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Interview

«Huere dienig»: So feiert einer von 704 Nidwaldner Sepp den Seppi-Tag

Schlittenbauer und -erfinder, Rekordhalter im Steinstossen, Sprücheschreiber, Holzkopf des Jahres, einer von 704 Sepps im Kanton Nidwalden. Genug Stoff für ein kurzweiliges Gespräch mit Sepp Ambauen - auch über den Seppitag, den er gerne geniesst.
Markus (Josef) von Rotz
Sepp Ambauen am Rande des 21. Hornschlittenrennens auf Klewenalp. (Bild: Corinne Glanzmann, 11. März 2017)

Sepp Ambauen am Rande des 21. Hornschlittenrennens auf Klewenalp. (Bild: Corinne Glanzmann, 11. März 2017)

Der Vater von drei erwachsenen Kindern wird im Dezember pensioniert. «Ich bin auf Abschiedstournee», sage er jeweils, wenn jemand frage, wie lange er noch in seinem Beruf als Schreiner arbeite.

Wie fühlt es sich an, wenn einem zu Ehren der Kanton Feiertag hat?

Sepp Ambauen: Das ist «ganz gäbig», man ist sich gewohnt von jung auf, dass der Seppitag ein Feiertag ist. Ich finde es «huere dienig».

Waren Sie mit Ihrem Vornamen immer zufrieden?

Ja, sicher. Schon der Vater und der Grossvater hiessen so, der Urgrossvater nicht.

Geht die Familientradition weiter?

Nein, wir nannten unseren Sohn Alexander. Aber mein Bruder hat einen Sepp.

Dann sind Sie selber mit mitschuldig, wenn der Name ausstirbt...

Auf eine Art schon. Früher hatten sie zuweilen einen Sepp und ein Josy in der gleichen Familie. Vielleicht kommt der Sepp ja wieder mal, biblische Namen kommen immer wieder in Mode. Wir waren drei Sepps in meiner Klasse. Der Lehrer musste Übernamen benützen. Ich war der «Grienewäudler». Ich kann mich auch erinnern, dass wir mal in einer Beiz fünf Sepp Ambauen am gleichen Tisch waren, alles Beckenrieder.

Der Seppitag sei «gäbig», sagten Sie. Was machen Sie daraus?

In den vergangenen Jahren besuchte ich regelmässig einen pensionierten Kollegen im Bernbiet.

Besuchen Sie ihn mit Ihrem Töff?

Nein, mit dem Auto. Am Seppitag ist es oft noch frisch. Ich kann mich erinnern, dass es mal am 19. März gegen 30 Zentimeter Neuschnee gab. Mein Bruder und ich zogen den ganzen Tag Autos nach Emmetten, die nicht mehr hinaufkamen.

Sie sprachen den «Grienäwaud»-Sepp an. Was hat es damit auf sich?

Ich wuchs auf der Liegenschaft Grienäwaud auf. Daher habe ich den Namen.

Also ist es kein Zufall, dass Sie immer mit Holz zu tun hatten?

Vielleicht nicht. Zur Liegenschaft gehörte auch Wald. Als Kinder haben wir dort immer «eppis umegfuischted». Ich begann schon als Schulbub, «rumzuschnätzen», bekam von meiner Gotte mal Schnitzmesser. Da begann ich mit Holzmasken. Auch später in der Lehre. Dann kamen Blumentröge in allen Grössen hinzu. Die liefen wie frische Weggli. Damit verdiente ich ein schönes Sackgeld.

Sie wurden als «Hölziger» auch schon ausgezeichnet.

Ja, in Beckenried erhielt ich mal einen Anerkennungspreis fürs Design des Beggenrieder Schlittens. Der Unterwaldner Holzkopfpreis 2016 war dann eine Auszeichnung sozusagen für mein ganzes Werken.

Sind Sie selber ein Holzkopf?

(Die Frau nickt). Ja, schon ein wenig.

Wie äussert sich das?

Habe ich mal was im Kopf, muss es gemacht sein. Wenn ich dann sehe, dass es funktioniert, interessiert es mich schon bald nicht mehr.

