Diese junge Hergiswilerin sucht Lösungen für die Welternährung

Als eine von 65 jungen Menschen aus der ganzen Welt nahm Nadina Isliker aus Hergiswil am 9. International Swiss Talent Forum teil.

Florian Pfister
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Nadina Isliker präsentiert die ausgearbeiteten Lösungsvorschläge ihrer Gruppe.

Nadina Isliker präsentiert die ausgearbeiteten Lösungsvorschläge ihrer Gruppe.

Bild: PD

Während vier Tagen trafen sich 65 junge Erwachsene zwischen 18 und 22 Jahren aus Europa, Asien und Nordamerika, um an Lösungen zum Thema Welternährung zu arbeiten. Rund die Hälfte kommt aus der Schweiz, darunter auch Nadina Isliker. Die Winterthurerin lebt in einem Studentenwohnheim in Hergiswil und durfte am 9. International Swiss Talent Forum (ISTF) in Nottwil teilnehmen.

Das Thema am von der Stiftung Schweizer Jugend forscht organisierten Forum ändert jährlich und lautete Anfang Februar «World Food Systems» (Welternährungssysteme). Für Nadina Isliker waren die vier Tage ein tolles Erlebnis. «Aufgrund verschiedener kultureller und studienmässiger Hintergründe erfuhr ich viele andere Perspektiven zu einem Thema.» Sie habe zudem viel Neues gelernt und konnte das interdisziplinäre Denken fördern. «Ich schloss auch neue Freundschaften und wir haben viel gelacht», sagt sie erfreut.

Dank Motivationsschreiben teilgenommen

Dass die 22-Jährige, die in Luzern Recht studiert, überhaupt am ISTF teilnehmen konnte, verdankt sie ihrem englischsprachigen Motivationsschreiben. «Ich habe mich dafür beworben, da ich gerne interdisziplinär denke und mich mit den aktuellen Problem der Zeit auseinandersetze», sagt sie. Auch das Thema war ausschlaggebend. Sie wollte mehr über die Welternährung erfahren, vor allem da die Bevölkerung stetig wächst. Sie sagt:

«Es ist mir ein grosses Anliegen, dass jeder Mensch Zugang zu gesunder und ausgewogener Nahrung hat. Es soll niemand aufgrund einer Mangelernährung Gesundheitsprobleme haben.»

Es gab neun Gruppen, die jeweils an einem der fünf Themengebiete arbeiteten. Nadina Isliker war Teil der Gruppe, die sich mit dem Thema «Systems with Organic Agriculture», zu deutsch Systeme mit biologischer Landwirtschaft, auseinandersetzte. «Mehr Menschen auf der Welt bedeuten auch mehr Bedarf an Nahrung. Der Umweltschutz wird zugleich immer wichtiger. Wie können wir eine gute Mischung finden?» Diese Frage stellte sich ihre Gruppe.

Es folgte eine Phase, während der sich die Teilnehmer Ideallösungen überlegen mussten, ohne an die Machbarkeit zu denken. Im letzten Schritt des Erarbeitens suchten sie nach realisierbaren Lösungsansätzen. Und von denen haben Nadina Isliker und ihre Gruppe einige gefunden. So soll die kontrollierte Nutzung von Dünger ein Ansatz sein. Es entsteht ein Recyclingsystem komplett aus organischen Nährstoffen. «Wichtig ist, dass der Boden zunächst bemessen wird, um herauszufinden, welche Nährstoffe er überhaupt braucht», so Isliker.

Technologie für effizientere Landwirtschaft

Ein neuartiges Verfahren erlaubt es, DNA-Bausteine im Erbgut zu verändern. Indem gezielt die negativen Eigenschaften aus den Pflanzen herausgeschnitten werden, kann der Ernteausfall massiv reduziert werden. Gentechnik könnte eine mögliche Lösung sein.

«An der Technologie führt kein Weg vorbei», ist Nadina Isliker überzeugt. So bedeutet das Smart Farming, dass die Bauern durch autonome Techniken und Roboter unterstützt werden, was zu einer schnelleren und effizienteren Produktion führt. Zudem wäre eine Onlineplattform eine gute Idee, in der sich Bauern austauschen könnten.

«Ganz ohne Anreize würde die Umsetzung nicht funktionieren», meint Nadina Isliker. «Wenn nicht mehr gekauft wird, dann wird auch nicht mehr produziert.» So schlägt ihre Gruppe Direktzahlungen vorwiegend nur an biologische Bauern vor. Auch die Nutzung von neuer Technologie soll belohnt werden, für externe Kosten wie Umweltverschmutzung hingegen sollen die Landwirte Abgaben zahlen müssen. «Durch die effizientere Produktion könnten Bioprodukte auch billiger werden und sich den Preisen von regulären Artikeln annähern, was mehr zum Kauf von Bioprodukten animiert.»

Denn besonders bedeutend sei die Wahrnehmung der Gesellschaft. «Man muss den Leuten erklären, warum der Einsatz von gewissen neuen Technologien noch immer biologisch ist und eine Chance sein kann. Wichtig ist mehr Transparenz. Um das zu erreichen, ist es von Bedeutung, dass die Staaten das unterstützen. Sie können die Thematik bereits den Schülern näherbringen und Kampagnen lancieren.» Nadina Islikers Gruppe hatte die Idee eines Labels, das auf jedem Produkt vermerkt, ob es biologisch oder umweltschädlich produziert wurde. «Allgemein ist das Wichtigste, der Gesellschaft die Themen bewusst zu machen.

«Es gilt immer, das Beste daraus zu machen»

Nadina Isliker selbst hält die erarbeiteten Lösungsvorschläge für gut erreichbar. «Besonders das Smart Farming wird sich durch die technologische Entwicklung sicher in Zukunft etablieren.» Die anderen Ansätze seien kaum beeinflussbar, denn es komme darauf an, wie die Leute auf die Themen reagierten. «Auch kann die Politik nicht direkt gesteuert werden. Es gibt noch einige Hürden, aber es gilt immer, das Beste daraus zu machen.»