Interview

Hergiswiler Gemeindepräsident: «Wir halten an der Lösung Tunnel kurz fest»

Hergiswil ist erstmals in Nidwalden beim Agglomerationsprogramm dabei. Und hat konkrete Hoffnungen für den öffentlichen Verkehr.

Philipp Unterschütz
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Gemeindepräsident Remo Zberg (links) bei der Übergabe des Anerkennungspreises durch den VCS Ob- und Nidwalden im September dieses Jahres.

Gemeindepräsident Remo Zberg (links) bei der Übergabe des Anerkennungspreises durch den VCS Ob- und Nidwalden im September dieses Jahres.

Corinne Glanzmann, Nidwaldner Zeitung

Der Kanton hat ein ehrgeiziges Ziel: Bis am 15. Juni 2021 möchte er eigentlich beim Bund das Agglomerationsprogramm der 4. Generation einreichen (siehe Ausgabe von gestern). Ein besonderes Interesse daran hat die Gemeinde Hergiswil, die vom Perimeter Luzern nach Stans gewechselt hat und nun erstmals in Nidwalden in den Prozess involviert ist.

Gemeindepräsident und FDP-Landrat Remo Zberg äussert sich zu den Erwartungen seiner Gemeinde.

Warum wollte die Gemeinde Hergiswil zur Agglomeration Stans wechseln?

Remo Zberg, Hergiswil

Remo Zberg, Hergiswil

Paul Gwerder, Urner Zeitung

Remo Zberg: Wir wollten wechseln, weil wir uns vom Kanton Nidwalden mehr Unterstützung erhoffen und Nidwalden andererseits mit Hergiswil «mehr Fleisch am Knochen» hat. Im Einvernehmen mit den Kantonen Nidwalden und Luzern verlief der Wechsel problemlos.

Wird der Wechsel am Schluss auch bringen, was sich Hergiswil versprochen hat? Die Gemeinde hat sich ja bereits mehrmals unglücklich über die Verkehrspolitik des Kantons Nidwalden gezeigt.

Das wird sich noch zeigen, da wir noch keine Erfahrungswerte haben. Die Hoffnung besteht aber, dass der Kanton Nidwalden nun gesamtheitlich die Verkehrspolitik angeht.

Seit einem Jahr besteht der Regierungsauftrag bei der Baudirektion zur Erarbeitung des Agglomerationsprogramms. Wurde die Gemeinde Hergiswil dabei einbezogen?

Ja. Die Nidwaldner Gemeinden, die kantonalen Fachstellen und die wichtigsten Verbände arbeiten gemeinsam in einer Arbeitsgruppe daran. Die Arbeitsgruppe wird fachlich im Auftrag der Baudirektion Nidwalden durch ein Ingenieurbüro begleitet. Allerdings scheint die Zeit sehr knapp, nachhaltige und langfristige Lösungen zu erarbeiten. Man hätte früher beginnen müssen, um die lange Vorlaufzeit zielführend zu nutzen.

Welches sind in Ihren Augen unverzichtbare Projekte für Hergiswil, die ins Agglomerationsprogramm gehören?

Wir halten für den öffentlichen Verkehr an der Lösung «Tunnel kurz mit Doppelspur vom Matt bis Bahnhof Dorf» nach wie vor fest. Nur dann bringen auch weitere Bahnausbauprojekte und Kapazitätserweiterungen im Kanton Nidwalden etwas. Aber auch für den motorisierten Individualverkehr muss eine langfristige Lösung her. Das Gesamtsystem Bypass Luzern wird das Nadelöhr der Autobahn in Richtung Süd nur verstärken, da die drei Spuren von Luzern her nach Horw auf zwei reduziert werden. In Richtung Nord bereitet uns der Spurabbau ab Einfahrt Hergiswil bis zur Realisierung des vollständigen Bypass Sorge. Es ist vorauszusehen, dass ein Spurabbau bei entsprechendem Verkehrsaufkommen automatisch zu Rückstau führt. Damit wäre die Kantonsstrasse durch Hergiswil wiederum bei jeder Störung des Verkehrsflusses sofort überlastet. Wichtig ist es, Massnahmen zu treffen, dass der Verkehr möglichst auf der Nationalstrasse bleibt und nicht die Dörfer mit dem Ausweichverkehr belastet werden. Zudem muss auch die Verkehrssituation im Engelbergertal nachhaltig gelöst werden. Dies unter Einbezug des Kreisverkehrs an der Kreuzstrasse. Und es braucht als Erstes kluge Mobilitätsmanagementlösungen.

Ihr Landratskollege Niklaus Reinhard sagte kürzlich, dass die Verkehrsplanung ohne einen Raumplanungschef nicht funktionieren könne und bekam sogar von Baudirektor Josef Niederber recht. Was sagen Sie dazu?

In der Tat haben wir da im Kanton Nidwalden ein personelles Ressourcenproblem. Ohne Raumplanung wird es auch kein sinnvolles Agglomerationsprogramm geben. Allerdings kann man diese Kompetenzen auch einkaufen.