Hergiswiler Gemeinderat macht Kehrtwende

Walter Mösch wäre gerne Hergiswiler Gemeinderat geblieben. Nun tritt er trotzdem zurück – auf Druck seiner Partei.

Kurt Liembd
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Walter Mösch.

Walter Mösch.

Bild: PD

An der Nominationsversammlung der SVP Hergiswil vom Donnerstag, 6. Februar 2020, gab es eine faustdicke Überraschung (Ausgabe vom 7. Februar). Zumindest aus der Sicht von Aussenstehenden. Der amtierende Gemeinderat Walter Mösch (68) kam an die Versammlung in der Erwartung, dass er von seiner Partei für weitere vier Jahre vorgeschlagen werden würde. Dass er wieder kandidieren will, steht auch in der Medienmitteilung des Gemeinderates vom 5. August 2019. Doch es kam ganz anders.

Beim Traktandum «Gemeinderatswahlen» übernahm Rechnungsrevisor Johannes Blöchliger den Vorsitz und gab bekannt, dass sich nebst Walter Mösch auch Orts- und Kantonalparteipräsident und Landrat Christoph Keller (56) für das Amt interessiere. Danach stellten sich beide Kandidaten vor, wobei sich Mösch äusserst knapp hielt. «Ich pflegte während der letzten sechs Jahre ein gutes Verhältnis im Gemeinderat und machte meine Arbeit, so gut es gegangen ist». Christoph Keller, der nicht nur Präsident der Ortspartei, sondern auch Kantonalpräsident der SVP sowie Landrat ist, sagte: «Ich wollte schon immer in den Gemeinderat und wäre sehr motiviert, unser Dorf mitzugestalten».

Falls er gewählt würde, möchte Keller einen Gegenpol zum «FDP-lastigen Gemeinderat» einnehmen. Auf die Frage aus der Versammlung, wie er seine Ämter unter einen Hut bringen wolle, sagte Keller: «Falls ich gewählt würde, werde ich eine klare Auslegeordnung machen und Prioritäten setzen.» Bereits habe er mit seinem Arbeitgeber gesprochen, der ihm entgegenkommen würde.

Einerticket für eine «Konzentration der Kräfte»

Nun ging es erst um die Gretchenfrage, ob die SVP mit einem oder zwei Kandidaten antreten solle, auch weil es bei der FDP eine Vakanz gibt. Nach längerer Diskussion wurde mit 13 zu 3 Stimmen ein Einervorschlag beschlossen. Das Hauptargument hiess «Konzentration der Kräfte». Danach sollte eine Diskussion über die beiden Kandidaten stattfinden. Doch so weit kam es nicht richtig, denn als spürbar wurde, dass fast alles für Christoph Keller spricht, zog Walter Mösch spontan seine eigene Kandidatur zurück.

So wurde Keller zum Beispiel hoch angerechnet, dass er im April 2019 praktisch im Alleingang die Abstimmung über den drohenden Abbau von Parkplätzen mit über 74 Prozent gewann – und dies gegen alle andern Parteien und gegen den Gemeinderat. Nach dem Rückzug von Walter Mösch gab sich Christoph Keller freundschaftlich und sagte: «Walter, ich rechne dir dein Verhalten im Interesse der Gemeinde hoch an», was von der Versammlung mit Applaus quittiert wurde. Bei dieser Gelegenheit gab Walter Mösch zudem seinen Austritt aus dem Parteivorstand der SVP Hergiswil bekannt. Für ihn endet damit eine sechsjährige Amtszeit. 2014 kam er in stiller Wahl in den Gemeinderat, 2018 wurde er knapp wiedergewählt.

Über die Gründe seines jetzigen Rückzugs wurde an der SVP-Versammlung jedoch nicht diskutiert. Hingegen sagte Mösch vor zwei Jahren über sein schlechtes Wahlergebnis gegenüber dieser Zeitung, vermutlich hätten ihn auch die Ereignisse rund um seinen damaligen Arbeitgeber Stimmen gekostet. Dieser wurde wegen Mordes angeklagt und soll inzwischen im Ausland zu 15 Jahren Haft verurteilt worden sein.

Weiter erteilte die SVP dem Vorstand die Kompetenz, für den frei werdenden Sitz in der Finanzkommission einen Kandidaten ins Rennen zu schicken.

«Der Druck der Partei war gross»

(cgl) Sie haben an der SVP-Versammlung den Rücktritt aus dem Gemeinderat gegeben. Wie gross war der Druck durch die Partei?

Walter Mösch: Der Druck war natürlich gross. Die Parteileitung hat schon vor der Versammlung Gespräche mit mir geführt und versucht, mich zum Rücktritt zu bewegen. So habe ich mir im Hinblick auf die Nomination einen Plan zurechtgelegt. Ich habe mir ein Zweierticket gewünscht, damit die Bevölkerung eine Wahl hat. Aber die Partei hat sich für eine Einerkandidatur entschieden. Gegen Ortsparteipräsident Christoph Keller sind meine Chancen natürlich gering. Deshalb habe ich mich für den Rücktritt entschieden.

Weshalb fielen Sie bei der Partei in Ungnade?

Ich vermute, dass es um persönliche Ambitionen geht, im Gemeinderat Karriere zu machen. Aber das ist Spekulation. Aus der Bevölkerung habe ich viele positive Reaktionen erhalten. An meiner Arbeit liegt es also sicher nicht. Klar ist: Wenn Christoph Keller Gemeinderat werden will, hat er die Leute hinter sich.

Sie sind nun aus dem Vorstand ausgetreten. Folgt bald auch der Parteiaustritt?

Das habe ich noch nicht entschieden. Ich werde mir dies in Ruhe überlegen.

Im Sommer geht Ihre Amtszeit zu Ende. Was machen Sie danach?

Ich werde sicher kein Amt mehr annehmen. Ab dem Sommer habe ich endlich wieder mehr Zeit, die Freizeit frei gestalten zu können.