Hergiswilerin Gritli Boller wird 100

Mit ihrem Mann führte Gritli Boller während 45 Jahren eine Drogerie – und war einst eine begeisterte Ruderin.

Richard Greuter
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Sport war ihre grosse Leidenschaft. Im Winter sauste Gritli Boller auf ihren Ski die Hänge hinunter, im Sommer waren Velofahren, Rudern und Leichtathletik angesagt. Heute wird die ehemalige Sportlerin, die mit ihrem Ehemann Heinz Boller in Hergiswil eine Dro­gerie betrieb, 100-jährig.

«Ich bin glücklich mit meinem Leben», sagt Jubilarin Gritli Boller.

«Ich bin glücklich mit meinem Leben», sagt Jubilarin Gritli Boller.

Bild: Richard Greuter (Hergiswil, 1.April 2021)

Wenn man mit ihr über Sport spricht, kramt sie gerne in ihren Erinnerungen. Beim Bürgerturnverein Luzern war sie gerne auf der Finnenbahn, machte Hochsprung oder Hürdenlauf. Dies alles erzählt sie bei einem Gespräch mit unserer Zeitung. Am liebsten aber war die Sportlerin mit einer Freundin im Zweier auf dem See oder auch mal im Vierer: «Ich ruderte wahnsinnig gerne.» Um Sport zu betreiben, suchte sie sich eine Arbeitsstelle mit frühem Feierabend. «Aber als Frau war ich beim See-Club Luzern eine Aussenseiterin.» Frauen waren damals beim See-Club erwünscht, aber nicht auf dem See, sondern eher für Hintergrundarbeiten. Ihr Sohn Ronald erinnert sich: «Mutter konnte nie still sitzen.» Die Jubilarin meint, dass ihr der Sport für das Erreichen ihres hohen Alters geholfen hat.

Aufbau der Drogerie beendete den Sport

Als das junge Paar mit dem Aufbau seiner Drogerie begann, musste sie mit dem Sport zurückstecken. Im Winter nahm sie sich ab und zu Zeit zum ­Skifahren und im Sommer traf man sie hinter dem Haus im Garten. Während zehn Jahren betrieben sie ihren Laden auf der Seeseite in der Nähe des ­Gemeindehauses. Sie erinnere sich noch an die Anfangszeiten: «Wir haben wahnsinnig gekämpft!» Denn in Hergiswil gab es schon eine Drogerie und die war näher im Zentrum.

Später bauten sie auf der anderen Strassenseite ein dreigeschossiges Haus und richteten im Erdgeschoss die Drogerie Boller ein. Auch da blieben Erinnerungen: «Die Leute wussten, dass wir im gleichen Haus wohnten.» So kam es vor, dass jemand am Sonntagmorgen läutete und – warum auch immer – nach Kopfwehtabletten verlangte. «Das ist der Nachteil, wenn man im gleichen Haus wohnt», meint die ehemalige Geschäftsfrau. Nach 45 Jahren, Heinz Boller war noch nicht 70, übergaben sie die Drogerie an Manfred Steiner, der sie weitere 30 Jahre betrieb. Sohn Ronald, inzwischen auch pensioniert, lernte zwar auch den Beruf des Drogisten, war aber für die Pharmabranche im Aussendienst tätig.

Trotz hohen Alters noch in den eigenen vier Wänden

«In diesem Alter gibt alles ab», sagt sie zu ihrem 100. Geburtstag. Damit gerechnet habe sie allerdings nie. Doch dank der wertvollen Hilfe ihres Sohnes und ihrer Schwiegertochter Ursula Boller könne sie noch in den eigenen vier Wänden leben. «Es ist wunderbar, wie die helfen.» Das Essen bekommt sie dreimal die Woche vom Seniorenzentrum Zwyden. Am liebsten esse sie aber Schokolade. «Ich hab noch nie auf die Kalorien geschaut», sagt die Jubilarin. Mit einem Auge, das an Makuladegeneration leidet, sehe sie nicht mehr viel. «Aber», so die Feiernde weiter, «ich lese täglich die Zeitung.» Wenn schönes Wetter herrscht, sei sie gerne auf dem Balkon, sonst löse sie Kreuzworträtsel.

Florierender Handel mit Kinderspielzeug

Die schwärzesten Wolken in ihrem Leben kamen, als Heinz in den Ferien an einem Sekundentod verstarb. Für Gritli war es das Schlimmste, das passieren konnte. Nach der Übergabe der Drogerie hatte ihr Mann einen Handel mit Kunststoff-Spielzeug für Kinder aufgebaut. Mit Hilfe ihres Sohnes und ihrer Schwiegertochter führte sie diesen Handel weiter bis zu ihrem 94. Geburtstag. Rückblickend meinte sie: «Ich bin glücklich mit meinem Leben.» Glücklich scheint auch Joggeli zu sein, der ab und zu lautstark seine Meinung kundtut. Seit mehr als 40 Jahren ist der Mohrenkopfpapagei ihr treuer Hausgenosse.