Hergiswiler Maturand hat eine Ovo-Schüttelmaschine erfunden

Benjamin Blöchliger verblüfft bei seiner Maturarbeit mit einer Erfindung. Er konstruierte eine Weltneuheit.

Kurt Liembd
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Benjamin Blöchliger entwickelte den Prototyp einer Maschine, die auf Knopfdruck Ovomaltine zubereiten und schütteln kann.

Benjamin Blöchliger entwickelte den Prototyp einer Maschine, die auf Knopfdruck Ovomaltine zubereiten und schütteln kann.

Bild: Kurt Liembd (Stans, 20. Dezember 2019)

«Es gibt nichts, was es nicht gibt», sagt eine Redewendung. Dass es davon auch Ausnahmen gibt, beweist der Hergiswiler Benjamin Blöchliger. Der erst 17-jährige Maturand erfand eine Maschine zur Ausgabe von geschüttelter Ovomaltine, was vermutlich eine Weltneuheit darstellt. Das sehr zahlreiche Publikum zeigte sich an der Präsentation im Kollegi Stans begeistert und liess sich von den technischen Erklärungen des jungen Erfinders in Bann ziehen.

«Ist hier ein moderner Daniel Düsentrieb am Werk?», fragten sich einige. Oder gibt es Parallelen zu Stefan Heuss, welcher in der Sendung Giacobbo/Müller das Publikum mit skurrilen Maschinen und Erfindungen zum Lachen bringt? Ein Vergleich mit Stefan Heuss ist aber völlig abwegig. Während Heuss ein Komiker ist mit dem Ziel, die Leute zum Lachen zu bringen, ist die Erfindung von Benjamin Blöchliger von tiefsinnigem Charakter und zeugt vom ernsthaften Erfindergeist eines technisch hochbegabten jungen Mannes.

«Die Idee dazu ist mir abends am Esstisch gekommen, als ich wie gewohnt Milch und Ovomaltine-Pulver in einem Schüttelbecher mischte und diesen von Hand schüttelte», sagt Blöchliger. «So fasste ich das Ziel, eine funktionierende Maschine zu bauen, mit welcher Milch und Ovomaltine-Pulver in einen Becher dosiert und anschliessend geschüttelt wird.» Im Rückblick auf seine Maturaarbeit sagt er: «Mit dieser Arbeit konnte ich mir das erhoffte mechanische und elektrische Wissen aneignen und viele Einblicke in die Welt der Ingenieure und Konstrukteure gewinnen.» Das tönt recht bescheiden. Wer sich aber näher mit seiner Arbeit befasst und an der Präsentation dabei war, kam nicht mehr aus dem Staunen heraus. Man glaubte zeitweise, in einer technischen Forschungsanstalt zu sein. Denn die Maschine ist eine sehr komplexe Angelegenheit.

Schüttelmechanismus hat es in sich

So braucht es nebst grundlegender Theorie der Elektrotechnik und Elektromechanik auch den Einsatz von Bohrer, Fräsmaschine und 3D-Drucker, um eigens konstruierte Bauteile herzustellen. Benjamin Blöchligers Maschine besitzt die Fähigkeit, durch Umlegen von verschiedenen Schaltern das Ovopulver und die frische kalte Milch zu dosieren, in einen Becher zu befördern und diesen anschliessend zu schütteln. Der Schüttelmechanismus hat es dabei in sich. Denn es handelt sich nicht nur um eine einfache vertikale Auf- und Abwärtsbewegung, sondern um ein mechanisches Konstrukt, welches die Rotationsbewegung eines Rotationsmotors in eine vertikale Bewegung übersetzt. Dafür musste er erst mehrere Bauteile aus verschiedenen Materialien konstruieren und herstellen wie Pleuelstange, Räder oder Schraubklemmen und diese Teile mit Hilfe eines CAD-Programms funktionell zusammenfügen. Zahlreiche technische Skizzen in seiner Dokumentation zeugen von dieser monatelangen Arbeit im Bereich der Mechanik und Elektronik.

Zum Schüttelmechanismus hat sich Blöchliger sogar lebensmitteltechnische Fragen gestellt und dabei folgendes herausgefunden: «Ob Ovo und kalte Milche durch Schütteln oder durch Rühren miteinander vermischt werden, macht geschmacklich keinen spürbaren Unterschied.» Davon konnten sich auch die Zuhörer an seiner Präsentation überzeugen, gab es doch auch eine Degustation der geschüttelten Ovo. Die Zuhörer zeigten sich begeistert und spendeten bereits Zwischenapplaus, als die kalte Milch per Knopfdruck in den Becher lief und später beim Schütteln erst recht.

Pfadi, Gitarrist und Fussballtrainer

Auf seinen Berufswunsch angesprochen, sagt Benjamin Blöchliger, dass er an der ETH Zürich Maschinenbau studieren wolle. Nächsten Sommer steht nun die Matura an mit Schwerpunkt «Physik und Anwendungen der Mathematik» (PAM-Matura).

Wer nun aber glaubt, der junge Mann sei auch in seiner Freizeit ausschliesslich Tüftler und Erfinder in den eigenen vier Wänden, der irrt. So ist Benjamin Blöchliger in der Hergiswiler Pfadi aktiv, spielt E-Gitarre in einer Band und ist Juniorentrainer beim FC Hergiswil.