HERGISWIL/STALDEN: Von Mut und Ehrgeiz beim Musikpreis

Lang ist es her, seit Rolf Ambauen am Rotary-Musikpreis erstmals barocke Töne von sich gab. 2017 betreut er am gleichen Wettbewerb seine Saxofonschüler.

Primus Camenzind
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Tontechniker Rolf Ambauen im Studio von Gabriel Recording. (Bild: Primus Camenzind (Stalden, 27 Januar 2017))

Tontechniker Rolf Ambauen im Studio von Gabriel Recording. (Bild: Primus Camenzind (Stalden, 27 Januar 2017))

Primus Camenzind

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«Es war an jenem Samstagmorgen im Kollegi-Theatersaal in Stans recht kalt.» Vielmehr kommt Rolf Ambauen bei seinen Gedanken an den ersten Auftritt am Rotary-Musikpreis Ob- und Nidwalden vor knapp 25 Jahren vorerst nicht in den Sinn. Der Tontechniker aus Hergiswil mit eidgenössischem Fachausweis sitzt am riesigen Mischpult im Studio von Gabriel Recording in Stalden. Im Gespräch setzen seine Erin­nerungen langsam ein – noch rechtzeitig, bevor um 9 Uhr vormittags Musiker kommen, um einen Tonträger einzuspielen.

Kein Podestplatz für den «Klassiker wider Willen»

«Früher und zum Teil auch heute noch gilt klassische Musik als ‹die› Vortragsmusik an Wettbewerben», meint der Saxofonist und Musiklehrer mit Studienabschluss an der Jazzschule Luzern. Diese Tatsache hatte zur Folge, dass Ambauen – mit massvoller Begeisterung – auf seinem «unklassischen» Instrument den barocken Georg Friedrich Händel mit Klavierbegleitung interpretierte. Bei seiner ersten Teil­nahme am Rotary-Musikpreis schaffte es der «Klassiker wider Willen» nicht aufs Podest. «Ich habe aber trotzdem ganz anständig musiziert», glaubt er sich zu erinnern. «Es gab damals wenig Lehrpersonen, die in Jazz und Popmusik ausgebildet waren», gibt er zu bedenken und räumt ein, dass sich solche Wettbe­werbe erst vor der Jahrtausendwende allmählich öffneten und nebst der Klassik auch Sparten wie Volksmusik und moderne Stilarten ins Programm integrierten. «Das gilt besonders auch für den Rotary-Musikpreis 2017 vom 4. Februar», bekräftigt Rolf Ambauen (siehe Kasten).

Vom Militärmusiker zum Jazzer

Schon früh war er vom Jazz begeistert. Weil es in seiner Jugend noch kaum Big Bands oder moderne Combos gab, kamen die Bläser aus den Musikschulen kaum an ihrer Dorfmusik vorbei. «Erst nach der Dienstzeit als ­Militärmusiker sagte ich der klassischen Blasmusik Adieu», lässt uns Ambauen wissen.

Auf ein Studium am Lehrerseminar und fünf Berufsjahre an den Schulen in Engelberg und Kerns folgte das Zweitstudium an der Jazzschule. «Von Improvisation hatte ich anfänglich noch keine Ahnung», sagt er. Seine Vor­liebe für den berühmten US-Saxofonisten Cannonball Adderley brachte den Umschwung. Heute unterrichtet Rolf Ambauen Saxofonschülerinnen und -schüler, und er sieht auch einen Sinn darin, diese für die Teilnahme am Rotary-Musikpreis zu begeistern.

«Sich hinstellen, um vor Publikum geprüft zu werden, das braucht doch eine rechte Portion Mut, und das finde ich als Musiklehrer gut», betont Ambauen. Mit der Aufgabe, dass sich Schüler über längere Zeit an einem Musikstück «festbeissen» und sich auf diesen Auftritt vorbereiten müssten, entwickle sich bei ihnen meistens auch ein gewisser Ehrgeiz. «Und auch das kann nur gut sein!»

Jetzt erinnert sich Ambauen auch an seinen zweiten Auftritt am Rotary-Musikpreis. «Das war 1993. Wir Saxofonisten spielten im Quartett. Fürs Podest reichte es wieder nicht, aber wir erhielten einen Preis für Originalität!»

Viel Abwechslung in vier Vortragslokalen

Dieser wohl renommierteste Wettbewerb in Nid- und Obwalden findet seit 1990 alle zwei Jahre an wechselnden Standorten in den beiden Halbkantonen statt. Am kommenden Samstag, 4. Februar, findet er in Ennetbürgen statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Nid- und Obwaldner Musikschulen sind sowohl als Solisten als auch in Gruppen in vier Vortragslokalen zu hören – im Gemeindesaal, auf der Bühne der Mehrzweckhalle, im Pfarreisaal und im Singsaal. Der Wettbewerb ist in die Kategorien Moderne Stilarten, Schlaginstrumente, Perkussion, Klavier, Blechblasinstrumente, Ensembles, Akkordeon, Zupfinstrumente, Gesang, Streich- und Holzblasinstrumente unterteilt.

Erste Vorträge sind bereits ab 8.30 Uhr zu hören. Ungefähr um 16.30 Uhr geht in der Mehrzweckhalle dann die Preisverleihung über die Bühne. Dort steht im zweiten Stock auch eine Cafeteria bereit. Parkplätze stehen beim Gemeindehaus und Schulhausplatz zur Verfügung. (cam)