So bei den Beggenrieder Schlitten: Die Produktion reizte mich nie. Ich hatte die Idee und baute den Prototypen. Er musste funktionieren.

So beliebt sind die Sepps im Lauf der Jahre gewesen

Was ist das Besondere an dem von Ihnen erfundenen Schlitten?

Die Form gab die Fahreigenschaften. Ich wollte einen Schlitten, auf dem man höher sass als auf anderen, der durch Gewichtsverlagerung lenkbar ist und auch ein bisschen federn soll. Das haben wir alles hinbekommen.

Da war es ein kleiner Weg zum Klewen-Hornschlittenrennen?

Wir hatten in Nidwalden Zieh-, aber keine Hornschlitten, darum auch keine Rennen wie anderswo. Als ich dann mal für 100 Franken drei alte Schlitten kaufen konnte, machte ich daraus zwei funktionstüchtige und später begann ich selber zu bauen und fuhr auch Rennen. Bis zu zwölf hatte ich mal.

Überlebt das Hornschlittenrennen?

Ich denke ja, auch wenn die Teilnehmerzahl etwas rückläufig ist. Aber wir haben vermehrt wieder Junge.

Wurde der Beruf Schreiner zum Hobby oder umgekehrt?

Sowohl als auch. Ich lernte Schreiner und blieb es. Mit den heutigen Türen hat man aber nicht mehr so viel mit Holz zu tun wie früher. Aber daneben habe ich das Schnitzen als Hobby und Ausgleich. (Er zeigt auf den Küchentisch, den er selber aus einem Nussbaum gebaut hat, samt Einbuchtung, damit man am alten eingebauten Kochherd vorbeikommt).

Neben Holz faszinierte Sie auch der Unspunnenstein?

Ja, ich war Schwinger, und mein Vater schwärmte immer vom Steinstossen. Ich übte an Schwingfesten immer wieder mal und trainierte auch zu Hause mit einem «Mocken». 1981 war ich erster Ersatz am Unspunnenfest, meldete mich fürs Steinstossen an und wurde auf Anhieb Zweiter und bekam Freude daran – dieser zweite Rang blieb der schlechteste: Ich gewann dann mehrmals und wurde noch ein paar Mal Zweiter. Am Eidgenössischen in Stans stellte ich den Rekord von 3,77 Metern auf.

Die Dorfchlag (Älplerkilbisprüche) ist auch eine besondere Liebe?

Wir haben in Beckenried neben der Dorfchlag für allgemeine Themen am Abend eine Abigchlag über die Älpler. Diese begann ich schon 1974 als Rekrut zu schreiben und später auch vorzutragen. Nach und nach machte ich beides auch für die Dorfchlag. Nach rund 40 Jahren haben wir nun für die Abigchlag in Armin Murer einen guten Nachfolger.

Das gab zu tun?

Definitiv. Pro Älpler hatten wir eine ganze Seite Sprüche. Bei gut zwei Dutzend Älplern ging das bis zu zwei Stunden.

Wie kam man zu den Sprüchen?

Für die Dorfchlag konnte ich vieles aus Ihrer Zeitung nehmen. Und für die Abig­chlag wiegelte man früher einen Älpler gegen den anderen auf. Heute zieht jeder einen Namen, zu diesem Älpler muss er dann Informationen liefern. Über einzelne könnte man zehn Klagen schreiben. Bei anderen braucht es etwas mehr Fantasie oder Übertreibung.

Was wünschen Sie den Sepps und Josys für den Seppitag?

Dass sie ihn geniessen können und er uns noch manches Jahr erhalten bleibt.

Und allen, die nicht so einen schönen Namen haben?

Sie sollen auch stolz sein auf ihren Namen, und wenn’s genug von ihnen gibt, bekommen sie vielleicht auch mal einen Feiertag.

