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HERGISWIL: Seine Zuneigung ist stärker als der Tod

Wolfhart Luther lässt seiner Frau regelmässig Liebeserklärungen zukommen – per Inserat ins Jenseits. Eine Liebesgeschichte, die über den Tod hinausgeht.
Wolfhart Luther in seiner Wohnung in Hergiswil. Seine Anna-Maria lächelt ihm tagtäglich auf den vielen Fotos entgegen. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Wolfhart Luther in seiner Wohnung in Hergiswil. Seine Anna-Maria lächelt ihm tagtäglich auf den vielen Fotos entgegen. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Die Allerschönste war sie für ihn, die einzige Frau mit Herz und Verstand, seine Anna-Maria. Seine Ehefrau, die ihn von der ewigen Liebe überzeugt hat. «Die Leute sollen wissen, was für ein guter Mensch sie war», meint der 88-jährige Wolfhart Luther mit bewegter Stimme. Deshalb erweist der Witwer seiner im Dezember 2014 verstorbenen Frau auf seine ganz eigene Art die letzte Ehre – er lässt ihr mit Anzeigen im «Unterwaldner»-Magazin weiterhin innige Liebesbekundungen zukommen.

Sechs Inserate sind es seit Januar gewesen, das nächste ist auf Ende Oktober geplant, auf den Hochzeitstag der beiden. Wie reagieren die Leser auf die ungewöhnlichen Anzeigen? «Die Reaktionen fallen ausgesprochen herzlich und mitfühlend aus», erzählt der Pensionär. «Leute kommen oftmals spontan vorbei und sprechen ihr Beileid aus.»

Keine Sekunde getrennt

Die Wohnzimmerwand der Terrassenwohnung in Hergiswil ist tapeziert mit Fotos. Jung, lachend, umringt von Freunden oder im Hochzeitskleid – seine geliebte Frau ist allgegenwärtig. Und überall sind Blumen. Die passionierte Blumengärtnerin und Kosmetikerin liebte Blüten, Farben und alles Gestalterische. «Ich kann ihre Gegenwart spüren, sie ist immer bei mir», so Wolfhart Luther, ursprünglich aus Düsseldorf.

Ein halbes Jahrhundert seien sie zusammen gewesen, keine Sekunde getrennt und auch geschäftlich «ein unschlagbares Team». Doch im Dezember des vergangenen Jahres, kurz vor Weihnachten, trennte sie das Schicksal. Ihr Herz war zu schwach, und trotz fürsorglicher Pflege wollte sich ihr Zustand nicht bessern. Ein Herzstillstand führte zum Tod. Doch Luthers Herz für seine Frau schlägt weiter. «Ich freue mich, wenn wir endlich wiedervereint sind», so der treue Ehemann.

Elternhaus in die Luft gesprengt

Wolfhart Luther liebt Listen und Zahlen. Über 80 Autos hat der Autoliebhaber in seinem Leben gefahren, alle fein säuberlich vermerkt auf einer mit Schreibmaschine geführten Liste. Mit ihnen bringt der gelernte Finanzbeamte Ordnung in seine Erinnerungen. Und das, obwohl er seit jeher ein gutes Gedächtnis besitzt. Davon profitierte er unter anderem bei seiner Schauspielausbildung am Opernhaus in Düsseldorf. Als Knappe in Richard Wagners «Parsifal» habe er das erste Mal Theaterluft geschnuppert und so eine neue Leidenschaft entdeckt, erzählt der Rentner mit wehmütigem Blick in die Ferne.

Sein Vater, ein Steuerbeamter, brachte genügend Geld nach Hause und führte seinen Sprössling in den sicheren Beamtenberuf ein. Vom Krieg seien sie in Düsseldorf lange Zeit verschont geblieben, als Selbstversorger mit grossem Garten, eigenen Gänsen, Schweinen und Kaninchen, erinnert sich Wolfhart Luther. Das änderte sich 1944, das Jahr, in dem das Elternhaus in die Luft gesprengt wurde und sich der damals 17-Jährige freiwillig zum Dienst als Luftwaffenoffizier meldete.

Beide waren unglücklich liiert

Zurück von der Front stürzte sich der junge Schauspieler in die Theaterwelt und lernte seine erste Frau kennen, ebenfalls eine Schauspielerin. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor. Durch eine Verkettung von Zufällen habe er die Schauspielerkarriere nach einigen Jahren mit einer Anstellung bei einem Verlagshaus eingetauscht, erzählt der einstige Unternehmer, und schon bald sei er zum Verlagsleiter aufgestiegen.
Die vierköpfige Familie bewohnte ein schönes Haus, doch glücklich war Wolfhart Luther nicht.

Er verliebte sich in die schöne Nachbarin, Anna-Maria Erber, ebenfalls unglücklich liiert mit einem Alkoholiker. Schon bald seien sie zusammengezogen und hätten ihren gemeinsamen Wunsch nach Selbstständigkeit verwirklicht. Sie gründeten den Verlag Erber + Luther, er war für das Geschäftliche, sie für das Gestalterische zuständig. Die Berufswege führten sie auch in die Schweiz, wo sie nach mehreren Stationen letztlich in Hergiswil sesshaft wurden.

Das Wiedersehen im Himmel

Die Aussicht aufs Wasser sei ihnen immer wichtig gewesen, betont Wolfhart Luther und lässt seinen Blick über den Vierwaldstättersee schweifen, bis er wieder bei den Fotos an der Wohnzimmerwand hängen bleibt. Die meisten seien mit der eigenen Kamera aufgenommen worden. Durch die Fotos würde ihn seine «Annemie», wie er sie liebevoll nennt, jeden Tag aufs Neue anlächeln. «Ich vermisse sie. Ein Teil von mir ist mit ihr gegangen», sagt der 88-Jährige. «Ich freue mich jeden Tag auf ein Wiedersehen im Himmel.»

Anna Burch

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