoch übertrifft alles», schreibt der erfahrene Ordnungshüter, der seit 38 Jahren im Dienst ist. Vor welchem Gericht der mutmassliche Kinderschänder sich zu verantworten hat, ist noch unklar.

Auch in Nidwalden ist der Mann angeklagt

Auch im Kanton Nidwalden läuft gegen den Mann eine Untersuchung wegen verbotener Pornografie, wie die Staatsanwaltschaft Nidwalden bestätigt. Ein Rechtshilfegesuch aus den USA sei in Nidwalden bislang nicht eingegangen. Die Staatsanwaltschaft dürfte aber durchaus Interesse daran haben, den Mann selbst verhören zu können. Es ist üblich, dass in der Schweiz jemandem erst der Prozess gemacht wird, nachdem man ihn einvernehmen konnte, bestätigt auch ein Anwalt, der ungenannt bleiben will. Ebenso würden sich die Ermittler in der Schweiz kaum ausschliesslich auf Informationen ausländischer Polizeikräfte stützen, ohne diese zuvor überprüft zu haben. Die USA müssten den Beschuldigten jedoch wohl nicht ausliefern, wenn er auch in den Vereinigten Staaten schwerwiegende Straftaten begangen hat. Dieses Prozedere ist auch im Auslieferungsvertrag zwischen der Schweiz und den USA festgehalten.

Fest steht: Der 55-Jährige mutmassliche Kinderschänder ist Doktor der Pharmazie und arbeitete bis vor wenigen Wochen für die Firma Werthenstein Bio Pharma in Schachen. Er bekleidete dort den Rang eines Prokuristen. Gemäss Handelsregister ist der Mann seiner Funktion enthoben worden. Die Sprecherin der Firma, Angelika März, sagt: «Wir wissen, dass ein Mitarbeiter von uns in den USA verhaftet wurde. Als Firma tolerieren wir illegales oder unethisches Verhalten in keiner Art und Weise.»

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