Hergiswil
«Wir fordern politisches Fairplay, nicht nur beim Fussball»: Die Sanierung des Sportplatzes Grossmatt sorgt für rote Köpfe

Eine IG fordert einen Natur- statt einen Plastikrasen auf der Hergiswiler Grossmatt.

Kurt Liembd
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Der Sportplatz Grossmatt sorgt für rege Diskussionen.

Der Sportplatz Grossmatt sorgt für rege Diskussionen.

Bild: Kurt Liembd
(Hergiswil, 19. November 2019)

Die Stimmung, die an der Medienorientierung am Donnerstag herrschte, wirkte besorgt, war aber sachlich. Eingeladen hatte die neu gegründete IG Naturrasen Grossmatt, deren Ziel schon aus dem Namen hervorgeht. Entstanden ist die Interessengemeinschaft (IG) deshalb, weil viele Hergiswiler offenbar besorgt sind über die kommunale Urnenabstimmung vom 7. März 2021. Insbesondere stört sich die IG daran, dass auf der Grossmatt auf rund 6500 Quadratmetern ein weiterer Kunststoffrasen verlegt werden soll, nachdem auf dem zweiten Hergiswiler Sportplatz Dorf bereits ein solcher besteht.

Die IG kritisiert den Gemeinderat, da dieser immer nur einen Plastikrasen favorisiere und damit einzig die Interessen des FC Hergiswil vertrete.

«Der Gemeinderat muss Politik für alle Bürger machen und nicht nur für einen einzelnen Verein»,

sagt Peter Müller-Bouquet, einer der Initianten der IG. Müller bemängelt vor allem die seiner Meinung nach «miserable Kommunikation» sowie die «unbrauchbare» Info-Veranstaltung. «Bei der Ausarbeitung des Projektes hat man nie mit den Anwohnern geredet, obwohl der Platz um rund vier Meter verbreitert wird in Richtung Wohngebiete», so Müller. Er erwarte deshalb vom Gemeinderat politisches Fairplay, wie es auch Fussballer auf dem Feld pflegen.

Keine ökologischen Altlasten

Harsche Kritik gibt es auch von Peter Gysling, dem ehemaligen TV- und Radiomann von SRF. «Wir kämpfen für eine bessere Sanierung des Sportplatzes, die nur mit einem Nein an der Urne möglich ist.» Und weiter:

«Unser zentrales und grundsätzliches Anliegen ist die Verhinderung eines nicht zeitgemässen Kunstrasens.»

Dabei legt Gysling grossen Wert darauf, dass er und die IG keine Gegner des Fussballs oder des Fussballklubs seien. Vor allem hat er Bedenken im Bereich Umweltschutz. Er sagt: «Wir möchten unserer künftigen Generation diesen Sportplatz nicht als umweltpolitischen Schandfleck und ökologische Altlast überlassen, sondern als Symbol, welches nachhaltig für die Offenheit und Modernität unserer Gemeinde steht.» Dass die Anwohner nie einbezogen wurden, bezeichnet Gysling als «rücksichtslosen Politikstil».

Die Initianten der IG Naturrasen Grossmatt von links: Markus A. Blättler, Peter Müller-Bouquet und Peter Gysling.

Die Initianten der IG Naturrasen Grossmatt von links: Markus A. Blättler, Peter Müller-Bouquet und Peter Gysling.

Bild: Kurt Liembd
(Hergiswil, 11. Februar 2021)

Mikroplastik: Umweltbedenken bei Kunstrasen

Grosse Umweltbedenken bei einem Plastikrasen hat auch Markus A. Blättler. «Mikroplastik gelangt bei Benutzung durch Wind, Regen und Schnee in Boden und Gewässer. Plastik müsse als Sondermüll entsorgt werden, da es biologisch nicht abbaubar ist, gibt Blättler zu bedenken. Der Ex-Gemeinderat und Chemiker sieht beim Kunstrasen auch einen Widerspruch zum Label Energiestadt Hergiswil. Dort heisst es: «Ziel ist, dass Flächen im öffentlichen Raum künftig naturnah und schonend genutzt werden.» Ein biologischer Naturrasen sei aus ökologischer Sicht überragend und wecke auch Emotionen bei Sportlern. Zudem weist Markus A. Blättler darauf hin, dass Hergiswil zwei voll ausgebaute Fussballplätze habe, davon einer bereits mit Plastikrasen.

