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HERGISWIL: «Zufrieden sein mit dem, was man hat»

Morgen feiert Toni Schönbächler bei bester Gesundheit seinen 100. Geburtstag. Dazu verspürt der älteste Hergiswiler einen ganz speziellen Reisewunsch.
Kurt Liembd
Toni Schönbächler auf seinem geliebten Rössliplatz. Im Hintergrund fährt ein Schiff in Richtung Anlegestelle am Hergiswiler Seeufer. (Bild Corinne Glanzmann)

Toni Schönbächler auf seinem geliebten Rössliplatz. Im Hintergrund fährt ein Schiff in Richtung Anlegestelle am Hergiswiler Seeufer. (Bild Corinne Glanzmann)

Wer dem rüstigen Jubilar begegnet, würde sein Alter niemals auf 100 Jahre schätzen – weder körperlich noch geistig. Anton «Toni» Schönbächler lebt selbstständig in seiner Wohnung, spaziert im Dorf umher und verfolgt intensiv das Dorf- und Weltgeschehen. Seinen Tagesablauf hat er bis heute strukturiert: «Die Tageszeitung und das Rätsel sind für mich wie ein Ritual am Morgen», sagt der Jubilar. Danach gehts nach draussen zu einem längeren Spaziergang. Am Nachmittag trifft man ihn meist auf dem Rössliplatz bei der Schifflände, wo er sich mit andern Senioren und Seniorinnen trifft und manchmal stundenlang über Gott und die Welt diskutiert. Für einige Haushaltsarbeiten wie etwa das Kochen und Waschen unterstützt ihn seine Tochter Anna (65), die im gleichen Haus wohnt. Und wenn man ihn einmal nicht auf dem Rössliplatz oder sonst wo im Dorf trifft, ist er auf einem Ausflug, auf einem Berg oder gar im Tessin unterwegs.

Aus einer «Bähnler»-Familie

Als seine schönste Reise in der Schweiz bezeichnet er die Fahrt im Lokführerstand von Locarno bis nach Goldau, die er zu seinem 90. Geburtstag geschenkt erhielt. In Erinnerung an dieses Reiseabenteuer verspürt er zu seinem 100. Geburtstag einen weiteren Wunsch in diese Richtung: eine Reise im Lokführerstand über den Brünigpass nach Interlaken. Denn seine Liebe zur Eisenbahn ist angeboren, stammt er doch aus einer Eisenbahnerfamilie. Auch er wäre gerne «Bähnler» geworden, aber es ist halt anders gekommen. Geblieben aber ist seine grosse Liebe zu den Eisenbahnen. Nur eines stört ihn an der Zentralbahn: «Dass die Schnellzüge in Hergiswil nicht mehr halten», wie er sagt.

Verblüffendes Gedächtnis

Geboren wurde Toni Schönbächler am 25. August 1916 in Giswil als jüngstes von sechs Kindern. Mit sechs Jahren zog er mit seiner Familie in den Kanton Aargau, wo sein Vater eine Stelle als Stationsvorstand antrat. Dort ging er zur Schule und machte danach eine vierjährige Uhrmacherlehre in Aarau. Als Kind traf ihn das Schicksal hart. Als er sieben Jahre alt war, ist seine Mutter im Alter von erst 40 Jahren tödlich verunglückt.

Im Gespräch mit Toni Schönbächler verblüfft sein Gedächtnis, kennt er doch fast alle seine Lebensdaten auswendig: So zum Beispiel, dass er die Lehre am 1. Mai 1932 begann und am 2. Mai 1936 beendete oder dass er vom 25. Mai 1936 bis 22. August 1936 in der RS war. Am 1. September 1939 sei er in den Aktivdienst eingerückt und am 1. August 1944 zum Gefreiten befördert worden. All dies weiss er auswendig und auch, dass er 977 Dienstage leistete, seine Mutter am 9. April 1923 verstarb und er am 6. Oktober 1942 heiratete. Seine Frau Lina Halter kannte er seit seiner Kindheit in Giswil. Sie war das Nachbarmädchen und sozusagen seine Sandkastenliebe. 1947 kam das Paar nach Hergiswil, wo es sein Uhrengeschäft eröffnete und 1958 sein eigenes Haus baute. Der Ehe entsprangen sechs Kinder: Toni (72), Maria (70), Margrit (68), Anna (65), Lina (62) und Josef (60). 2002 feierten sie ihre diamantene Hochzeit (60 Jahre), ein Jahr später verstarb Lina Schönbächler. «Ich habe meiner Frau sehr viel zu verdanken», sagt Schönbächler.

Der Kreuzträger von Hergiswil

Seit 1981 ist Toni Schönbächler pensioniert. Mit Reisen nach Berlin, Paris, Wien, Rom, Lourdes und sogar Algerien holte das Ehepaar nach der Pensionierung vieles nach, was früher mit sechs Kindern und eigenem Geschäft nicht möglich war. «Ferien kannten wir sowieso nicht», erzählt er. Als Ausgleich zum Beruf spielte er über 30 Jahre lang Faustball. Eine andere Leidenschaft sind die Dampfschiffe auf dem Vierwaldstättersee, von denen er alle Daten und Details kennt.

Seine grösste Leidenschaft aber gehörte seinem Amt als Kreuzträger der Kirche. Mehr als 55 Jahre trug er bei jeder Beerdigung, an allen hohen Festtagen, Prozessionen und Wallfahrten nach Niederrickenbach das Kreuz. Mehr als 2000 Hergiswiler hat er so auf dem letzten Weg begleitet. «Ich habe fast halb Hergiswil zu Grabe getragen», sagt er. Und: In den 55 Jahren als Kreuzträger hat er bloss zweimal gefehlt. Auf die obligate Frage nach dem Rezept für ein langes Leben, weiss er blitzschnell eine Antwort: «Zufrieden sein mit dem, was man hat und was man ist.» Das sind keine leeren Worte, sondern stammen von einem zufriedenen Mann, der dies 100 Jahre lang vorgelebt hat.

Kurt Liembd

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