Sepp Ambauen nimmt in der Dorfchlag Ereignisse des vergangenen Jahres aufs Korn. (Bild: Edi Ettlin, Beckenried, 12. November 2017)

Sepp Ambauen nimmt in der Dorfchlag Ereignisse des vergangenen Jahres aufs Korn. (Bild: Edi Ettlin, Beckenried, 12. November 2017)

Den Tag gibt es seit dem 12. Jahrhundert

Der Josefstag (auch Seppitag oder in Österreich Josephinentag) ist im katholischen Kirchenjahr das Hochfest des hl. Josef, des Bräutigams der Gottesmutter, am 19. März. Dessen Verehrung findet sich erstmals im 12. Jahrhundert. Ein Feiertag ist er laut Wikipedia in Nidwalden, Schwyz, Tessin, Uri und Wallis sowie einzelnen Gemeinden in Graubünden, Luzern, Solothurn und Zug und in Liechtenstein, Kolumbien und Teilen von Spanien ebenso wie in einigen österreichischen Bundesländern.

In Nidwalden sind Verwaltung und Läden geschlossen. 2011 hatten die Grossverteiler offen. Sie nutzten einen der Jokertage gemäss Gesetz, weil der Seppitag auf einen Samstag fiel. Dasselbe war 2006, als er in die Karwoche fiel. Bei den Dorfläden von Stans hiess es damals, am Seppitag zu öffnen, sei für sie auch künftig kein Thema.

Aktuell sind andere Namen beliebter als Josef und Josefine

Die Namenshitparade der Schweiz

Mit folgenden zehn Namen lebten 2017 am meisten Leute in der Schweiz
Männer Anzahl Frauen Anzahl
Daniel 62 460 Maria 84 136
Peter 59 405 Anna 41 951
Thomas 52 670 Ursula 35 265
Hans 52 571 Sandra 34 838
Christian 42 585 Ruth 34 702
Martin 40 969 Elisabeth 34 516
Andreas 40 521 Monika 32 053
Michael 39 881 Claudia 30 396
Markus 38 131 Verena 30 006
Marco 32 570 Nicole 29 411

Wie viele Sepps leben in Nidwalden?

815 Josef, Josefine usw. wohnen in Nidwalden

Nirgends gibt es so viele Sepp wie in Buochs
Gemeinde Männer Frauen
Beckenried 36 4
Buochs 201 41
Dallenwil 44 5
Emmetten 18 0
Ennetbürgen 66 15
Ennetmoos 43 9
Hergiswil 55 13
Oberdorf 82 8
Stans 99 11
Stansstad 10 1
Wolfenschiessen 50 4
Total 704 111
Sepp Ambauen als Teilnehmer am Hornschlittenrennen 2017, vorne auf dem Schlitten Richi Barmettler.

Sepp Ambauen als Teilnehmer am Hornschlittenrennen 2017, vorne auf dem Schlitten Richi Barmettler.

Was Sepp Ambauen über die Obwaldner denkt

Die Fusion mit Obwalden als «Dorfchlag» aus dem Jahr 1997

Siebä Regierigsräät, das gid mier etz gleych nu chley z schdudierä.
Wiä gahd de das uif, wemä wott mid dä «Tschifeler» fusionierä?
We mängä Sitz muäsmä de dä Obwoudner gää?
Wemä diä säbä kännt, wend amu diä sälber scho eppä zäh.
Mier arme Nidwoudner hättid dänk de kä Platz me am Barnä,
und s Raathuis, das chäm sowieso uifä uf Sarnä.
Hoffentlich chund`s niä so weyt, das wurd sicher niä klappä,
mier Nidwoudner, mimä houbä Schlissu im Wappä.
Nei, aso wirklich, ich as Tschifeler, da hätti etz wirklich Miäh,
das chenid ier grad vergässä, das funktioniert aso niä.
Ich hoffä numä, vorderhand täg da nu neyd passierä,
bevor mier Tschifeler wärdid, demmer de mid Gersai fusionierä.
Bi dä Regierigsraatswahlä wär das ä Vorteil, wärdid`s gseh,
da wärid mier de ufsmal wieder ä Seemgmeind mee.

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