Hergiswil: Auf das «Chinderhuis» folgt ein Bordell

An der Seestrasse gibt es seit Ende August Studios, in denen erotische Dienstleistungen angeboten werden. Ursprünglich wollte der Liegenschaftsbesitzer «normale» Wohnungen vermieten, dies ist aber in dieser Zone gar nicht möglich.

Matthias Piazza
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An der Seestrasse 3 ist neu das Etablissement «Studio H1» angesiedelt. (Bild: Matthias Piazza (Hergiswil, 5. September 2018))

An der Seestrasse 3 ist neu das Etablissement «Studio H1» angesiedelt. (Bild: Matthias Piazza (Hergiswil, 5. September 2018))

In Hergiswil habe sich wieder das horizontale Gewerbe angesiedelt. Das Gerücht, das im Dorf seit geraumer Zeit die Runde macht, hat sich bestätigt, wie Recherchen unserer Zeitung ergeben haben. Vor einer Woche hat an der Seestrasse 3, also dort, wo bis vor geraumer Zeit der Verein Chinder­huis Nidwalden eine Tagesstätte führte, das «Studio H1» seine Türen geöffnet. Es wirbt auf seiner Webseite «mit dem einzigartigen Studio für Wünsche ohne Limit, ­geprägt von Individualität und Luxus im Herzen von Hergiswil – gepaart mit feinfühliger Erotik.»

«Nach der Auflösung des Mietverhältnisses mit dem ‹Chinderhuis› suchte ich eine Nachfolgelösung», erzählt Liegenschaftsbesitzer Felix Blättler auf Anfrage. Der Hergiswiler Unternehmer, dem unter anderem die Restaurants Da Pippo in Ennetmoos und Nabucco in Hergiswil gehören, erklärt: «Ursprünglich wollte ich Wohnungen vermieten, dies ist aber in der Gewerbezone nicht möglich, im Gegensatz zum Etablissement, das absolut zonenkonform ist.» Jegliche Bedenken, das Bordell könne einen negativen Einfluss haben auf seine Umgebung, seien seiner Meinung nach fehl am Platz. «Das Haus am Ende des Dorfes liegt fernab von Wohnquartieren. Es werden keine Nachbarn gestört», sagt Felix Blättler. Auch habe er keine Befürchtungen, dass der Mieter unseriös sei und seinen Mietzinspflichten nicht nachkommen werde.

Vom Chef des «Studio H1» war am Donnerstag keine Stellungnahme erhältlich. Er sei in den Ferien, hiess es. Derweil hat der Hergiswiler Gemeindepräsident Remo Zberg ebenfalls keine Bedenken. «Wir sehen keinen Hinderungsgrund. Der Betrieb ist in der Gewerbezone erlaubt und liegt an einem unproblematischen Standort», sagt er auf Anfrage.

Besucher klingelten an der falschen Tür

Mit einem Angebot aus der selben Sparte vor rund neun Jahren sei dies nicht zu vergleichen, so Zberg weiter. Damals sorgte ein Etablissement in der Nähe des Gasthauses Schlüssel mitten in einem Wohnquartier für Ärger. Da es nicht leicht zu finden war – es waren gegen hundert Treppenstufen zu steigen – verirrten sich Besucher anfänglich im Quartier und klingelten an der falschen Adresse.