HERGISWIL: Reformierte wollen echte Ökumene

Die reformierten Gläubigen sind unzufrieden, weil die Katholiken keine Hand zur Ökumene bieten. Am Sonntag zeigten sie klipp und klar, was sie erwarten.

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Die Reformierte Kirchenpflege Hergiswil tagte (von links): Marell Kuoni, Stephan Zimmerli, Präsident Fredi Haller, Pfarrer Ulrich Winkler und Niels Fischer. (Bild: Kurt Liembd)

Die Reformierte Kirchenpflege Hergiswil tagte (von links): Marell Kuoni, Stephan Zimmerli, Präsident Fredi Haller, Pfarrer Ulrich Winkler und Niels Fischer. (Bild: Kurt Liembd)

«Jedes Wort auf dieser Erde soll ein Wort zum Frieden sein. Jeder Mensch auf dieser Erde soll ein Friedensstifter sein.» Mit diesem Lied von Johann Sebastian Bach wurde der gestrige Gottesdienst in der reformierten Kirche Hergiswil feierlich eröffnet. Was es mit diesem frommen Text auf sich hat, zeigte sich in der anschliessenden Kirchenkreisversammlung. Fast zwei Stunden diskutierten die Reformierten darüber, wie es mit den ökumenischen Gottesdiensten weitergehen soll, die vor einigen Wochen eingestellt wurden.

Volk hat keine Probleme

«Ich wollte mit dem katholischen Kirchenrat reden, aber es geht nicht», sagte eingangs Pfarrer Ulrich Winkler. Auch der Generalvikar Martin Kopp lehne ein offenes Gespräch ab, obwohl dieser in kirchlichen Angelegenheiten als liberal gelte. Nicht mal das Pastoralteam der katholischen Kirche sei bereit und gewillt, über das Thema Ökumene zu reden. Zudem sagte Winkler, dass es nicht stimme, was im katholischen Pfarrblatt geschrieben worden sei. Denn nicht die Reformierten hätten ein Problem mit den ökumenischen Gottesdiensten, sondern die katholische Kirche. Mehrere Votanten vertraten die Ansicht, dass das Problem beim neuen Priester Pater Eugen Yurchenko liege. Doch die Flinte ins Korn werfen wollen die Reformierten auf keinen Fall. «Wir müssen dem neuen Priester eine Chance geben», sagte Kirchenpräsident Fredy Haller. «Es herrschen einfach unterschiedliche Vorstellungen von Ökumene», so Haller. Das katholische Kirchenvolk stehe jedenfalls hinter den ökumenischen Gottesdiensten, wie sie in Hergiswil seit über 20 Jahren stattfänden. Kirchenrat Stephan Zimmerli ergänzte: «Wir wollen gemeinsame Gottesdienste und keine katholischen Messen, bei denen wir einfach als eine Art Sekte hinten hineinsitzen dürfen.» Und Kantonsrichterin Elisabeth Zumstein sagte: «Ich war immer riesig stolz, wie die Ökumene bisher in Hergiswil lief, und bin nun sehr traurig, weil ich mich von den Katholiken ausgeschlossen fühle.»

Aus der Diskussion war deutlich spürbar, dass es den Reformierten sehr wichtig ist, mit den Katholiken einen gangbaren Weg zu finden. Deshalb wurden Bedingungen geschaffen (siehe Kasten), unter denen die Reformierten weiterhin Hand bieten können für ökumenische Gottesdienste. Unterstützt werden sie dabei auch von Wolfgang Gaede, dem Präsidenten des Evangelisch-reformierten Kirchenrates Nidwalden, welcher persönlich anwesend war.

Ehemaliger Pfarrer bekennt Farbe

Vorbehaltlose Unterstützung finden die Reformierten auch bei Freddy Nietlispach, der während zehn Jahren die katholische Pfarrei leitete. In seinem Papier nimmt der pensionierte Pfarrer ausführlich Stellung zum Hergiswiler Kirchenstreit. «Mir scheint es traurig, ja gar kindisch, wenn wir Christen aufeinander losgehen.» Dabei beruft sich Nietlispach auf das Zweite Vatikanische Konzil. Sein Credo: «Liebe deine getrennten, christlichen Brüder und auch die nicht christlichen Menschen wie dich selbst. Schliess sie nirgends aus, stell sie nicht an den Rand.» Denn «Ökumene ist ein Grundauftrag Jesu an seine Kirche», so Nietlispach.

Das fordern die Reformierten

Der reformierte Kirchenkreis Hergiswil hat gestern basisdemokratisch zum Thema «Ökumenische Gottesdienste» folgende Beschlüsse verabschiedet:

  • Ökumenische Gottesdienste werden von den Pfarrpersonen beider Konfessionen gemeinsam geleitet.
  • Wesentliche Elemente der Gottesdienste werden gemeinsam gestaltet oder unter den Pfarrpersonen aufgeteilt.
  • Findet eine Abendmahlfeier statt, ist das Abendmahl zum Zeichen der Gemeinschaft der Gläubigen durch beide Pfarrpersonen auszuteilen.

Versöhnende Gemeinschaft

Der Beschluss wird wie folgt begründet: «Im Abendmahl stiftet Jesus Christus befreiende und versöhnende Gemeinschaft. Unterschiedliche theologische Auffassungen heben die von Christus gestiftete Gemeinschaft nicht auf.»

Ergänzend heisst es im Beschluss, dass sich die reformierte Kirche auf eine Weiterentwicklung des Miteinanders einsetzen will. Die Beschlüsse beziehen sich nur auf die ökumenischen Gottesdienste. Der interkonfessionelle Religionsunterricht und ökumenische Events sind davon nicht betroffen.