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HERGISWIL: «Ziehe kleinen Kanton dem Koloss vor»

Vor 200 Jahren wärs fast zum Kantonswech­-sel gekommen. Gemeinde­präsident Remo Zberg ist froh, dass es nicht so endete.
Gemeindepräsident Remo Zberg. (Bild: pd)

Gemeindepräsident Remo Zberg. (Bild: pd)

Interview Matthias Piazza

Soll Nidwalden den Bundesvertrag von 1815 unterschreiben oder nicht? Die Gegner fürchteten den Verlust von Selbstbestimmung. Und Hergiswil drohte mit dem Austritt aus dem Kanton. Gemeindepräsident Remo Zberg (FDP) hätte diesen Schritt bedauert, wie er im Interview erklärt.

Wie denken Sie über die Ereignisse vor 200 Jahren, als es zu Spannungen zwischen Hergiswil und dem übrigen Kanton Nidwalden und beinahe zur Abspaltung kam?

Remo Zberg: Es wurde mir bewusst, wie sich solche Ereignisse im kollektiven Gedächtnis einprägen und nachhallen. Der damit verbundene Franzosenüberfall und der Übertritt Engelbergs zum Kanton Obwalden sind auch nach 200 Jahren noch immer präsent. Darum halte ich die Rückkehr Engelbergs zu Nidwalden oder eine Fusion zwischen Nidwalden und Obwalden für ausgeschlossen. Die Geschichte prägt. Eine Fusion unter Nidwaldner Gemeinden erscheint mir hingegen realistisch.

War der Entscheid Hergiswils richtig, bei Nidwalden zu bleiben?

Zberg: Ja, nach wie vor. Wir würden uns auch heute noch für Nidwalden entscheiden. Wir schätzen Nidwalden als sympathischen, kleinen Kanton mit kurzen und unkomplizierten Wegen, auch was die Verwaltung betrifft.

Hergiswil zählt zur Luzerner Agglomeration, ist Mitglied bei verschie­denen Luzerner Zweckverbänden und vor allem jüngere Hergiswiler sprechen keinen Nidwaldner Dialekt mehr. Verbindet man das Lopperdorf nicht mehr mit dem Kanton Luzern als mit Nidwalden?

Zberg: Nein, gar nicht. Das Bundesamt für Statistik hat Hergiswil zur Luzerner Agglo gezählt, was ja nur ein Verwaltungsakt ist. Und bei Luzerner Zweckverbänden sind wir bloss aus Goodwill dabei, ohne dass wir wirklich etwas davon haben oder uns zu Luzern hingezogen fühlen. Dass man in Hergiswil nicht nur Nidwaldner Dialekt hört, liegt wohl eher an den Zuzügern.

Die Gemeinde Hergiswil zahlt sehr viel an den innerkantonalen Nidwaldner Finanzausgleich. Das hat der Liebe zum Kanton Nidwalden keinen Abbruch getan?

Zberg: Nein. Dass wir als Luzerner Gemeinde besser wegkämen, bezweifle ich. Gegen den innerkantonalen Finanzausgleich habe ich nichts. Eine Gemeinde, die zahlt, ist finanziell gut aufgestellt. Ein Problem habe ich mit der Grössenordnung. Es sollte eine Obergrenze für die zahlenden Gemeinden geben.

Was würde für einen Beitritt zum Kanton Luzern sprechen?

Zberg: Nichts. Ich sehe keinen Vorteil bei einem Kantonswechsel. Ich ziehe einen kleinen überschaubaren Kanton mit rund 40 000 Einwohnern einem Koloss wie dem Kanton Luzern, mit dem uns relativ wenig verbindet, vor. Und auch als Nidwaldner profitieren wir ja von der nahen Stadt Luzern mit ihrem kulturellen Angebot, an das wir im Gegenzug auch solidarisch mitzahlen.

Können Sie sich vorstellen, dass die Kantonsdiskussion erneut aufflammt?

Zberg: Ich sehe keinen Grund und keinen Anlass dazu. Eher vorstellen könnte ich mir eine Zusammenlegung von Nidwaldner Gemeinden, im Falle von Hergiswil eine Fusion mit Stansstad.


Hergiswil liebäugelte mit Luzern

Geschichte red. Dass Hergiswil zu Nidwalden gehört, ist nicht so selbstverständlich, wie es heute scheint. 1815 droht die Gemeinde, Nidwalden den Rücken zuzukehren und sich dem Kanton Luzern anzuschliessen, wie Historiker und SVP-Nationalrat Peter Keller im neusten «Hergiswiler» schreibt. Dies, weil Nidwalden sich weigert, dem Bund beizutreten. In Engelberg zieht man die Konsequenzen und geht definitiv zu Obwalden. Auch in Hergiswil formiert sich Widerstand. Man kann die sture Haltung hinter dem Lopper nicht verstehen. In einem geheimen Schreiben sichert Hergiswil dem Präsidenten der Tagsatzung Unterstützung zu. Nur eine innige feste Verbindung der Kantone zu einem Bundesstaat könne das Wohl der Gesamtheit fördern, wird argumentiert. Doch Nidwalden gibt nicht nach. Die Tagsatzung ruft indirekt zur Abspaltung auf.
Am 21. Juli 1815 versammelt sich Hergiswil in der Pfarrkirche und beschliesst eigenständig den Beitritt zum eidgenössischen Bund. Am 17. August landen eidgenössische Invasionstruppen in Stansstad und marschieren gegen den Hauptort vor. Der Landrat wird aufgelöst, die Bauern werden entwaffnet. Eine Woche darauf stimmt die Landsgemeinde mit grossem Mehr dem Bundesvertrag zu. Engelberg bleibt endgültig bei Obwalden, Hergiswil hat keinen Grund mehr für einen Kantonswechsel.

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