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HERGISWIL: Sein Gleitschirm fliegt ihn zum Rekord

Mit dem Gleitschirm flog Philipp Steinger von Zermatt bis nach Flims und wieder zurück – fast 300 Kilometer. In dieser Disziplin bedeutet das Weltrekord.
Philipp Steinger, hier im Gebiet Grimselpass, war mit seinem Gleitschirm zehn Stunden in der Luft. (Bild: PD)

Philipp Steinger, hier im Gebiet Grimselpass, war mit seinem Gleitschirm zehn Stunden in der Luft. (Bild: PD)

Matthias Piazza

Jetzt ist es offiziell: Der neue Weltrekordhalter in der Gleitschirmkategorie «Free Out and Return» kommt aus Hergiswil. Soeben hat der internationale Luftsportverband, die «Fédération Aéronautique Internationale» (FAI), den Gleitschirmflug des 36-jährigen Hergiswilers vom vergangenen August als Weltrekord anerkannt. Er führte ihn von Zermatt nach Flims und wieder zurück. Für die 292,8 Kilometer war Steinger zehn Stunden unterwegs.

Der Rettungssanitäter, der beim Kantonsspital Nidwalden arbeitet, ahnte schon frühmorgens, dass der 6. August 2015 der Tag sein könnte, an dem sein Traum eines 300-Kilometer-Flugs in der Schweiz in Erfüllung gehen könnte. Er war sich der idealen Bedingungen so sicher, dass er deswegen sogar den letzten Lauf der Schweizer Meisterschaften sausen liess. Und er bekam recht: Um 10 Uhr startete er auf dem Unterrothorn bei Zermatt. Trotz Gegenwind kämpfte er sich dann bis über den Cassons-Grat bei Flims.

Um fast drei Kilometer überboten

Auf seinem «Tacho» hatte der Steinger eine Distanz von 305,95 Kilometern. Davon anerkannte die FIA 292,8 Kilometer als Weltrekord in der Disziplin «Free Out and Return». Um die Kriterien der Kategorie zu erfüllen, zählt nur die Distanz in einer geraden Linie zwischen Start-, Wende- und Startpunkt. Der Pilot muss also wieder zum Startpunkt zurückkehren.

Mit dem Flug hat Steinger den vier Jahre alten, in Slowenien geflogenen Rekord des Italieners Arduino Persello um 2,8 Kilometer übertroffen.

«Ich hatte eine Vorahnung, dass ich mit diesem Flug bei diesem idealen Wetter den Weltrekord schaffen könnte», blickt Philipp Steinger zurück. Dass er fast 300 Kilometer weit flog, führt er einerseits auf die optimalen thermischen Bedingungen zurück. Es herrschte wenig Wind, was bei einem Rundflug ein Vorteil ist. Er blieb vor Gegenwind verschont.

Andererseits seien ihm die grosse Flugerfahrung von 18 Jahren und rund 3000 Flugstunden zugutegekommen. Und natürlich auch sein Hochleistungsschirm, der für hohe Geschwindigkeiten und eine gute Gleitleistung sorge.

Der Flug ist sein zweiter Rekord

Für den Gleitschirmflieger ist es nicht der erste Flug der Superlative. Im Oktober 2013 knackte er in Brasilien den Schweizer Rekord im Weitflug. 405,9 Kilometer trug ihn der Wind über das brasilianische Flachland. 10 Stunden und 17 Minuten hing er in den Gurten seines Hochleistungsschirmes.

Trotzdem: Bei der Ausübung seines Hobbys gehe es ihm nicht in erster Linie um die Jagd nach Rekorden. Aber: «Ich versuche gerne, die Grenzen auszuloten, aber ohne das Limit zu überschreiten», erklärt er. Zum Gleitschirmfliegen ist er per Zufall gekommen, als ihn ein Arbeitskollege an einen Schnupperflug mitnahm. Die Begeisterung liess ihn nicht mehr los. «Mit dem Gleitschirm kann man lautlos riesige Distanzen zurücklegen.» Die Kombination von Technik und Natur fasziniere ihn.

Bei der Frage nach der Gefährlichkeit relativiert er. «Wer etwa nach dem Feierabend in Emmetten für einen kurzen Flug abhebt, begibt sich vielleicht weniger in Gefahr als jemand, der Grenzen ausloten will.» Er zähle sich aber nicht zu denjenigen, die den Adrenalinkick suchten. Bis auf eine Ausnahme sei er bisher vor Unfällen verschont geblieben. Einmal streifte er unsanft ein Hausdach und musste von der Ambulanz versorgt werden.

Das lässt ihn aber nicht am Boden bleiben. Das nächste Abenteuer ist bereits in Reichweite: Ein 300 Kilometer langer Dreiecksflug vom Pilatus an den Genfersee, weiter ins Saastal und wieder an den Ausgangspunkt zurück.

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