HERGISWIL: Wo Freiheit grenzenlos ist

Für die Seaplane Pilots ist die Wasserfliegerei ein Kulturgut, das weiterleben muss. An ihrem Meeting wollen sie die Öffentlichkeit mit dem Virus anstecken.

Philipp Unterschütz
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Heinz Wyss (Bild oben) fliegt in seiner Piper Super Cup (links) in Richtung Pilatus. (Bilder: Philipp Unterschütz (Hergiswil, 9. Juni 2017))

Heinz Wyss (Bild oben) fliegt in seiner Piper Super Cup (links) in Richtung Pilatus. (Bilder: Philipp Unterschütz (Hergiswil, 9. Juni 2017))

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@nidwaldnerzeitung.ch

Ein Boot bringt uns zum Wasserflugzeug vor dem Seehotel Pilatus in Hergiswil, wir zwängen uns in die kleine Zweisitzerkabine der Piper Super Cup. Die Flugsicherung in Buochs gibt die Startfreigabe, und Pilot Heinz Wyss beschleunigt die einmotorige Piper auf rund 100 Stundenkilometer. Das Einzige, was man vor dem sanften Abheben spürt, sind einige Rumpler von kleineren Wellen. Nach einem Rundflug über dem Seebecken landet Wyss das Flugzeug so sanft, dass man nicht sagen könnte, wann es genau aufgesetzt hat. Auch der Pilot freut sich, die Landung sei perfekt gewesen. «Die korrekte Lage beim Aufsetzen und die Geschwindigkeit sind entscheidend. Auf dem Wasser verträgt es keine schlechten Landungen.»

Ein tolles Erlebnis, man versteht, was Heinz Wyss meint, wenn er von der Faszination des Fliegens in der Natur schwärmt. «Die Wasserfliegerei ist der Inbegriff von fliegerischer Freiheit und Unabhängigkeit, ein aviatisches und geschichtsträchtiges Kulturgut, das weiterleben muss.» Das ist der Hauptgrund, weshalb der 63-Jährige aus Hägglingen AG auch heuer wieder den grossen Aufwand auf sich genommen hat, das Seaplane Meeting in Hergiswil zu organisieren. Zudem gibt es ein Versprechen, das er seinem 2015 verstorbenen Freund Hans Fuchs, dem legendären Hergiswiler Gletscherpiloten und Inhaber des Seehotels Pilatus, gemacht hat. Dieser hatte das Meeting einst mit der Sea­plane Pilots Association Switzerland (Spas) ins Leben gerufen und Wyss gebeten, es weiterzuführen.

Schwierige Bedingungen für Schweizer Wasserflieger

Heinz Wyss ist seit 45 Jahren Pilot mit Leib und Seele, wie viele andere begann auch er mit Segelfliegen. Heute ist er hauptamtlicher Flugplatzchef in Birrfeld AG und Fluglehrer. Rund 300 Stunden ist er jedes Jahr mit den 25 Maschinen der Flugschule in der Luft, landen und starten muss er aber immer auf dem Land. «Eigentlich ist die Wasserfliegerei in der Schweiz verboten. Es gibt nur eine einzige Seebasis in Wangen SZ, und man muss dort vom Inhaber eine Erlaubnis bekommen.» Schwierige Bedingungen also für Piloten, die sich der Wasserfliegerei verschrieben haben. Viele Schweizer machen deshalb ihre Ausbildungen im Ausland, oft am Comersee. Begründet werden die Restriktionen hierzulande mit Umwelt- und Lärmschutz.

Sechs Wasserflugzeuge sind dieses Jahr in Hergiswil dabei (2 Piper Super Cup, 3 Savannah, 1 Catalina). Wie in den vergangenen Jahren wurden von der Gemeinde Hergiswil und dem Kanton Nidwalden 120 Landungen bewilligt. Dass der Bedarf viel grösser wäre, zeigt sich an den vielen Anfragen, die Heinz Wyss ablehnen muss. Man müsse auf die meisten Trainingsflüge, die Piloten hätten machen wollen, verzichten. «Nur so können wir genügend Passagierflüge anbieten. Diese Flüge zum Selbstkostenpreis sind nämlich der eigentliche Grund, warum dieses Jahr vier Seaplane Meetings in der Schweiz überhaupt bewilligt wurden.» Mit der Wasser- und Gletscherfliegerei sowie den Expeditionen des Piloten Walter Mittelholzer in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat die Aviatik in der Schweiz begonnen. Diese Pionierzeiten sollen nicht vergessen gehen – und für die Öffentlichkeit ist es die einzige Chance, hierzulande überhaupt je selber die Wasserfliegerei zu erleben.

Hinweis

Rundflüge für 160 Franken kann man auch heute noch im Garten des Seehotels Pilatus buchen. Ein weiteres Seaplane Meeting am Vierwaldstättersee findet vom 25. bis 27. August in Brunnen statt.