Und was sagt der Gemeinderat zu dieser Kritik? In der Botschaft zur Abstimmung weist er auf die Vorteile eines Kunstrasens hin. «Der grosse Vorteil liegt darin, dass ein Kunstrasen das ganze Jahr bespielbar ist, auch nach intensiven Niederschlägen, während Schlechtwetterphasen oder ausserhalb der Vegetationszeit.» Zwar sei zum Beispiel Speerwurf nicht mehr möglich, hingegen ein Schwingfest mit entsprechenden Schutzmassnahmen schon. Zu den vermehrten Lärmimmission, die infolge längerer Spielzeiten entstehen, schreibt der Gemeinderat:

«Da der Platz in einer öffentlichen Zone liegt, ist eine gewisse Lärmimmission zu dulden.»

Durch die Verbreiterung des Spielfeldes mit einer Auskragung über die Zentralbahn könnte auch der Lärm durch die Bahn zunehmen. Dazu der Gemeinderat: «Sollten sich negative Auswirkungen für die Anwohner ergeben, müssten entsprechende Nachbesserungen vorgenommen werden.»

Sanierung Sportplatz – was bisher geschah

Das Projekt: Der Sportplatz Grossmatt wurde 1975 eröffnet. Hauptnutzer ist der Fussballclub Hergiswil, der Platz wird aber auch von der Schule und von anderen Vereinen benutzt, wie etwa für Schwingfeste. Nach über 45 Jahren ist nun eine umfassende Sanierung des Naturrasens notwendig, auch weil er den Ansprüchen des Fussballverbandes nicht mehr genügt. Unter anderem ist er etwa vier Meter zu wenig breit und soll vergrössert werden. Deshalb traktandierte der Gemeinderat das Geschäft bereits an der Gemeindeversammlung vom 26. November 2019 und beantragte einen Kredit von 1,86 Millionen. Der Antrag sah vor, den bisherigen Naturrasen durch einen Kunst- oder Plastikrasen zu ersetzen und mehrere weitere Anpassungen und Verbesserungen zu vollziehen. Mit 198 gegen 118 Stimmen wurde das Geschäft an den Gemeinderat deutlich zurückgewiesen, da viele Bürger eine vertiefte Diskussion wünschten. In der Folge organisierte der Gemeinderat einen Informationsanlass, der aber wieder für Kritik sorgte, weil erneut nur ein Kunstrasen favorisiert wurde. 

Diskussionen reissen nicht ab

Deshalb brachte der Gemeinderat das Geschäft ein zweites Mal an die Gemeindeversammlung vom 24. November 2020, diesmal jedoch bloss als Konsultativabstimmung: Naturrasen (wie bisher) oder neu Kunstrasen. Mit 111 gegen 77 Stimmen entschieden sich die Stimmbürger nach emotionaler Diskussion für einen Kunstrasen. Dabei war vor allem der FC Hergiswil stark präsent, der vorgängig alle Mitglieder mit einem persönlichen Brief zur Teilnahme an der Versammlung aufgefordert hatte. Sogar Ex-FCL-Präsident Walter Stierli, der in Hergiswil wohnt, setzte sich für einen Kunstrasen ein. Pikant dabei: Beim Bau der Swisspor-Arena hatte sich Stierli noch für einen Naturrasen eingesetzt und diesen auch realisiert. Aufgrund dieses konsultativen Abstimmungsergebnisses hat der Gemeinderat die praktisch gleiche Vorlage von 2019 «Sanierung mit Kunstrasen» wieder neu aufgegleist und nun am kommenden 7. März 2021 an die Urne verwiesen. Die Bürger können jetzt über einen Kredit in gleicher Höhe von 1,86 Millionen für einen Kunstrasen entscheiden. Ein Naturrasen steht damit nicht mehr zur Diskussion. Da dies aber viele stört, wurde vor wenigen Tagen die IG Naturrasen Grossmatt gegründet, welche für ein Nein plädiert.

Die kommunale Urnenabstimmung über die «Sanierung und Umbau Sportplatz Grossmatt mit Einbau eines Kunstrasens» findet am Sonntag, 7. März 2021, statt.