Hergiswiler Musiker spielten ganz nah am Publikum

Am Donnerstag startete die dritte Klassikreihe «Seeklang Hergiswil». Die reformierte Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt – aus gutem Grund.

Kurt Liembd
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Sorgten für Wohlklang in der reformierten Kirche: Jesper Gasseling, Inigo Armentia, Hugo Chenuet und Polina Yarullina (von links). (Bild: Kurt Liembd (Hergiswil, 14. Februar 2019))

Sorgten für Wohlklang in der reformierten Kirche: Jesper Gasseling, Inigo Armentia, Hugo Chenuet und Polina Yarullina (von links). (Bild: Kurt Liembd (Hergiswil, 14. Februar 2019))

Der 27-jährige Jesper Gasseling, aufgewachsen in Hergiswil, ist ein Vollblutmusiker. Nicht umsonst wird er als einer von nur sechs Künstlern vom EU-Programm «European Music Talents» unterstützt und ist seit 2018 Stipendiat der «Concordia Music Foundation London». So durfte er als Konzertmeister in bekannten Orchestern der britischen Metropole wertvolle Erfahrungen sammeln.

Gasseling spielte schon in den Konzertsälen «St. James Piccadilly» und «Kings Place» in London, in den Philharmonien von Berlin, Köln, Essen und Paris, der Elbphilharmonie in Hamburg, im KKL Luzern, dem Mozarteum Salzburg und in grossen Konzertsälen Chinas, unter anderem in Shanghai und Peking. Im Sommer 2017 und 2018 wurde er eingeladen, an der «Lucerne Festival Academy» teilzunehmen. Soviel zu Jesper Gasseling, um aufzuzeigen, auf welch künstlerisch hochstehendem Niveau auch in Hergiswil musiziert wird. So auch am vergangenen Donnerstag, als in der reformierten Kirche die dritte Konzertreihe mit «Jesper Gasseling & Friends» startete.

Seeklang als langfristiges Projekt

Gasseling ist seit 2017 der künstlerische Leiter der Konzertreihe «Seeklang Hergiswil». Nebst ihm, dem einheimischen Hergiswiler, treten in abwechselnder Reihe zahlreiche weitere internationale junge Künstler auf – aus London, Slowenien, Frankreich, Spanien, Deutschland, Russland und der Schweiz. «Seeklang Hergiswil ist ein langfristiges Projekt», sagte Christoph Heeb von der Kulturkommission Hergiswil bei der Begrüssung in der voll besetzten Kirche. Trotz höchstem Niveau und einem Programm mit Werken aus dem 19./20. Jahrhundert gab es keinen Graben zwischen Musikern und Zuhörern.

Dazu trug auch bei, dass die Musiker ganz nahe am Publikum spielten und Jesper Gasseling die gespielten Werke gleich selbst ansagte. Die Musiker waren nebst Gasseling (Violine) Inigo Armentia (Violine) aus Spanien, Hugo Chenuet (Viola) aus Frankreich und Polina Yarullina (Cello) aus Russland. Vom ersten Takt an war spürbar, dass die vier Künstler in der Kammermusik und speziell im Stil des Streichquartettes zu Hause sind. Es war verblüffend, wie die vier Streichinstrumente unterschiedlichste Gefühle darstellten – mal fröhlich, beschwingt, tänzerisch, tem- peramentvoll bis ausgelassen, dann wieder schwermütig, melancholisch bis niedergeschlagen.

Mendelssohn und Webern leidenschaftlich

Sehr eindrücklich kam die ganze Palette der Gefühle beim Streichquartett Nr. 2 von Felix Mendelssohn-Bartholdy zum Ausdruck. Es passte perfekt zum jugendlichen Erscheinungsbild der Interpreten, denn der Komponist war erst 18 Jahre alt und ein Teenager, als er diesen vierteiligen Klassiker schuf.

Die vier Musiker spielten nicht nur extrem virtuos, sondern zeigten in ihrem Auftritt viel Leidenschaft, gepaart mit Verve von Jugendlichkeit. Nicht minder beeindruckend geriet der sogenannte «Langsame Satz» von Anton Webern. Deutlich konnten die Besucher an diesem Stück den Übergang zur frühen Moderne erkennen. Trotzdem blieb die Musik immer im tonalen Bereich, auch wenn der Komponist ein Schüler von Arnold Schönberg war.

Ebenso faszinierend, aber musikalisch von anderem Stil, gerieten die Tangos von Astor Piazzolla, in der klassischen Musikszene oft als «König des Tangos» bezeichnet. Das Resultat war eine wunderbare Weiterentwicklung des traditionellen Tango Argentino auf höchstem Niveau.

Die weiteren Konzerte von «Seeklang Hergiswil»: Sonntag, 17. März, um 16 Uhr im Singsaal Matt, Freitag, 17. Mai, um 19.30 Uhr in der reformierten Kirche, Donnerstag, 4. Juli, um 19.30 Uhr in der reformierten Kirche. . Eintritt frei, Kollekte. Reservierung empfohlen unter seeklang.hergiswil@gmail.com. Weitere Infos hier