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HERGISWIL: Selbst Königin Viktoria weilte am Pilatus

Vor 50 Jahren wurde das Hotel Klimsenhorn am Pilatus abgebrochen. Es war während rund 100 Jahren das Wahrzeichen an der Hergiswiler Pilatusflanke. Und war der Startschuss für den Tourismus auf den Pilatus.
Matthias Piazza

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

1967, also vor 50 Jahren, wurde das Hotel Klimsenhorn abgebrochen, das Jahre zuvor einem Feuer zum Opfer gefallen war. Damit endete in der Tourismusgeschichte des Pilatus eine Ära. Denn der Bau des Hotels Klimsenhorn am Pilatus auf Hergiswiler Boden mit einem gangbaren Weg für Pferde war der Startschuss für die touristische Erschliessung des Pilatus.

Vor der Mitte des 19. Jahrhunderts boten meistens nur einfache Wirtshäuser durchreisenden Fremden Unterkunft und Verpflegung. An abgelegenen Orten war es allenfalls der Pfarrer, der Arzt oder der Posthalter, der eine beschränkte Anzahl von Gästen zur «Sommerfrische» aufnahm, wie dem Buch «Rotzloch, Industrie seit 400 Jahren», von Karl Flüeler, zu entnehmen ist. Die Rigi bekam schon 1816 ein Berghaus, von wo die Gäste den Sonnenaufgang bestaunen konnten. Die grossen Hotelzentren blühten aber erst Mitte der 1850er-Jahre auf. Zwischen 1844 und 1854 wurde das Hotel Schweizerhof gebaut, erst der vierte Gasthof in Luzern. Um 1860 legte Franz-Josef Bucher mit dem Bau des Hotels Sonnenberg in Engelberg den Grundstein zu seiner Hotelkette. Das Grand-Hotel auf dem Bürgenstock entstand im Jahre 1873.

Diese Entwicklungen in der ganzen Schweiz gaben Kaspar Blättler den Anstoss, auch den Pilatus zu erschliessen. Zusammen mit seinem Schwiegersohn, dem «Rössli»-Wirt Jakob Blättler, ebenfalls von Hergiswil, wollte er insbesondere mit dem Pilatus ein Gegenstück zur touristisch bereits erschlossenen Rigi schaffen. Denn der Pilatus hatte der Rigi nach Ansicht von Kaspar Blätter einiges voraus. Denn während die Rigi auf ihrer Nordflanke ungefährlich über saftige Weiden erreichbar war, lockte der Pilatus durch seine wild aufragenden Felstürme, die ihm den Namen «Fractus Mons» – gespaltener Berg – verliehen, daher wohl die Bezeichnung «Fräkmünt».

Drei Engländerinnen waren die Ersten

Am 6. Oktober 1855 erlangten die beiden Blättler von der Korporationsgemeinde Hergiswil das Recht, auf dem «Joch» – dem zwischen Klimsenhorn und Oberhaupt liegenden Bergsattel – ein Gast- und Kurhaus nebst Ökonomiegebäuden, Stallung, Holz- und Waschhütte zu errichten. Dazu gab es die Befugnis, auch auf der Fräkmünt nach Belieben ein Magazin und eine Säge sowie die nötigen Wasserleitungen anzulegen. 1856 war Baustart, 1860 war der Hauptbau vollendet. Hinzu kam eine unweit des Hotels errichtete Kapelle in neugotischem Stil. Drei Engländerinnen aus Luzern trugen sich als erste Gäste ins Hotelbuch ein.

Hergiswil gewann mit dem aufblühenden Pilatus-Tourismus erklecklichen Anteil am Fremdenverkehr. Bis zu 13 000 Passagiere sollen jährlich Hergiswil per Schiff erreicht haben. Mit Tragstühlen und Sattelpferden stellten sich Träger und Führer schon am Schiffsteg auf, um die Kunden bei ihrer Ankunft abzufangen und zur Reise über die Alp Fräkmünt auf den Pilatus einzuladen. Zu den prominentesten Gästen gehörten der deutsche Komponist Richard Wagner und die englische Königin Viktoria.

Die Gastwirte im Dorf hatten goldene Zeiten. Das touristische Angebot auf dem Pilatus erweiterte Kaspar Blättler durch den Ausbau von Fusswegen. Den Aufstieg auf den Grat und den Aussichtspunkt am Esel sicherte er durch den Ausbruch des Chriesiloch. Pfade mit Treppenstufen und Geländern geleiteten den Wanderer sicher durch den Chastelendossen aufs Tomlishorn und die Bründlenalp, die Blättler ebenfalls an sich brachte. 20 Kühe und 40 Ziegen, die er auf der eigenen und auf der hinzugepachteten Kastelenalp sömmerte, versorgten den Hotelbetrieb mit Milch, Butter und Käse. Am 17. März 1877, fünf Jahre nach seinem Tod, verkauften die Erben das Hotel Klimsenhorn an den Eigentümer des Kulm-Hotels, Melchior Britschgi.

Die Kapelle gibt’s noch immer

Mit dem Bau der Brünigstrasse – in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – wurde Hergiswil so­zusagen vermehrt auf dem ­Landweg erreicht. Nach der Er­­schliessung von Pilatus-Kulm mit Zahnradbahn über Alpnachstad und Hotel im Jahre 1889 verlor der Saumweg von Hergiswil zum Klimsenhorn an Bedeutung. Die Kapelle hingegen gibt’s noch immer. Sie wurde nach einer umfassenden Renovation im August 2004 feierlich eingesegnet.

Hinweis

Die Informationen sind aus verschiedenen Quellen zusammengetragen, namentlich aus dem Buch «Rotzloch, Industrie seit 400 Jahren» von Karl Flüeler.

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